Entwicklungshilfeminister Gerd Müller warnt: "Wir führen den Planeten an den Rand der Apokalypse"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GERD MUELLER
dpa
Drucken
  • Schwerwiegende politische Richtungsentscheidungen sind auf dem G20-Gipfel in Hamburg nicht gefällt worden
  • Das trifft insbesondere auch auf die Entwicklungspolitik zu
  • Deshalb warnt nun Entwicklungshilfeminister Müller vor drastischen Folgen

Für die Entwicklungsländer war der G20-Gipfel ernüchternd. Großspurig war vor dem Treffen von einem "Marshall-Plan für Afrika" die Rede gewesen. Zudem sollte die Entwicklungshilfe für die Länder des Kontinents ganz im Zentrum der Diskussionen stehen. Weder das eine noch das andere Versprechen wurde eingelöst.

Folglich hielt sich die Euphorie in Afrika zurück: "Dieser Gipfel wird Uganda oder Afrika ganz allgemein nicht viel bringen", erklärte etwa Ugandas stellvertretender Außenminister Henry Okello Oryem kurz nach dem G20-Treffen.

Aber auch Außenminister Sigmar Gabriel hatte mit Blick auf die Bekämpfung von Fluchtursachen, Hunger und Armut gesagt, dass der Gipfel "ein totaler Fehlschlag" war.

Mehr zum Thema: In einer Region Äthiopiens gilt die Hungersnot als besiegt - fünf europäische Köche erzählen, wie das gelingen konnte

"Am Rand der Apokalypse"

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Aus seiner Sicht war der Gipfel "inhaltlich ein Erfolg".

Dennoch sieht Müller im Interview mit dem Deutschlandfunk große Probleme auf die Menschheit zukommen. Denn wenn alle den westlichen Lebensstil leben würden, "bräuchten wir zwei bis drei Planeten an Ressourcen", gibt der Minister zu bedenken. Er warnt: "Und wenn wir so weiterleben, dann führen wir den Planeten an den Rand der Apokalypse."

Eine weitere große Herausforderung sei die Bevölkerungsexplosion, dabei insbesondere die Ernährung so vieler Menschen und deren Energieversorgung.

Dass das Thema Afrika überhaupt in Hamburg diskutiert wurde, liegt an der Flüchtlingskrise. "Das ist sicher der Auslöser", glaubt Müller.

Er betont aber: "Für mich ist das eine Frage der Humanität. Wenn wir die Menschen dort verhungern lassen, obwohl wir die Technik, die Innovation haben als Europäer, dann ist das Mord." Wir alle würden in der Verantwortung stehen, sagte Müller im Deutschlandfunk.

Denn durch die Digitalisierung würden die Menschen selbst in Krisenregionen problemlos erkennen, dass es eine andere, bessere Welt gebe. "Und helfen wir nicht dort, Chancen, Zukunft, Ausbildung zu schaffen, dann kommen die Menschen zu uns", erklärte Müller.

USA sind eine "humanitäre Großmacht"

Immerhin: Zu den vorzeigbaren Ergebnissen des G20-Gipfels gehörte, dass der erst vor kurzem gestartete Weltbank-Fonds zur Stärkung von Unternehmerinnen in Entwicklungsländern weitere Geldzusagen erhielt.

Außerdem wurde neues Geld zur Bekämpfung für das Welternährungsprogramm und andere Hilfsorganisationen versprochen. Zumindest von den USA: Umgerechnet bis zu 572 Millionen Euro sollen zur Bekämpfung der Hungerkrisen in Nigeria, im Südsudan, in Somalia und im Jemen eingesetzt werden.

Auch Müller hatte seine US-Kollegen aufgefordert, ein Zeichen zu setzen. Das Land sei eine "humanitäre Großmacht".

Allerdings: Das jetzt versprochene Geld war bereits im April vom US-Kongress bereitgestellt worden.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png


(ks)

Korrektur anregen