Bei "Dunja Hayali": Grünen-Politiker Ströbele zieht über die Polizei her - de Maizière weiß sich nicht zu helfen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
STROEBELE
Grünen-Mann Ströbele vergleicht den Polizeieinsatz beim G20-Gipfel mit Krieg - de Maizière fehlen die Worte | ZDF
Drucken
  • Grünen-Politiker Ströbele hat den G20-Polizeieinsatz bei "Dunja Hayali" kritisiert
  • Ströbele geriet dabei mit Innenminister de Maizière aneinander

Noch immer wirken die Bilder des Wochenendes nach. In der ZDF-Talkshow von Dunja Hayali wollte die Moderatorin mit ihren Gästen die Ausschreitungen beim G20-Gipfel aufarbeiten.

Wie emotional das Thema ist, hatte sich schon vergangene Woche gezeigt, als die linksextreme Aktivistin Emily Laquer bei Hayali für Empörung sorgte, weil sie sich nicht von der Gewalt des Schwarzen Blockes distanzierte.

Auch dieses Mal ging es darum, ob die Aktionen der Linken zu rechtfertigen seien – und ob die Polizei angemessen reagierte. Die Fronten waren klar: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verteidigte den Einsatz der Beamten, der demonstrationserfahrene Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele kritisierte den Polizei-Einsatz.

Ströbele: "Es gab erhebliche Fehler"

Anders als Laquer in der Vorwoche schaffte es Ströbele aber schnell, sich von gewalttätigen Protestaktionen zu distanzieren. Auf die Frage, ob die Polizei Schuld an dem sei, was passiert war, sagte Ströbele ruhig: "Nein, natürlich nicht.“

Der Alterspräsident des Bundestages, der nicht mehr zur Wiederwahl antreten wird, stellte aber klar, die Polizei habe Fehler gemacht. "Und zwar ganz erhebliche Fehler.“

Ströbele berichtete von den Protesten am Donnerstagabend. "Ein paar Reihen von Vermummten“ habe es gegeben. Die Polizei habe darauf mit "Brachialgewalt“ geantwortet. "Die Leute konnten gar nicht weg“, kritisierte Ströbele. Die Situation habe ihn an "Vorfälle vor 40 oder 50 Jahren erinnert“.

De Maizière verschlägt es die Sprache

Der Grünen-Mann wandte sich an de Maizière: "Vielleicht kann ich mich mit dem Innenminister darauf einigen, dass der Unterschied zwischen einem Kriegseinsatz und einem Polizeieinsatz (...) darin besteht, dass in einem Kriegseinsatz das Wichtigste zu sein scheint, dem Feind möglichst viel Schaden zuzufügen.“ Einsätze der Polizei sollten dagegen Schaden verhindern.

De Maizière war alles andere als einverstanden. "Das verschlägt mir ja die Sprache“, sagte der Innenminister. Ströbele grätschte rein: "Gehen Sie mal auf die Polizeischule!“

Hayalis Sendung nahm an Fahrt auf. De Maizière wehrte die Attacke von Ströbele ab: "Jetzt bin ich dran.“ Er betonte, es gebe ein Vermummungsverbot. Wenn die Polizei also die Vermummten von den anderen trenne, sei das ihre Aufgabe – keine Provokation. Ströbele, der die Demonstration offenbar aus der Nähe beobachtet hatte, wandte ein: "Das konnte sie gar nicht.“

Und so ging die Diskussion über die Bilder des Wochenendes weiter. Der Polizei vorzuwerfen, dass sie Recht und Gesetz durchsetze, sei "wirklich ein starkes Stück“, sagte de Maizière und bekam dafür Applaus von Teilen des Studiopublikums.

Der Innenminister flüchtet sich in Sarkasmus

Dann zeigte Ströbele, wieso er seit Jahrzehnten eine der wichtigsten linken Stimmen in Deutschland ist. Ihm gelang es mit viel Besonnenheit doch noch, seinen Standpunkt zu untermauern.

Ströbele berichtete: Der Eigentümer eines Hamburger Hauses, von dessen Dach aus Krawallmacher Polizisten mit Gegenständen und Molotowcocktails beworfen hatten, habe der Polizei im Vorfeld den möglichen Gefahrenherd gemeldet. Er habe den Sicherheitsbehörden sogar den Schlüssel zu dem Gebäude überreicht.

"Macht da was“, habe der Mann gesagt. "Ich übergebe euch das Hausrecht.“ Die Polizei habe nichts getan. "Da sind Fehler gemacht worden. Ich sage ja nicht, dass das irgendjemanden berechtigt, Molotowcocktails zu werfen. Das sind schwere Straftaten“, erklärte Ströbele.

De Maizière blieb nur noch die Flucht in den Sarkasmus. Er sei, "anders als Herr Ströbele“, nicht der "perfekte Polizeiführer“. "Das können Sie offenbar sehr viel besser als die Profis der Polizei“, ätzte der Innenminister.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg


(sk)

Korrektur anregen