Die Wahrheit über die Russland-Affäre von Donald Trump findet sich nicht in Washington - sondern in Moskau

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MOSKAU
Die Wahrheit über die Russland-Affäre von Donald Trump findet sich nicht in Washington - sondern in Moskau | REUTERS / GETTY
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  • Alle Welt konzentriert sich in der Russland-Affäre auf Washington und den Trump-Clan
  • Doch Beobachter sollten auch die russische Seite nicht außer Acht lassen
  • Diese vier Personen spielen in der Russland-Affäre eine entscheidende Rolle

Wie eine Wolke umgebe ihn die Russland-Affäre, sagt Donald Trump. Die Schlagzeilen reißen nicht ab.

In den vergangenen Tagen stand der älteste Sohn des US-Präsidenten im Fokus. Er hatte sich mit einer russischen Anwältin getroffen, die ihm schädliches Material über Hillary Clinton übergeben sollte.

Trump Jr. hatte das Treffen lange verschwiegen, auch andere Wahlkampf-Helfer des Präsidenten logen über Kontakte nach Russland - oder gaben diese bei Anhörungen nicht an. Und so fragt sich die Welt: Wie weit reichen die Verwicklungen des Trump-Teams?

Wer die Wahrheit über die Russland-Affäre herausfinden möchte, sollte aber nicht nur nach Washington schauen - sondern auch nach Moskau.

Es lohnt sich, die Perspektive einmal umzudrehen. Denn in Moskau sitzen die Kontaktpersonen des Trump-Clans. Während die Öffentlichkeit über Trump rätselt, wissen sie, wie weit die Affäre reicht. Das wissen wir über sie:

Die schöne Anwältin

Natalia Veselnitskaja ist die Anwältin, mit der sich Donald Trump Jr. am 9. Juni 2016 im Trump Tower in New York getroffen hat. Der Publizist Rob Goldstone fädelte das Meeting ein, er kündigte Veselnitskaja als eine “Anwältin der russischen Regierung” an.

Veselnitskaja bestritt, für den Kreml zu arbeiten. Und auch die russische Regierung teilte mit, man kenne die Frau nicht. Wertvolle Informationen über Clinton soll sie laut den Aussagen von Trump Jr. auch nicht besessen haben.

Doch Medienberichten beschreiben Veselnitskaja als Lobby-Vertreterin für russische Interessen in den USA - mit Kontakten zum Kreml. Sie sei etwa mitverantwortlich gewesen für einen Film gegen den “Magnitsky Act“, berichtet die “New York Times”. Mit dem Gesetz verabschiedete der US-Kongress unter US-Präsident Obama Sanktionen gegen Russland.

Außerdem verteidigt Veselnitskaja derzeit den russischen Geschäftsmann Denis Katsyv - dessen Vater früher Transportminister in Moskau war und heute Vizepräsident der staatlichen Eisenbahn ist. Eine Kremlverbindung, über die unter anderem die “Wirtschaftswoche” berichtete.

Dazu kommt: Veselnitskaja kennt laut Berichten seit vielen Jahren eine weitere Person, die in der Russland-Affäre seit wenigen Tage eine entscheidende Rolle spielt: Juri Tschaika, seit 2006 russischer Staatsanwalt.

Die Verbindung zum Kreml

Die Idee zu einem Meeting zwischen Trump Jr. und Veselnitskaja soll laut den veröffentlichten E-Mails aus einem Treffen von Tschaika und dem russischen Geschäftsmann Aras Agalarow stammen.

Tschaika sei dem russischen Präsidenten gegenüber extrem loyal, berichtet das US-Magazin “The Atlantic”. Der Staatsanwalt sei Teil einer Gruppe aus Sicherheits- und Militärkräften im Kreml, zu der auch Putin zähle.

Putin habe bisher seine schützende Hand über Tschaika gehalten - auch, als zwei seiner Söhne in zwielichtige Unternehmungen verwickelt gewesen seien, berichtet “The Atlantic” weiter.

Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalnij habe versucht, die Machenschaften der Tschaika-Familie offen zu legen. Unterstützung habe der Staatsanwalt damals vor allem von einem erhalten: Aras Agalarow. Er soll mitverantwortlich sein, dass das Treffen zwischen Veselnitskaja und Trump Jr. stattfand.

Mehr zum Thema: Eine Grafik zeigt, wie tief Donald Trump in die Vorwürfe gegen seinen Sohn bei der aktuellen Russland-Enthüllung verstrickt ist

Der russische Donald Trump

Aras Agalarow ist ein aserbaidschanisch-russischer Immobilien-Mogul - und gilt als einer der reichsten Männer Russlands. Das brachte ihm auch den Spitznamen “Donald Trump von Russland” ein. Zusammen mit seinem Sohn soll er laut den veröffentlichten E-Mails an Donald Trump Jr. "Teil der Unterstützung Russlands und seiner Regierung für Herrn Trump" sein.

Agalarows Sohn, Emin Agalarow, ist ein bekannter Popstar in Russland. Emin wiederum ist ein Klient von Publizist Goldstone - der die E-Mails an Donald Trump Jr. schrieb.

Der US-Präsident kennt beide Agalarows. Der Vater ließ sich 2013 für 20 Millionen US-Dollar die Miss-Universe-Veranstaltung lizenzieren. Eine Veranstaltung, an der Donald Trump die Rechte besaß. Damals traf Trump auch die beiden, wie Bilder zeigen.

Trump mochte die Agalarow-Familie offenbar. Zumindest taucht er sogar in einem Video von Sänger Emin Agalarow auf.

Wie Tschaika kennt auch Aras Agalarow den russischen Präsidenten - er erhielt von ihm sogar eine Ehrenmedaille.

In seinem Blog habe der russische Oppositionsführer Nawalnij die Kette Putin-Tschaika-Agalarow-Trump als “sehr plausibel” beschrieben, berichtet das Recherche-Magazin “The Intercept”.

Natürlich ist Nawalnij in diesem Fall parteiisch. Doch die Frage bleibt: Wie viel weiß der russische Präsident Putin?

Hat Putin seine Finger im Spiel?

Putin hat bisher jede Beteiligung Russlands an einer Manipulation der US-Wahl abgestritten. Trump sagte nach dem Treffen mit dem russischen Präsidenten beim G20-Gipfel sogar: “Putin hätte Hillary lieber im Weißen Haus gesehen“.

Es bleibt Spekulation, inwiefern Putin wirklich seine Finger in diesem Spiel hat. Das wird sich vermutlich mit der Zeit zeigen. Die Verbindungen bis zu ihm deuten sich zumindest an.

Und auf eine weitere, womöglich entscheidende Sache machte das US-Magazin “Vox” am Mittwoch aufmerksam: Die Öffentlichkeit weiß nicht, ob die Russland-Affäre bis in den Kreml reicht - doch Putin dürfte es wissen.

Womöglich besitze Putin damit einen Vorteil gegenüber der Trump-Regierung. Zumindest dürfte ihn die Verwirrung über die Russland-Affäre in den USA nicht schlecht gefallen.

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