Vorhofflimmern: Wie krank Überstunden das Herz machen können, zeigt eine neue Studie

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Überstunden können krank machen | Pinkypills via Getty Images
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  • Überstunden erhöhen das Risiko für Herzrhythmusstörungen
  • Wer mehr als 55 Stunden in der Woche arbeitet, erkrankt deutlich eher an Vorhofflimmern als Kollegen mit Standard-Arbeitszeit
  • Die Studie zeigt, wie ernst wir unsere Arbeitszeit nehmen sollten

Wer im Job Überstunden macht, schafft vermeintlich mehr. Aber zu welchem Preis? Wissenschaftler warnen in einer neuen Studie nun vor massiven Gefahren für das Herz. Demnach ist das Risiko für Vorhofflimmern, also einer Herzrhtyhmusstörung, bei Menschen höher, die deutlich länger arbeiten als 40 Stunden.

Dieses Fazit ziehen die Forscher um Professor Mika Kivimaki vom University College London in der Fachzeitschrift "European Heart Journal".

Daten von mehr als 85.000 Menschen wurden ausgewertet

Ihre Ergebnisse beruhen auf einer groß angelegten Studie: Die Forscher werteten Daten von 85.494 Männer und Frauen aus Großbritannien, Finnland, Dänemark und Schweden in dem Zeitraum 1991 bis 2004 aus. Alle Teilnehmer hatten zu Beginn des Beobachtungszeitraums kein diagnostiziertes Vorhofflimmern. Ihr Herz wird also 60 bis 100 Mal die Minute geschlagen haben - so wie bei jedem gesunden Menschen.

Zehn Jahre später gab es 1061 neue Fälle von Vorhofflimmern bei den Probanden. Statistisch bedeutet das, dass demnach von 1000 Menschen rund zwölf Männer und Frauen Herzrhythmusstörungen bekommen.

Arbeitszeit erhöht das Risiko für Vorhofflimmern

In einem zweiten Schritt betrachteten die Wissenschaftler das Arbeitspensum der Menschen: 4500 Studienteilnehmer arbeiteten demnach über 55 Stunden in der Woche. Ihr Risiko, an der Herzrhythtmusstörung zu erkranken, war deutlich höher. Mehr als 17 von 1000 Menschen erkranken, so die Statistik der Studie, an Vorhofflimmern.

Damit liegt ihr Risiko um 40 Prozent höher als bei Menschen, die 35 bis 40 Wochenstunden arbeiten. Den Forschern zufolge beeinflussen die unterschiedlichen Lebensbedingungen der Menschen diese Zahlen nicht.

Trotzdem ist das erhöhte Risiko besonders dann relevant, wenn Menschen schon aufgrund anderer Faktoren bereits ein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten haben. Zum Beispiel aufgrund von gesundheitlichen Problemen wie Bluthochdruck, anderen Herzerkrankungen oder Diabetes.

Wie Arbeiten uns krank machen kann

Andere Studien zeigten zudem, dass Stress und Erschöpfung das Risiko von Vorhofflimmern steigen lässt - und damit auch die Gefahr, einen Schlaganfall zu bekommen, warnen Experten.

Doch wer Überstunden leistet, könnte womöglich nicht nur seine Herzgesundheit gefährden - sondern auch die Psyche. Das ergab die aktuelle Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

"Flexibilität bei der Arbeitszeit, Druck und Mehrarbeit können krank machen", sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) im Mai. Burnout, Erschöpfung, Ermüdung, Depression und Angst können Folgen sein.

Vielleicht ein guter Grund, einfach einmal etwas eher Feierabend zu machen.

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(lk)

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