Erdogan fordert den Friedensnobelpreis für die Türkei - wegen der Reaktion auf den Putschversuch

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  • Vor einem Jahr wollten Putschisten Recep Tayyip Erdogan stürzen
  • Stattdessen ist der türkische Präsident heute mächtig wie nie - auch, weil er zehntausende Bürger verhaften lies
  • Den Jahrestag der Putsch-Niederschlagung inszeniert die Regierung als ein Fest der Demokratie
  • Erdogan fordert dafür nun sogar den Friedensnobelpreis (zu sehen im Video oben)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wischt alle Kritik zur Seite. Mehr als 140.000 Staatsbedienstete wurden in der Türkei seit dem Putschversuch gegen den Präsidenten schon suspendiert oder entlassen, mehr als 50.000 Menschen wurden in Untersuchungshaft gesperrt.

Das türkische Staatsoberhaupt sieht darin kein Problem. Die Menschenrechtslage in der Türkei übertreffe EU-Standards, sagte Erdogan am Freitag vor applaudieren Anhängern.

Er erklärte weiter: Die Reaktion auf den Putschversuch sei so verhältnismäßig gewesen, dass man "unserem Land den Friedensnobelpreis geben" müsste. Als Beleg für den schlechten Zustand europäischer Staaten führte Erdogan den jüngsten G20-Gipfel an: "Beim G20-Gipfel in Hamburg haben wir ihren Zustand ja gesehen. Eine Blamage! Eine Blamage! Alles wurde niedergebrannt und verwüstet."

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Bisher konnte Erdogan nichts aufhalten

Vor einem Jahr versuchten Militärs, Erdogan gewaltvoll abzusetzen. Sie scheiterten.

Doch es ist unbestritten, dass der Putschversuch es Erdogan nicht nur ermöglichte, Kritiker auszuschalten oder zumindest unter massiven Druck zu setzen. Er ebnete ihm auch den Weg dafür, per Verfassungsreferendum ein umstrittenes Präsidialsystem einzuführen. Das sehen Erdogans Gegner als Schritt zur Ein-Mann-Herrschaft in der Türkei.

Bislang konnte Erdogan auf seinem Weg nichts aufhalten. Die Putschisten, die ihn stürzen wollten, erreichten das genaue Gegenteil ihres Vorhabens: Der Präsident sitzt so fest im Sattel wie nie zuvor.

Und erdreistet sich gar, für sein Durchgreifen noch den Friedensnobelpreis zu fordern.

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(jg)