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13/07/2017 13:09 CEST

Zustände wie im Gulag: Separatisten zwingen rund 10.000 Menschen in der Ostukraine zur Zwangsarbeit

Alexander Ermochenko / Reuters
Russland zwingt laut einem Medienbericht rund 10.000 Menschen in der Ostukraine zur Zwangsarbeit - die Zustände sind laut Betroffenen wie in einem Gulag

  • Mehrere tausend Häftlinge werden in der Ostukraine in Arbeitslagern ausgebeutet

  • Von der Zwangsarbeit profitieren vor allem die Machthaber in den besetzten Gebieten

  • Ein baldiges Ende der Menschenrechtsverletzungen ist nicht in Sicht

In den Straflagern der Ostukraine werden Häftlinge zur Sklavenarbeit gezwungen. Das berichtet der Deutschlandfunk unter Berufung auf Berichte von Strafgefangenen.

Die Schilderungen erinnern an die unmenschlichen Zustände in sowjetischen Gulags: Die Häftlinge müssen demnach bis zu zwölf Stunden am Tag schwere körperliche Arbeit leisten, Bezahlung gebe es keine. Nur Tee und Zigaretten würden ausgeteilt, doch keine zusätzlichen Essensrationen. Widerstand werde mit Isolationshaft bestraft.

Machthaber bereichern sich an Zwangsarbeitern

Dazu kommt: Manche Gefangenen wären nach ukrainischem Recht schon vor Jahren freigekommen.

Doch in den von Separatisten besetzten Verwaltungsgebieten werden die Häftlinge als billige Arbeitskräfte ausgebeutet. Für die dortigen Machthaber ein lukratives Geschäft: Alleine in Luhansk sollen sie 300.000 bis 500.000 Euro pro Monat verdienen.

"Anfangs musste ich Bäume fällen. Dann wurde die Arbeit noch schwerer. Ich musste Betonblöcke herstellen, die die Strafkolonie an die Bauwirtschaft verkauft. Das Schlimmste waren aber die Betonpfeiler, die wir für die Bergwerke herstellten, damit die Schächte stabilisiert werden. Von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends arbeitete ich und bekam keinen Lohn”, erzählt der ehemalige Häftling Alexander Jefreschin dem Deutschlandfunk.

Ehemaliger Gefangener: "Sklavenstaat mitten in Europa"

Jefreschin ist Gründer der “Ostukrainischen Menschenrechtsrechtsgruppe”, die Interviews mit 74 Häftlingen geführt hat, die von massiven Menschenrechtsverletzungen berichteten.

"Mitten in Europa haben wir es mit einem Sklavenstaaten zu tun", sagt er. Derzeit seien es rund 10.000 Gefängnisinsassen, die in den sogenannten “Volksrepubliken” zu körperlicher Schwerstarbeit gezwungen würden. All dies geschehe mit der Billigung Moskaus.

Derzeit ist in der Ukraine keine Verbesserung der politischen Lage in Sicht. In einigen Gebieten wird noch immer gekämpft - trotz der Waffenruhe während der Erntezeit von Ende Juni bis Ende August.

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(sk)

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