Wer ist Rinat Achmetschin? Das wissen wir über den russisch-amerikanischen Lobbyisten, der sich mit Trump Jr. traf

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Wer ist Rinat Achmetschin? Das wissen wir über den russisch-amerikanischen Lobbyisten, der sich mit Trump Jr. traf | dpa
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  • Für US-Präsident Donald Trump und seine Vertrauten wird es in der Russland-Affäre immer enger
  • Denn als sich dessen ältester Sohn im Juni 2016 mit einer russischen Anwältin traf, war auch Rinat Achmetschin vor Ort
  • Der russisch-amerikanische Lobbyist hat eine Vergangenheit im Sowjet-Geheimdienst

Skandale sind für Rinat Achmetschin nicht Neues. Der russisch-amerikanische Lobbyist und Ex-Sowjet-Offizier ist schlagartig ins Rampenlicht gerückt, weil er im Juni 2016 Donald Trump Jr. getroffen hat.

Bis vor Kurzem war der 50-Jährige mit doppelter Staatsbürgerschaft relativ unbekannt in Washington D.C. Dabei war Achmetschin jahrzehntelang in anspruchsvolle Lobby-Kampagnen für die ehemalige Sowjetunion eingebunden.

Achmetschin bestätigte der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) am Freitag, dass er am brisanten Treffen zwischen Donald Trumps ältesten Sohn und der russischen Anwältin Natalja Veselnitskaja teilnahm. Auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und sein damaliger Wahlkampfmanager Paul Mannafort waren mit dabei.

Trump Jr. hatte dem Treffen zugestimmt, weil ihm kompromittierendes Material der russischen Regierung über die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton in Aussicht gestellt worden war. Das hat Trump Jr. vermutlich nicht erhalten. Stattdessen tappte er in eine Falle.

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Lobby-Arbeit gegen den Magnitsky Act

Denn wie sich jetzt herausstellte, war das Treffen Teil einer Lobby-Kampagne gegen den sogenannten Magnitsky Act. Dieses im Jahr 2012 verabschiedete US-Gesetz untersagt mehreren russischen Beamten die Einreise in die USA. Ihnen werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Insbesondere der russischen Präsident Wladimir Putin soll sich am Magnitsky Act stören.

Nur wenige Tage nach dem Treffen organisierte der mutmaßliche Ex-Spion Achmetschin die Vorführung eines russischen Propagandafilms im Newseum in Washington. Interessante Randnotiz: Bei dem Veranstaltungsort handelt es sich um ein Museum zum Thema Journalismus.

Der gezeigte Film versuchte Beweise zu widerlegen, dass der Kreml hinter der Verhaftung, Folter und Ermordung des russischen Anwalts und Whistleblowers Sergej Magnitsky steckt - dem Namensgeber des erwähnten Gesetzes.

Ehemaliger sowjetischer Offizier der Spionageabwehr?

Auffällig ist, dass Trump Jr. ursprünglich nicht die Anwesenheit von Achmetschin beim Treffen bekannt gab. Alan Futerfas, der Anwalt von Trump Jr., behauptete noch am Freitag, dass sich sein Klient der Lobbyistentätigkeit Achmetschins zum Zeitpunkt des Treffens nicht bewusst war.

"Er ist ein US-Bürger", erklärte Futerfas dem TV-Sender NBC zum Hintergrund des Lobbyisten. "Er sagte mir klar, dass er nicht für die russische Regierung arbeitete und lachte sogar, als ich ihm diese Frage stellte."

Dabei hätte er es besser wissen können. Denn Achmetschin war auch Thema eines Briefes, den der Vorsitzende des Justizausschusses des Senats, der Republikaner Chuck Grassley, im April an den US-Minister für Innere Sicherheit, John Kelly, sandte.

Darin mutmaßt der Senator, ob Achmetschin möglicherweise den Foreign Agents Registration Act verletzt haben könnte. Das Gesetz schreibt vor, dass Personen, die in den USA politisch für das Ausland tätig sind, dies offenlegen müssen.

So werfen Gerichtsdokumente von Rechtsanwälten der russischen Bergbaufirma International Mineral Resources Achmetschin vor, an einer Cyber-Attacke gegen das Unternehmen beteiligt gewesen zu sein - um das Bild der Firma in der Öffentlichkeit zu beschädigen.

Auch hier auffällig: Die Unterlagen beschreiben den Lobbyisten im November 2015 als "ehemaligen sowjetischen Offizier der Spionageabwehr".

Achmetschin: Treffen keine "große Sache"

Diese Vorwürfe wurden zwar später wieder fallengelassen, wie die US-Nachrichtenwebsite "The Daily Beast" berichtet. Allerdings bestätigte Achmetschin der Nachrichtenagentur AP, dass er von 1986 bis 1988 in der Sowjetunion seinen Militärdienst ableistete. Er bestritt aber, ein Spionage-Training absolviert zu haben.

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NBC berichtete jedoch, bei Achmetschin handele es sich um einen früheren sowjetischen Geheimdienstmitarbeiter. Auch die "Washington Post" schrieb, Achmetschin habe angegeben, er sei von russischen Geheimdiensten ausgebildet worden.

Und was sagt Achmetschin?

Das er nicht erwartet hätte, dass das Treffen mit Trump Jr. eine "große Sache" sei.

Trumps Russland-Affäre

Die jüngsten Offenlegungen zum Treffen von Trump Jr. sind Teil der Russland-Affäre, die derzeit das Weiße Haus durchschüttelt. Die von Trump Jr. veröffentlichten E-Mails gelten als bisher klarstes Indiz, dass Mitglieder aus Trumps-Wahlkampfteam bereit gewesen sein könnten, mit Russland zusammenzuarbeiten.

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Vier US-Geheimdienste, darunter die CIA und das FBI, hatten bereits im Januar berichtet, dass Wladimir Putin eine Einmischung in den Wahlkampf, einschließlich der Cyber-Attacken gegen die Demokratische Partei, befahl, um die Wahl zugunsten von Trump zu beeinflussen.

Deshalb ermitteln Bundesbehörden gegen mehrere Vertraute Trumps, darunter auch Kushner und Manafort, und prüfen mögliche Verbindungen zum Kreml.

Mit Achmetschin wird die Spur nun heißer.

Der Artikel erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Marco Fieber übersetzt und bearbeitet.

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(jg)

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