Digitale Assistenten: Wie neue Technologien Menschen mit Behinderung helfen, im Alltag zurecht zu kommen

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Digitale Assistenten: Wie neue Technologien Menschen mit Behinderung helfen, im Alltag zurecht zu kommen | moisseyev via Getty Images
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  • Ilhan Gökmen ist seit seiner Geburt körperbehindert
  • Mit digitalen Sprachassistenten und Smart Home hat er sich den Alltag in seiner Wohnung erheblich erleichtert
  • Auch andere neue Technologien helfen Menschen mit Behinderungen

Gökmen Ilhan lebt in Berlin-Neukölln - gemeinsam mit Alexa. Wenn er das Licht anmachen will, dann sagt er es Alexa. Wenn er den Fernseher ausschalten will, macht das Alexa für ihn.

Ilhan ist aber weder faul noch ein Chauvinist. Er ist seit seiner Geburt körperbehindert, nutzt einen Rollstuhl. Spastik mit Athetose nennt man seine Krankheit.

Die Ursache: Bei seiner Geburt war die Nabelschnur um seinen Hals gewickelt. In dem türkischen Dorf, in dem er geboren wurde, merkten die Geburtshelfer das nicht, zogen an ihm - und die Nabelschnur zog sich immer fester um seinen Hals.

Alexa ist nicht Ilhans Betreuerin - sie ist seine Assistentin. Eine digitale Assistentin, die immer da ist, versteckt in zwei kleinen Lautsprechern in Ilhans Wohnung, verbunden mit dem Internet, verbunden mit den Geräten in seiner Wohnung.

"Das hat den Alltag sehr erleichtert"


Schon vor ein paar Jahren hat Ilhan angefangen, seine Wohnung umzubauen. Da seine Motorik durch die Krankheit sehr eingeschränkt ist, kann er keinen Schlüssel benutzen. Also baute ihm ein Bekannter ein Schloss in seine Tür, das er mit einer Fernbedienung öffnen kann. Doch das ganze hatte einen Haken: Wirklich langlebig waren die Fernbedienungen nicht.

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Dann entdeckte Ilhan Alexa. Er kaufte sich ein Türschloss, das mit Alexa kompatibel ist, kaufte sich smarte Lampen, stellte seinen Fernseher, seinen Receiver und seine Playstation mit Hilfe eines Hubs auf Alexa ein. Als nächstes sollen die Jalousien Alexa-tauglich gemacht werden - doch da muss erst noch die Hausverwaltung mitspielen.

“Das hat mir meinen Alltag schon sehr erleichtert”, sagt Ilhan, der sich seit Jahren intensiv mit Computern und Technologie beschäftigt und Spaß daran hat, seine Wohnung in ein Technik-Wunderland zu verwandeln.

Apps für Sehbehinderte, Gehörlose, Menschen mit Rollstuhl


Nicht nur für Ilhan, dem viele alltägliche Bewegungen aufgrund seiner eingeschränkten Motorik schwerfallen, sind digitale Sprachassistenten eine große Hilfe. Auch für Menschen mit Sehbehinderung bieten digitale Assistenten, egal ob zu Hause oder auf dem Smartphone, eine große Hilfe.

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Apple bietet auf dem iPhone zum Beispiel einen Blinden- und einen Gehörlosen-Modus an. Die Bildschirmlesetechnologie VoiceOver sagt dem User, was auf seinem iPhone passiert. Auch für Menschen, deren Gehör stark eingeschränkt ist, bietet das iPhone Hilfe mit einer speziellen Bluetooth-Technologie an, die das Telefonieren erleichtert. Und via FaceTime können Gehörlose telefonieren, ganz ohne den Gesprächspartner hören zu müssen.

Außerdem bieten Apples App Store und Googles Play Store zahlreiche Apps, zum Beispiel ein Navigationssystem für blinde Menschen, eine App, die Gesprochenes für Gehörlose in Text übersetzt oder die App Wheelmap, die Menschen, die einen Rollstuhl nutzen, barrierefreie Zugänge zeigt.

"Kontaktloses Bezahlen ist die Zukunft"

Ilhan nutzt sein Smartphone auch noch für andere alltägliche Dinge: zum Bezahlen zum Beispiel. “Ich habe oft Probleme damit, mein Geld aus dem Portemonnaie zu holen und zu bezahlen”, sagt er. Also zahlt er mit seinem Telefon. Das funktioniere auch meistens sehr gut. Nur manche Geschäfte weigern sich noch, das Zahlen mit der App via NFC zu ermöglichen. Unter anderem der Media Markt in Neukölln, wo Ilhan wohnt. Besonders für ihn, den Technik-Freak, ein Problem.

Ilhan gibt mittlerweile anderen Menschen Tipps und Ratschläge, wie sie sich ihr Zuhause smart machen können. Und auch sein eigenes Zuhause ist ihm noch lange nicht smart genug. Ilhan träumt von der smarten Küche. “Eine Mikrowelle und einen Kühlschrank, die ich mit Alexa bedienen kann, wären schon toll.”

Er freut sich auf die Zukunft und die wunderbaren Möglichkeiten, die sie bieten kann. Die wunderbaren Spielereien, die für ihn so viel mehr sind.

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(lp)

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