In Südthüringen feierten 6000 Neonazis - auf dem Grundstück eines Ex-AfD-Politikers

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NAZIS
In Südthüringen feierten 6000 Neonazis - auf dem Grundstück eines AfD-Politikers | dpa
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  • In Südthüringen sind am Samstag fast 6000 Rechte zum wohl bundesweit größten Neonazi-Konzert des Jahres angereist
  • Die 3000-Einwohner-Stadt Themar hielt mit einem Volksfest und bunten Plakaten dagegen
  • Brisant: Das Grundstück, auf dem die Nazis feierten, gehört einem ehemaligen AfD-Politiker

Themar im Ausnahmezustand: Fast als 6000 Anhänger der rechten Szene kamen am Samstag zum bundesweit wohl größten Neonazi-Konzert des Jahres in die kleine südthüringische Stadt. Szene-Kenner berichten, dass die rechten Veranstalter bis zu 190.000 Euro eingenommen haben könnten.

Große Menschenmengen standen in und um das Festivalzelt. Aus Sicherheitsgründen hätten die Veranstalter deshalb das Festivalgelände sogar vergrößert. Viele Autos hätten auf den vorgesehenen Wiesen keine Parkplätze mehr gefunden. Aus ganz Deutschland waren die Neonazis nach Themar gekommen - selbst in Reisebussen.

"Das Sicherheitskonzept gegen das Konzert 'Rock gegen Überfremdung' ist bislang voll aufgegangen", erklärte der Sprecher der Landespolizeidirektion, Patrick Martin, der Deutschen Presse-Agentur. Er sprach von einem schwierigen Einsatz für die Beamten.

Grundstück gehört Ex-AfD-Politiker

Brisant: Wie der "Zeit-Online"-Blog "Störungsmelder" bereits im Juni berichtete, gehört das Grundstück, auf dem die riesige Neonazi-Veranstaltung stattfand, dem ehemaligen AfD-Politiker Bodo Dressel. Der ist zudem Bürgermeister des Themarer Nachbarortes Grimmelshausen - und war bis vor wenigen Jahren Mitglied der CDU.

Der Zulauf bei den Gegenprotesten war entgegen der Erwartungen eher verhalten. Statt der erhofften 2000 Menschen demonstrierten nur mehrere Hundert geschlossen gegen Rechts. Neun Veranstaltungen waren im Vorfeld angemeldet worden.

Rund 1000 Polizisten aus Thüringen und mehreren Bundesländern waren im Einsatz - auch um ein Aufeinandertreffen der Teilnehmer des Rockkonzerts mit den Gegendemonstranten zu verhindern.

Martialische T-Shirts

Die Rechtsrock-Konzert-Besucher, teils mit T-Shirt-Aufschriften wie "Sturm auf Themar" oder "Frei wie ein Vogel", wurden vor Eintritt in das mit hohen Gittern eingezäunte Festivalgelände von der Polizei durchsucht. Auf der Wiese war ein riesiges Zelt aufgebaut. Das Konzert sollte bis nach Mitternacht dauern.

Bis zum frühen Abend hatte die Polizei mindestens 32 Straftaten festgestellt, ein Großteil davon wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Dazu kamen Beleidigungen, Sachbeschädigungen und Drogenmissbrauch.

Bürgerinitiativen, die Kirche und Privatleute hatten im Vorfeld zum Protest aufgerufen. In der 3000-Einwohner-Stadt, in der bunte Plakate und Transparente zu sehen waren, war es trotz Bürgerfest und kleinen Protesten auffallend ruhig. Der stellvertretende Landrat von Hildburghausen, Helge Hoffmann, sagte, was die kleine Gemeinde an Protest organisiert habe, sei ehrenwert.

Er gab zu bedenken: "Wir sind hier in einem ländlichen Raum." Er habe sich jedoch mehr Unterstützung aus der Region gewünscht.


In einer früheren Version dieses Artikels wurde Bodo Dressel noch als AfD-Politiker bezeichnet. Herr Dressel ist kürzlich aus der AfD ausgetreten. Diese Information lag uns bei Erscheinen des Artikels noch nicht vor.

(Mit Material der dpa)

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(jg)

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