Wer Trumps Russland-Affäre verstehen will, muss der Spur des Geldes folgen

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DONALD TRUMP SHADOW
Republican presidential nominee Donald Trump takes the stage for a campaign rally in Colorado Springs, Colorado, U.S. October 18, 2016. REUTERS/Jonathan Ernst | Jonathan Ernst / Reuters
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  • Warum bewundert US-Präsident Donald Trump Russland so sehr?
  • Wer das verstehen will, muss der Spur des Geldes folgen

Die USA und die westliche Welt haben Russland im vergangenen Jahrhundert zumeist als gefährlichen Rivalen, wenn nicht sogar als Gegner, gesehen.

Noch nie hat es einen nennenswerten Präsidentschaftskandidaten gegeben, der aus seiner Bewunderung für Russland ein zentrales Wahlkampfthema gemacht hätte – bis auf Donald Trump.

Die große Frage hier ist: Warum mag der amtierende US-Präsident die Russen nur so sehr? Um die Antwort zu erhalten, muss man nur der Spur des Geldes folgen. Genauer gesagt: der Spur des Rubels.

Wollte Junior seinem Vater einen Gefallen tun?

Gerade überschlagen sich die Medien wegen der Nachricht, dass Trumps ältester Sohn eine russische Anwältin mit engen Beziehungen zum Kreml traf. Er wollte schmutzige Informationen über Hillary Clinton erhalten.

Donald Trump Jr. ist ein erfahrener Geschäftsmann und grünschnäbliger Politiker. Er könnte gedacht haben, dass er seinem Vater mit dem Treffen einen großen Gefallen tun würde.

Doch er könnte damit das Gesetz gebrochen haben. Denn er nahm offenbar die Hilfe einer anderen Regierung im Wahlkampf seines Vaters an. Das US-Wahlrecht verbietet das.

Am Dienstag veröffentlichte Trump Jr. die kumpelhaften und vielleicht kriminellen E-Mails, in denen das Treffen eingefädelt wurde. Nur wenige Minuten, nachdem die “New York Times” über das Treffen berichteten.

Wasser auf den Mühlen des Sonderermittlers

Trump Senior und eine Menge anderer Leute wundern sich nun, wer die Informationen an die “NYT” weitergegeben haben könnte. Schnell wurden erste Verdächtige aus dem Umfeld Trumps vermutet. Im Kreis der Vertrauten des US-Präsidenten herrscht eine hohe Rivalität – umso mehr, da gegen viele seiner Mitglieder Ermittlungen seitens des Kongresses und Sonderermittlers Robert Mueller laufen.

Nun will jeder wissen, welche rechtlichen Konsequenzen folgen werden. Nicht nur für Trump Jr., sondern auch für zwei andere Personen, die dem Meeting beiwohnten: Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der damalige Wahlkampfmanager Paul Manafort.

Meinungsforscher und Politiker wollen außerdem wissen, ob die neuen Enthüllungen (endlich) dazu führen könnten, Trump zu stürzen. (Die wahrscheinliche Antwort ist: nein).

Russland war Trumps El Dorado

Aber all das verfehlt den Kernaspekt des Meetings zwischen Trump Jr. und der russischen Anwältin. Die hier zugrundeliegende Geschichte ist: Die Trump-Familie betrachtet Russland seit den Neunzigern als Antwort auf alles. Als eine Quelle des schnellen Geldes, für hohe Darlehen, für internationale Verflechtungen, für Einfluss und sogar für Models für Trumps Agentur.

Dieser Allianz ging ein großer Umbruch voraus. Als die Sowjetunion 1991 schließlich kollabierte, kauften Russen mit politischen Verbindungen staatliche Unternehmen zu Schleuderpreisen. Sie erwirtschafteten enormen Profit. Diese neuen Oligarchen brauchten Orte außerhalb Russlands, um ihren rasant wachsenden Reichtum zu reinvestieren. Das taten sich auch mit illegalen Methoden.

Währenddessen zerbrach in Atlantic City Trumps Traum eines eigenen Imperiums. Seine dort aufgebauten Kasinos gingen Pleite. Trump war so nahe dran, alles zu ruinieren, dass er sogar seinen Vater um Hilfe bitten musste. Der tat das in Form von Jetons im Wert von mehr als einer Million Dollar.

Trump sanierte sich finanziell, indem er seine Schulden auf mehrere Teilunternehmen abwälzte. Doch Investoren und Banker wollten mit ihm nichts mehr zu tun haben.

Hier kam Russland ins Spiel. Nach Angaben seiner eigenen Söhne wandte sich Trump daraufhin an russische Investoren, um dort in Immobilien und Golfplätze zu investieren.

Die Russen könnten ihn also gerettet haben.

"Es geht darum, der Spur des Geldes zu folgen"

Ob die Beziehung zwischen Trump und den neureichen Russen irgendwelche illegalen Aktivitäten, wie Geldwäsche, nach sich zog, wird derzeit von Sonderermittler Mueller untersucht. Dazu hat er Anwälte und Investoren engagiert, die mit den Bewegungen der damaligen Zeit sehr vertraut sind.

So sagte einer von ihnen: “Es geht darum, der Spur des Geldes zu folgen. Und das wird viel Fachkompetenz abverlangen.”

Wie bei jeder Untersuchung von Verschwörungen ist es entscheidend, welche Motive Trump und seinen Clan bewegten.

Dem Meeting im Juni 2016 wohnten vier Männer und eine Frau bei, die zusammen über jahrelange Erfahrungen in Sachen Geld, Immobilien und Moskauer Machtspielchen verfügten: Trump Jr., Manafort, der bereits für pro-russische Kräfte in der Ukraine arbeitete, Kushner, dessen Familie nach russischen Investitionen suchte und PR-Promoter Rob Goldstone. Er vertrat einen russischen Popstar und die Tochter eines Oligarchen. Die Frau war die russische Anwältin Natalia Veselnitskaya, die Verbindungen zu dem besagten Oligarchen hatte. Dieser Oligarch ist auch ein guter Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin – und soll mit Trump bereits Geschäfte gemacht haben.

Ignoranz oder Absicht?

Konnte es sein, dass Trumps Team einfach nur nicht wusste, dass es illegal war, die Hilfe einer Russin mit Verbindungen zur russischen Regierung anzunehmen?

Die ihre Informationen angeblich von “offiziellen Dokumenten” und einem “russischen Staatsanwalt” hatte”?

Oder fühlte die Gruppe sich wohl dabei, mit mächtigen Russen in Verhandlungen zu stehen, weil sie das sowieso schon seit Jahren taten?

Oder fühlten sie sich gar unter Druck gesetzt, wenn sie nicht die “Hilfe” ihrer alten Freunde annahmen?

Um der Spur zu folgen und die Motive zu verstehen, wird Mueller voraussichtlich Trumps Steuererklärung einholen müssen. Der US-Präsident hält sie seit Jahren unter Verschluss. Dann wird Mueller wohl auch die Veröffentlichung der Steuerakten von Trumps Kindern beantragen.

Seit die Nachricht des Treffens in der Welt ist, hält Donald Trump Distanz zu seinem Sohn. Nur einmal ließ er seine Sprecherin Sarah Sanders verlauten, Donald Trump Jr. sei eine “Person mit hoher Qualität".

Wettstreit um die Gunst des Vaters

Wer die Familiengeschichte der Trumps kennt, kennt die traurige Distanz zwischen Vater und Sohn. Beide standen sich nach der Scheidung zwischen Donald und Ivana nie besonders nahe. In letzter Zeit war der Junior auch nicht Donalds Lieblingskind, diese Ehre gebührt Ivanka. Ivankas Büro war im 25. Stock, wo ihr Vater arbeitete. Das Büro von Trump Jr. lag ein Stockwerk darunter.

Trumps Sprecher beharren darauf, dass er nie etwas von diesem Treffen wusste. Aber wenn, dann hätte er wohl genau das gesagt, was sein Sohn auch in der E-Mail geschrieben hatte: "Ich liebe es". Schließlich kam aus Russland für Trump bis dahin nur Gutes.

Dieser Text erschien zuerst auf der HuffPost USA und wurde von Andreas Marx ins Deutsche übersetzt.

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