"Verrätern die Köpfe abhacken": Erdogan zeigt sich ein Jahr nach dem Putschversuch erbarmungslos

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ERDOGAN
"Köpfe abhacken": Erdogan hetzt in seiner Rede ein Jahr nach dem Putschversuch gegen "Verräter" | dpa
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  • Zum Jahrestag des Putschversuchs in der Türkei hat Präsident Erdogan erneut auf die Wiedereinführung der Todesstrafe gedrängt
  • Zugleich sprach er aggressive Drohungen gegen "Verräter" aus

Zum Jahrestag des Putschversuches in der Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Bereitschaft zur Wiedereinführung der Todesstrafe bekräftigt.

Bei einer Gedenkveranstaltung an einer Bosporusbrücke sagte Erdogan am Samstagabend in Istanbul, er würde ein entsprechendes Gesetz unterschreiben, wenn das Parlament es verabschieden würde. Zuvor hatte die Menge in Sprechchören die Wiedereinführung der Todesstrafe verlangt.

Zugleich erklärte er auch, erbarmungslos vorgehen zu werden: Er wolle "Verrätern den Kopf abhacken", so Erdogan.

Religiöse Rede

Beobachter erklärten zudem, dass Erdogan eine der religiösesten Reden seiner Politiker-Kariere gehalten haben soll. So habe er unter anderem gesagt:

"Millionen unserer Bürger haben die Straßen, Plätze und die Flughäfen gefüllt, nachdem ich und der Premierminister dazu aufgerufen hatten. Der Ort, an dem das meiste Blut floss, war hier auf der Brücke der Märtyrer des 15. Juli. Auf der einen Seite waren Menschen mit Glauben, meine Leute. Und auf der anderen Seite waren die treulosen Putschisten, die die modernsten Waffen hatten."

Erdogan soll schließlich in die Menge gefragt haben: "Wisst ihr, was Gott den Märtyrern auf dem Weg zum Dschihad verspricht?" Worauf er selbst antwortete: "Sie erreichen den Himmel."

Einführung der Todesstrafe mehrfach gefordert

Das türkische Staatsoberhaupt hatte sich bereits in der Vergangenheit mehrfach für die Wiedereinführung der Todesstrafe ausgesprochen.

Kurz nach seinem Sieg beim Verfassungsreferendum vor drei Monaten war das Thema aber wieder von der Tagesordnung verschwunden.

In der ganzen Türkei wird am Wochenende an die Niederschlagung des Putsches vor einem Jahr erinnert. Nach seinem Auftritt in Istanbul wollte Erdogan nach Ankara fliegen. Dort wollte er in der Nacht um 2.32 Uhr (Ortszeit) eine Ansprache im Parlament halten. Zu der Zeit hatten Putschisten vor einem Jahr das Parlament bombardiert.

Die beiden größten Oppositionsparteien - die CHP und die HDP - hatten angekündigt, an der Veranstaltung in der Nacht zum Sonntag nicht teilzunehmen.

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(jg)

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