Das Sommerinterview mit Kanzlerin Merkel plätschert dahin - bis das Thema auf die Türkei kommt

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Das Sommerinterview mit Kanzlerin Merkel plätschert dahin - bis das Thema auf die Türkei kommt | dpa
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  • Lässig wie die Jahreszeit hat Kanzlerin Merkel ihr Sommerinterview im ARD-Hauptstadtstudio gegeben
  • Bei der Kritik an der SPD und deren Plänen hielt sich die CDU-Chefin zurück
  • Alles ist gut, scheint die Devise - außer in der Beziehung zur Türkei

Angela Merkel hat Routine in Interviews entwickelt. Logisch. Seit immerhin zwölf Jahren ist die CDU-Chefin nun schon Kanzlerin. Nur ganz selten hat sie sich zu einer hitzigen Bemerkung hinreißen lassen.

Beim Sommerinterview im ARD-Hauptstadtstudio am Sonntagabend war es nicht anders. So gelassen wie die beiden Moderatoren Tina Hassel und Thomas Baumann fragten, antwortete die Kanzlerin. In knapp 20 Minuten streiften die drei alle aktuellen Themen:

G20-Gipfel: Merkel stützt den Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz (SPD), nachdem die Hamburger CDU dessen Rücktritt nach den dortigen Krawallen gefordert hatte. Denn die Kanzlerin steht zu der umstrittenen Wahl Hamburgs als Ort des G20-Gipfels und will sich nach eigenen Worten nicht aus der Verantwortung stehlen. Abgehakt.

"Es gibt keine Verhandlungssache" mit Ankara

Auch den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz fasste Merkel nur mit Samthandschuhen an. Nach seinem ebenfalls am Sonntag vorgestellten "Zukunftsplan" widersprach sie ihm eigentlich nur beim Investitionsthema. Das Hauptproblem sei nicht fehlendes Geld, sondern zu langsame Planung. Das war's.

Nur in einer Frage zeigte sich Merkel in der knapp zwanzigminütigen Fragerunde hart: Sie pochte weiterhin auf ein Besuchsrecht für Bundestagsabgeordnete bei den Bundeswehrsoldaten auf dem Nato-Stützpunkt Konya.

Auf die Frage nach einem möglichen politischen Handel mit Ankara stellte Merkel klar, dies würde die Bundesregierung "rundweg" ablehnen. "Es gibt keine Verhandlungssache", betonte sie.

Belastete Türkei-Beziehungen sind "misslich, ausgesprochen misslich"

Hintergrund der Absage eines bereits geplanten Besuchs deutscher Parlamentarier durch die Türkei sind die aktuell stark belasteten bilateralen Beziehungen. "Das Ganze ist misslich, ausgesprochen misslich", so die Kanzlerin.

Sie betonte, das Besuchsrecht gelte unbeschadet irgendwelcher Nebenforderungen: "Das ist vollkommen klar." Man müsse die Gesamtsituation sehen. Der - auch von Konya aus geführte - Kampf gegen die Terrormiliz IS sei in einer entscheidenden Phase. Da müsse man Verlässlichkeit gegen dieses Recht abwägen: "Aber Randbedingungen wird es da mit Sicherheit mit uns nicht geben."

So unnachgiebig zeigte sich Merkel ansonsten nur noch in ihrer Haltung zur Obergrenze für Flüchtlinge: "Ich werde sie nicht akzeptieren", unterstrich sie abermals.

Nichts Neues also auch in Richtung CSU.

(Mit Material der dpa)

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(ujo)

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