Die Presse glaubt nicht, dass "Daddy Trump" nichts von den Russland-Kontakten seines Sohnes wusste

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TRUMP
Was wusste Trump Senior? | Mark Wilson via Getty Images
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  • Hat Donald Trump gewusst, dass sich sein Sohn mit dem Kreml nahestehenden Personen traf?
  • Für viele Zeitungen ist es sehr unwahrscheinlich, dass Trump Senior nicht informiert war

Donald Trump Junior muss jetzt eingestehen: Ja, es gab Kontakte zu Russland während des US-Wahlkampfes. Ja, wir haben nach Dreck gegen Hillary Clinton gesucht, und uns dabei mit dubiosen Personen eingelassen. Doch eine große Frage steht weiterhin im Raum: Was wusste Trump Senior?

Noch ist nichts bewiesen, es gilt die Unschuldsvermutung. Aber für viele Medien ist klar: Trump Junior hat wohl kaum gehandelt, ohne dass sein Vater informiert war.

Die "Passauer Neue Presse" glaubt Trump Juniors Beteuerungen, sein Vater habe nichts von dem Treffen mit einer russischen Anwältin gewusst, nicht im Geringsten. Das sei etwa so "glaubwürdig, wie die Beteuerung eines Volltrunkenen, er mache sich nichts aus Alkohol".

"Tollhaus der amerikanischen Innenpolitik"

Wenn diese "Farce" nur ein Stück aus dem "Tollhaus der amerikanischen Innenpolitik" wäre, dann könnte man mit einem Schulterzucken darüber hinweggehen, argumentiert die "Passauer Neue Presse".

Doch das schändliche Verhalten der Trump-Clique diskreditiere demokratische Gesellschaften und ihre Rechtsstaats-Tradition insgesamt. Freuen dürfen sich darüber: Autokraten wie Wladimir Putin oder Recep Tayyip Erdogan, die sich nun auf die "Schenkel klopfen", schreibt die Zeitung.

Auch der österreichische "Standard" hat eine klare Meinung zur Frage, ob der US-Präsident wusste, was sein Sohn im Trump-Tower trieb. Sarkastisch fragt die Zeitung: "Ob Daddy Trump davon wusste?" Und liefert dann gleich eine zweite, rhetorische Frage, welche die erste beantwortet: "Ist die Erde eine Kugel?"

"Sehr schwierig zu glauben" ist es für das Nachrichtenmagazin "Politico", dass Trump Senior tatsächlich nicht informiert war. "Was für einen Sinn würde es für Junior schon machen, Kushner und Manafort in sein Büro zu rufen und dann "good old dad" außen vor zu lassen?", fragt "Politico" rhetorisch. Jared Kushner und Paul Manafort gehörten zu den wichtigsten Beratern während Donald Trumps Wahlkampf im vergangenen Jahr.

"Ernsthafte juristische Probleme" für den Vater

Etwas vorsichtiger ist die "Neue Zürcher Zeitung" in der Frage, ob der US-Präsident von dem Treffen wusste. Zurzeit gebe es nur den unbestätigten Verdacht gegen Donald Trump, von den Machenschaften seines Sohnes gewusst zu haben. Aber: Hat der tatsächlich von den Einmischungsversuchen des Kremls gewusst, könnte er in "ernsthafte juristische Probleme" geraten, schreibt die "NZZ".

Die Schlinge um Trumps Hals würde sich dann immer weiter zusammenziehen. Und er könnte sich dann nicht mehr auf die Taktiken verlassen, die ihm als Reality-Showstar von "The Apprentice" noch zur Verfügung standen.

Denn anders als einst die Kandidaten seiner Fernsehshow kann Trump seinen Sohn nicht einfach feuern und sich so von den Vorwürfen distanzieren. Die Familienbande der Trumps sind eng - "so eng, dass sie den Präsidenten womöglich noch ins Taumeln bringen", kommentiert die "Neue Zürcher Zeitung".

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(ks)

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