FDP-Chef Lindner wird von Studenten niedergebrüllt – seine Reaktion bringt alle zum Schweigen

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  • Studenten der Universität Bochum haben versucht, eine Rede von FDP-Chef Christian Lindner zu stören
  • So richtig gelang ihnen das nicht - sie scheiterten an der Schlagfertigkeit des Liberalen
  • Im Video oben seht ihr die Szene

Transparente, Gebrüll, Pfui-Rufe: Während eines Auftritts von FDP-Chef Christian Lindner an der Universität Bochum kam es zu wilden Szenen. Studenten versuchten, den Liberalen immer wieder zu unterbrechen.

Mehrere Demonstranten positionierten sich mit Plakaten hinter Lindner und fingen immer wieder an, dem FDP-Chef ihre Parolen entgegenzubrüllen.

Eine angespannte Situation, wie sie schon andere Politiker an deutschen Universitäten erlebt haben. Mehrmals endeten ähnliche Proteste in der Vergangenheit mit einem Abbruch der Veranstaltung.

Doch Lindner blieb ruhig, souverän, schlagfertig - und brachte die Störer zum Schweigen.

Was war passiert?

Studenten werfen Lindner Rassismus vor

Während einer Rede von Lindner an der Uni Bochum unterbrechen Studenten den FDP-Chef.

Mehrere kommen zu ihm nach vorne, einer hält ein Bettlaken hoch, auf dem steht: "Freie Bildung für alle! No border, no nation, free education". Auf einem Schild steht: "Nein zu Rassismus!"

Worum es geht, erklärt ein Student, der neben Linder steht.

"Er ist dafür verantwortlich, dass Nicht-EU-Ausländer wieder Studiengebühren zahlen müssen. Das finden wir scheiße!", sagt ein Student, während Lindner nickt.

Die Regelung ist ein Kompromiss der neuen schwarz-gelben Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Die Liberalen hatten sogar gefordert, Studiengebühren für alle Studenten wiedereinzuführen.

"FDP verpiss dich"

"So haben Sie vielleicht erhofft, dass Sie massiven Protest wie bei der letzten Bildungsstreikwelle unterbinden können", sagt der Student. "Doch wir sagen nein! Wir werden Studiengebühren verhindern", ruft er unter dem Jubel der Zuhörer.

Als Lindner antworten will, lassen ihn die Studenten zuerst gar nicht zu Wort kommen. Eine Aktivistin brüllt mehrmals: "Sie sind ja rassistisch, FDP verpiss dich".

Lindner geht zwar nicht direkt auf den Vorwurf ein, sagt dann aber schließlich: "Ich hoffe darauf, dass ihr Linken euch an das Prinzip der Toleranz für andere Meinungen erinnert. Jetzt kommt meine Meinung."

Darauf gibt es Applaus.

Lindner sagt: "Ich finde gut, wenn ihr euch hier einbringt. Noch besser hätte ich es gefunden, wenn ihr hier für gute Bildung gestritten hättet."

"Wir sind hier nicht in Hamburg"

So richtig kommt er aber nicht zu Wort. Immer wieder wird er unterbrochen. Dann sagt Lindner in Richtung der protestierenden Studenten:

"Jetzt mal still. Wir sind hier nicht Hamburg. Wir sind in einer Demokratie, da lassen wir uns nicht niederbrüllen! Ihr müsst jetzt andere Argumente aushalten und es ist ein Gebot von Erwachsensein, dass man anderen zuhört."

Andere Politiker hätten vermutlich schon lange das Feld geräumt. Doch nun legt Lindner erst richtig los.

"Wir haben in Deutschland gebührenfreie Hochschulbildung. Und trotzdem gibt es im europäischen Vergleich kaum ein Land, in dem es so viele Studenten gibt, deren Eltern selbst schon Akademiker sind. Komisch! Gebührenfreies Studium und trotzdem ist der Hintergrund der Eltern so entscheidend. Das liegt daran, dass unter der Rot-Grünen Regierung die Schulbildung ausgeblutet wurde. Es ist Unterricht ausgefallen. Die reichen Familien kompensieren das. Deren Kinder gehen dann hierhin (die Universität, d. Red.). Da ist das Gerechtigkeitsproblem."

Als einige Studenten von der Bühne gehen wollen, appelliert Lindner an deren Durchhaltefähigkeit.

"Ich habe Toleranz für andere Meinungen. Aber dass ihr euch nichtmal meine Meinung anhören wollt, spricht nicht für euch. Wenn man eine solche Veranstaltung stören will, dann richtig."

Darauf sind die Störer tatsächlich ruhig. Punkt für Lindner.

Wie er auf diese Situation reagiert hat, davon können sich viele Politiker etwas abschauen.

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(lp)

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