Russland-Affäre: Russischer Ex-Spion soll an Treffen mit Donald Trump Jr. teilgenommen haben

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DONALD TRUMP JR
Bei dem umstrittenen Treffen von Donald Trump Jr. war ein angeblicher russische Ex-Spion anwesend | Lucas Jackson / Reuters
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  • Beim Treffen von Trump Jr. mit einer russischen Anwältin war auch ein russisch-amerikanischer Lobbyist anwesend
  • Der Mann soll früher in der russischen Spionage-Abwehr gedient haben
  • Den Behörden fiel er bereits zuvor verdächtig auf

Eine weitere Enthüllung bringt Donald Trump Jr., den Sohn des US-Präsidenten, in Bedrängnis. Bei seinem viel beachteten Treffen mit einer russischen Anwältin hat auch ein russisch-amerikanischer Lobbyist teilgenommen - der Verbindungen zum russischen Geheimdienst haben soll. Das berichtete der US-Sender NBC News am Freitag.

Rinat Achmetschin bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AP und der "Washington Post", an dem Treffen teilgenommen zu haben. Für ihn sei das keine große Sache gewesen.

NBC News bezeichnete Achmetschin als "früheren russischen Spion". Die "Washington Post" berichtete, Achmetschin habe im russischen Militär gedient und angegeben, er sei von russischen Geheimdiensten ausgebildet worden. Als Geheimdienstler habe er aber nie gearbeitet. Laut eigenen Angaben soll Achmetschin gegenwärtig keine Beziehungen zu russischen Geheimdiensten oder zum Militär unterhalten.

Doch diese neue Enthüllung wirft vor allem eine Frage auf: Wie viel verschweigen die Mitarbeiter von Donald Trump in der Russland-Affäre?

Der Lügen-Komplex

Das eigentliche Treffen mit der Anwältin Natalia Veselnitskaja hatte Trump Jr. bereits verschwiegen. Über die Anwesenheit Achmetschins verlor er ebenfalls kein Wort. Obwohl er sich eigentlich um "völlige Transparenz" bemühen wollte, als er den E-Mail-Verkehr veröffentlichte, der zu dem Treffen führte. Das schrieb er zumindest auf Twitter.

Und so fragen sich Beobachter des Skandals nicht nur, was ein angeblicher russischer Ex-Spion in dieser Runde zu suchen hatte. Sondern, bei wie vielen Lügen die Medien und die Ermittler den Trump-Clan noch erwischen werden.

Die US-Nachrichtenseite "Vox" kommentierte so die neuerliche Enthüllung über Achmetschin mit den Worten: "Was das zeigt, ohne jeden Zweifel, ist, dass man dem Trump-Team nicht mehr glauben darf, die komplette Wahrheit darüber zu sagen, was bei diesem Treffen passiert ist."

Die E-Mails sind das bisher klarste Indiz

Zur Erinnerung: Trumps Schwiegersohn, Jared Kushner, versäumte es, Treffen mit russischen Offiziellen korrekt anzugeben. Ebenso US-Justizminister Jeff Sessions. Oder der ehemalige Sicherheitsberater Michael Flynn. Er trat deswegen von seinem Posten zurück.

Die E-Mails von Donald Trump Jr. sind bisher das klarste Indiz, dass das Trump-Lager seine Fühler nach Russland ausstreckte, um sich beim Wahlkampf helfen zu lassen. Jede neue Enthüllung wirkt stets nur wie die Spitze des Eisbergs.

Achmetschin rückt ins Visier der Ermittler

Laut dem US-Magazin "Politico" untersuchen Ermittler nun eben auch die Rolle von Achmetschin, dem mutmaßlichen Spion, in der Russland-Affäre.

Der Mann ist den Behörden in den USA nicht völlig unbekannt. Er erweckte bereits im April die Aufmerksamkeit von Charles Grassley, dem republikanischen Vorsitzenden des Justizausschusses im US-Senat. Grassley fragte das Heimatschutzministerium zu Achmetschin an. Der Republikaner verdächtigte den vermeintlichen Ex-Spion, "ein nicht-registrierter Vertreter russischer Interessen zu sein und offenbar Verbindungen zu russischen Geheimdiensten" zu haben.

Und dann gibt es da noch ein wildes Gerücht über Achmetschin: Er soll vor Jahren einen Cyper-Angriff auf eine russische Bergbaufirma organisiert haben. Das gehe aus Gerichtspapieren hervor, berichtet die US-Nachrichtenseite "Daily Beast". Die Anschuldigungen seien mittlerweile aber fallen gelassen worden.

Weitere Enthüllungen könnten folgen

Sicher jedoch ist, dass Achmetschin als Lobbyist arbeitet. Er besitzt sowohl die russische als auch die amerikanische Staatsbürgerschaft.

In den letzten Jahren soll er sich darum bemüht haben, dass die USA das Magnitsky-Gesetz zurücknehmen, wie unter anderem der "Guardian" berichtet. Mit diesem Gesetz verhängte der damalige US-Präsident Barack Obama 2012 Sanktionen gegen Russland.

Dass Achmetschin in diesen Fall verwickelt ist, lässt den Verdacht aufkommen, dass die Trump-Familie russische Interessen vertreten sollte - womöglich für Gegenleistungen?

Die Enthüllung über das Treffen von Donald Trump Jr. hat die Russland-Affäre kräftig befeuert. Weitere könnten folgen. Denn wie der US-Sender CNN berichtet, sollen noch weitere Personen im Trump Tower mit in der Runde gesessen haben. CNN spricht von mindestens acht Personen.

Neben Donald Trump Jr. saßen bei dem Treffen nach jetzigem Erkenntnisstand Jared Kushner, Trumps damaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort, die Anwältin Veselnitskaja und der vermeintliche Ex-Spion Achmetschin. Sollte der CNN-Bericht stimmen, stünden drei Enthüllungen also noch aus.

Mit Material der dpa

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(jg)

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