Kaum jemand weiß, dass es auch den umgekehrten Placebo-Effekt gibt - dabei ist er lebensbedrohlich

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Unterschätztes Risiko: Gesundheitsexperten warnen vor gefährlichen Folgen des Nocebo-Effekts | iStock
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  • Wer unter dem "Nocebo-Effekt" leidet, bildet sich ein, unter Nebenwirkungen zu leiden
  • Das kann so weit gehen, dass diese tatsächlich eintreten
  • Experten warnen vor weiteren Folgen

Es klingt verrückt, ist aber ein nachgewiesenes Phänomen: Manche Menschen erkranken an Nebenwirkungen, die auf dem Beipackzettel stehen - sobald sie davon gelesen haben. Viele Chemotherapie-Patienten müssen sich erbrechen, noch bevor ihre Therapie begonnen hat. Und wer sich ständig einredet, dass Stress krank macht, wird davon auch krank.

Davon sind Forscher überzeugt. Grund ist der sogenannte Nocebo-Effekt, das Gegenteil vom Placebo-Effekt. Nocebo bedeutet auf Lateinisch "Ich werde schaden". Anstatt einer positiven Wirkung bilden Betroffene sich eine negative Wirkung ein, beispielsweise eines Medikaments - und das in einem so starken Ausmaß, dass diese sogar eintreten kann.

Im Gegensatz zum Placebo-Effekt kann der Nocebo-Effekt dramatische Folgen haben. "Manche Menschen sterben nicht an Krebs, sondern daran, dass sie glauben, an Krebs zu sterben", sagte Clifton Meador von der Vanderbilt-Universität in Tennessee der "Süddeutschen Zeitung".

Positive Erwartungen machen gesund, negative krank

In der Fachliteratur sind laut dem Wissenschaftler bereits zahlreiche Fälle von Patienten dokumentiert, die genau zu dem von den Ärzten prophezeiten Datum an Krebs gestorben seien. Doch bei der Obduktion habe sich dann oft gezeigt: Eigentlich waren die Tumore noch klein. Theoretisch hätten die Betoffenen also noch leben können. Möglicherweise hat aber ihre feste Überzeugung zu sterben zum Tod beigetragen.

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Wie groß der Einfluss der Psyche auf unsere Gesundheit ist, wäre damit erneut bewiesen. Positive Erwartungen können demnach ebenso gesund, wie negative Erwartungen krank machen.

Wer Stress negativ empfindet, hat mehr Beschwerden

Wissenschaftler haben außerdem den Zusammenhang zwischen Stress und einer negativen Erwartung untersucht, wie die Tageszeitung "Welt" berichtete. Forscher fragten 216 Studenten während des Semesters, ob sie glaubten, dass Stress ihrer Gesundheit schade. In der Klausurenphase interviewten sie sie erneut. Dabei stellte sich heraus: Diejenigen, die Stress für negativ hielten, hatten auch mehr körperliche Beschwerden.

Vor allem Psychotherapeuten warnen vor dem Nocebo-Effekt. Die Psychotherapeutin Doris Wolf sagte der "Welt", hilfreich sei es, "Katastrophen-Fantasien" zu durchbrechen. Statt sich immer wieder das Schlimmste auszumalen, sollte man beispielsweise lieber Biografien von Menschen lesen, die eine schwere Krankheit überwunden haben.

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(lk)

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