Hinter Emmanuel Macrons Umgang mit US-Präsident Trump steckt eine kluge Taktik

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TRUMP MACRON
Erst konfrontieren, dann umgarnen: Emmanuel Macrons kluge Taktik im Umgang mit US-Präsident Trump | Yves Herman / Reuters
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  • Emmanuel Macron und Donald Trump haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam
  • Doch das Treffen der beiden Staatschefs in Paris zeigt: Sie können nicht ohne einander
  • Vor allem Macron handelt nach dem Motto: Deine Freunde halte nah bei dir - und deine Feinde noch näher

Ein Restaurant im Eiffelturm - eines mit Michelin-Stern, aber eine Touristenfalle, so sagen die Franzosen. Im Blitzlicht-Gewitter dinieren am Donnerstagabend die Ehepaare Macron und Trump.

Eine gewollt positive Inszenierung - und damit ein seltsames Bild. Denn noch vor Kurzem lieferten sich Trump und Macron auf der politischen Weltbühne einen offenen Schlagabtausch. Der französische Präsident bildete in den letzten Wochen Europas Abteilung "Attacke auf die USA". Schon zuvor hatte Trump unmissverständlich klar gemacht, dass er lieber die Rechtspopulistin Le Pen, als den jungen Macron im Élisée-Palast gehabt hätte.

Jetzt also ein Essen bei Kerzenschein in Paris - mit einem Mal scheint der Zwist vorüber. Was auf den ersten Blick verwunderlich wirkt, ist eigentlich nur Teil einer klugen Taktik Emmanuel Macrons.

Macron macht es wie Putin

Der Politologe Albrecht von Lucke brachte diese Strategie am Freitag im Deutschlandfunk auf den Punkt. Emmanuel Macron sei jemand, der nun "zunächst einmal 'Frankreich First" sagen muss", sagte von Lucke. Frankreichs neuer Präsident sei deshalb darauf bedacht, auf internationaler Bühne seine Reputation zu vergrößern.

Gegenüber Trump macht es Macron wie der russische Präsident Wladimir Putin: Harte Kante zeigen, um Trumps Macho-Instinkt zu entsprechen - nur um ihn dann mit Schmeicheleien gefügig zu machen.

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Während Kanzlerin Angela Merkel sich also stets vorsichtig eingeschnappt über Trumps Politik äußerte, ließ Macron den US-Präsidenten seinen Ärger spüren. Beim G7-Gipfel in Italien zerquetschte Macron Trump fast die Hand - eine fast proletenhafte Geste, die, so gab Macron selbst zu, Trump einschüchtern sollte. Später, nach dem angedrohten Austritt der USA aus dem Pariser Klima Abkommen, schmetterte Macron ein fast höhnisches "Make the planet great again" in Richtung Washington.

Doch jetzt, nachdem er Trump klar gemacht hat, dass er sich ihm nicht unterordnen wird, lenkt der französische Präsident auf eine Appeasement-Taktik um. Denn, so bestätigten es Mitarbeiter aus dem Weißen Haus mehreren US-Medien, am Ende führt nur Bauchpinselei bei Trump zum Erfolg.

Trotz Trump: Frankreich braucht die USA

Und so sitzt Trump am Freitagvormittag neben Macron auf einer Empore in Paris und schaut Soldaten und Panzern dabei zu, wie sie die Champs Élysée herunterparadieren. Es ist der "Tag der Bastille", vor hundert Jahren traten die USA außerdem in den 1. Weltkrieg ein.

Trump hatte erst gar nicht nach Paris kommen wollen - erst als Macron ihm von der Militärparade erzählte, soll er eingelenkt haben, berichtete die "Washington Post". Trump habe so eine Parade schon zu seiner Amtseinführung haben wollen. Wieder eine bewusste Inszenierung Macrons.

"Er hofft, eine besondere Beziehung zu den US aufbauen zu können, die ein hochrangiges Lobbying im Weißen Haus zum Klimawandel, zum Handel und bei anderen bedeutenden Themen ermöglicht", analysiert die Londoner "Times". "Macron positioniert sich als Anführer der Europäischen Union in der Nach-Brexit-Ära und als ungemütlicher Stachel in Trumps Fleisch."

Das muss er auch. Frankreich braucht die USA - als militärischen Verbündeten, in Westafrika und Syrien, und auch als Handelspartner. Macron will Frankreich zur ersten Anlaufstelle der USA in Europa machen.

Und dafür braucht er - bei aller politischen Abneigung - vor allem Donald Trump.

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(ks)

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