Der überraschende Grund, warum viele Menschen außerhalb des Büros weit produktiver sind

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Chefs und Führungskräfte sollten ruhig mal Jason Frieds Konzept ausprobieren. | iStock
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  • Firmen wollen Büros so gestalten, dass die Angestellten möglichst produktiv sind
  • Jason Fried, selbst Chef und Unternehmensexperte, hält Büros per se aber für ein Fehlkonzept
  • Und er hat auch eine Erklärung, warum das so ist

Unternehmen erwarten von ihren Mitarbeitern, dass sie Höchstleistungen erbringen. Dafür lassen sie von Star-Architekten schicke Großraumbüros ausklügeln, stellen diese mit allerlei Krempel voll, kaufen teure aber ergonomische Bürostühle ein und erwarten dann, dass wie durch den Urknall aus dem Nichts Produktivität entsteht.

Der Unternehmensexperte Jason Fried aber ist der Ansicht: Genau das ist ein großer Fehler. Büros per se hält er für nicht sinnvoll. Denn: Sie seien kontraproduktiv und hielten die Angestellten in Wirklichkeit von der Arbeit ab.

Fried ist selbst Chef und Mitbegründer der Agentur "37Signals“, der Erschaffer des Internetportals "Basecamp“. Als Co-Autor schreibt er in seinem Buch "Rework“ über neue Wege zur Produktivität in der Arbeitswelt.

Facebook und Co. sind nicht das Problem

"Die Leute schaffen ihre Arbeit nicht deshalb, weil sie auf Twitter oder Facebook surfen - das ist wirklich albern“, sagt Fried in einem Vortrag für das Portal "TED“.

Jason Frieds Argumentation: Vor zehn Jahren hätte sich auch niemand über die teilweise stündlichen Zigarettenpausen während der Arbeitszeit echauffiert. "Warum stört es jetzt alle, wenn jemand für 15 Minuten im Internet surft?", fragt er sich.

Warum Angestellte seiner Ansicht nach im Büro nicht produktiv sein können, macht Fried hauptsächlich an drei Faktoren fest: Vorgesetzte, Meetings und Ablenkungen.

"Wenn man Menschen fragt, wohin sie gehen, wenn sie etwas Wichtiges erledigen müssen, dann wird niemand antworten, er täte dies im Büro“, sagt Fried.

Wir werden ständig unterbrochen

"Vorgesetzte sind Menschen, die dafür bezahlt werden, andere Menschen von ihrer Arbeit abzuhalten“, findet er. "Es ist ihr Job, Leute zu unterbrechen, indem sie ständig nachhaken und fragen, 'wie es läuft'.“

Fried zielt dabei - natürlich etwas humoristisch - auf die zahlreichen Unterbrechungen ab, die während eines achtstündigen Arbeitstags insbesondere durch in seinen Augen "unsinnige“ Meetings entstehen.

Sein Vorwurf: "Die meisten Chefs und Vorgesetzten unterbrechen ihre Mitarbeiter zur falschen Zeit - immer dann, wenn man gerade das macht, wofür man bezahlt wird, unterbrechen sie einen“, sagt Fried.

"Meetings sind Gift“

Meetings und Manager seien heute die Hauptprobleme in Firmen. Sie schaden seiner Meinung nach der Produktivität. "Meetings sind Gift“, wettert Fried während im TED-Talk. Um diesem Problem Herr zu werden und endlich wieder mehr Produktivität in die Büroräume zu bringen, hat Fried auch gleich einen Lösungsansatz parat.

"Wie wäre es mit einem stillen Donnerstag im Monat?“, fragt er. Sein (natürlich nicht ganz erst gemeintes) Konzept: Am ersten Donnerstag im Monat darf niemand im Büro irgendetwas reden. Nur Stille - keine Ablenkungen durch laute Konversationen, das Einberufen von Meetings oder langes Telefonieren.

"Sie werden schnell feststellen, wie viel Arbeit die Mitarbeiter an diesem Tag erledigen“, sagt Fried. Dieses Konzept ist sein ganz persönlicher Appell an das Erstarken einer neue Produktivität. Denn viel zu oft würden Mitarbeiter durch sinnlose Gespräche oder Unterbrechungen ihre Konzentration und ihren Fokus an ihrer Arbeit verlieren.

"Jemandem vier Stunden komplett störungsfreie Zeit zu geben, ist das beste Geschenk, das man jemandem bei der Arbeit machen kann“, sagt Fried. "Es ist besser als ein neuer Bildschirm, es ist besser als neue Software oder andere Maßnahme, die Leistung der Mitarbeiter zu steigern.“

"Man kann seine E-Mails stummschalten, aber nicht seinen Chef“

Natürlich reiche ein einziger produktiver Tag pro Monat nicht aus. Doch Chefs und Führungskräfte sollten ruhig mal dieses Konzept ausprobieren und dann Stück für Stück auf den Rest des Monats ausweiten.

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"Man kann seine E-Mails stummschalten, oder sein Handy - aber nicht seinen Chef“, sagt Fried. Meetings sollten hingegen komplett gestrichen werden. Auch in dieser Hinsicht ist Fried radikal und hinterfragt den Sinn von Meetings. "Meetings sind Termine, bei denen darüber gesprochen wird, was man später tun soll."

Im Sommer nur vier Tage pro Woche arbeiten

Fried ist selbst der lebende Beweis dafür, dass sein Konzept funktioniert. Denn als Gründer und CEO machte er vieles anders als seine Kollegen.

In einem Interview mit dem Online-Magazin "Fast Company“ bezeichnete er etwa seine Putzfrau als sein geschäftliches Vorbild. Immerhin sei die Dame bereits zwanzig Jahre erfolgreich in ihrem Beruf tätig.

Vom innovativen Start-Up hat sich sein Unternehmen inzwischen zu einem millionenschweren und absatzstarken Global Player entwickelt, der inzwischen 50 Angestellte zählt.

Die Arbeitszeit seiner Mitarbeiter reduziert er jeden Sommer von fünf auf vier Tage pro Woche.

Manager, Chefs und Unternehmer sollten sich auch in Hinblick auf die Arbeitszeiten mal "locker machen“, findet Fried. "Ich denke, das wird sich am Ende auszahlen.“

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(lk)

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