Britischer Politiker sorgt mit Nazi-Vergleich während der Brexit-Verhandlungen für Unruhe

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ANDREW ADONIS
Britischer Politiker sorgt mit Nazi-Vergleich während der Brexit-Verhandlungen für Unruhe | Andrew Yates / Reuters
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  • Der britische Labour-Politiker Adonis hat den Brexit mit der Beschwichtigungs-Politik vor dem 2. Weltkrieg verglichen
  • Der EU-Austritt Großbritanniens könnte laut ihm ebenfalls ein historischer Fehler werden
  • Parteikollegen waren empört - und forderten Konsequenzen

Der britische Politiker Andrew Adonis hat vor den möglichen Folgen des Brexits gewarnt - mit einem drastischen Vergleich.

Der Austritt aus der EU sei ein so großer historischer Schritt wie die Dekolonisierung oder die Appeasement-Politik in den 1930er Jahren gegenüber Nazi-Deutschland, sagte er dem britischen Magazin "Politics House" am Donnerstag.

"Wir haben es bei der Appeasement-Politik falsch gemacht und ich denke, wir laufen ernsthaft Gefahr, bei der Art und Weise, wie wir die EU verlassen, ebenfalls einen Fehler zu machen", sagte der Politiker der Labour-Partei.

Großbritannien war vor dem Zweiten Weltkrieg zu Zugeständnissen an Deutschland bereit - und hoffte so, weitere Aggression der Diktatur zu unterbinden. Eine historische Fehleinschätzung.

Adonis ist nun der Meinung: Das Verlassen des EU-Binnenmarkts könnte dafür sorgen, dass der Lebensstandard in Großbritannien abnehme - sollten die Brexit-Verhandlungen fehlschlagen. Er hält also einen weiteren Fehler historischen Ausmaßes für möglich.

May widerspricht entschieden

Die Äußerungen haben in Großbritannien eine Kontroverse ausgelöst. Eine Sprecherin der britischen Premierministerin Theresa May sagte dem "Guardian", die Regierungschefin stimme Adonis überhaupt nicht zu.

Adonis ist Vorsitzender der nationalen Infrastruktur-Kommission und berät die Regierung, früher war er Verkehrsminister. Tory-Abgeordnete forderten nach dem Interview, dass Adonis seine beratende Tätigkeit entzogen werden sollte. Das berichtete unter anderem die britische Tageszeitung "Telegraph".

Am Montag beginnt die nächste Verhandlungsrunde im Brexit. Premierministerin May zog mit dem Versprechen eines harten Brexit in den Wahlkampf, im Juni erlebte sie ein Wahldebakel. Seitdem herrscht Uneinigkeit über den richtigen Kurs bei den Verhandlungen.

Ökonomen warnen vor drastischen Folgen für die britische Volkswirtschaft, sollte Großbritannien aus dem Binnenmarkt und der Zollunion ausscheiden - also den sogenannten harte Brexit vollziehen - und nicht rechtzeitig ein Freihandelsabkommen aushandeln.

Die Episode um den Politiker Adonis verdeutlicht, wie erhitzt die Gemüter in Großbritannien derzeit sind.

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(jg)

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