Diese 5 Fakten über den Skandal um Donald Trump Jr. und die Russland-Verbindungen seiner Familie müsst ihr jetzt kennen

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DER KLEINE TRUMP
5 Fakten über den Skandal um Donald Trump Jr. und die Russland-Verbindungen seiner Familie | Getty
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  • Donald Trumps ältester Sohn hat einen brisanten E-Mail-Verkehr zu einem Treffen mit einer russischen Anwältin veröffentlicht
  • In den USA kommt nun die Frage auf, warum Donald Trump Junior sich selbst belastet haben könnte
  • Der Schriftverkehr besitzt politische Sprengkraft - Trumps Sohn könnte gegen mehrere Gesetze verstoßen haben

Und plötzlich ist ein schlagender Beweis da.

Seit der Hochphase des US-Wahlkampfes vor einem Jahr suchen Journalisten, Geheimdienstler und demokratische Politiker nach Hinweisen für eine Verbindung zwischen Donald Trump und dem Kreml.

Nun scheint der Beleg da zu sein - fast wie von selbst. Denn nachdem der älteste Sohn des US-Präsidenten, Donald Trump Jr., durch Recherchen der "New York Times" unter Druck geraten war, twitterte dieser am Dienstag einfach selbst den Nachweis seiner Russland-Verbindung.

Aus dem veröffentlichten E-Mail-Wechsel geht hervor, dass ihm belastende Informationen über die Konkurrentin seines Vaters, Hillary Clinton, in Aussicht gestellt wurden, die von der russischen Regierung stammen sollen.

Mehr zum Thema: Eine Grafik zeigt, wie tief Donald Trump in die Vorwürfe gegen seinen Sohn bei der aktuellen Russland-Enthüllung verstrickt ist

Will Trump Jr. mit der bizarren Transparenz-Offensive seinen Kopf aus der Schlinge ziehen? Oder ist er schlicht ein "Idiot", wie die "New York Post" titelte?

Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum aktuellen Skandal der US-Präsidentenfamilie:

1. Was wird Trump Junior konkret vorgeworfen?

US-Geheimdienste beschuldigen Moskau, hinter Attacken auf E-Mail-Konten der Demokraten zu stehen. Sie werfen dem Kreml vor, sich auf diese Weise in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um Trump zu helfen und seiner Konkurrentin Clinton zu schaden.

Ein Sonderermittler und mehrere Parlamentsausschüsse untersuchen, ob es dabei Absprachen mit Trumps Wahlkampflager gab.

Nun gibt es ernst zu nehmende Hinweise, dass Trumps Sohn direkt in solche Absprachen involviert war.

Denn aus den E-Mails geht hervor, dass er "gerne" die Informationen haben würde, die laut einem Mittelsmann "offizielle Dokumente und Informationen" der russischen Staatsanwaltschaft beinhalten, "die Hillary (Clinton) und ihre Geschäfte mit Russland belasten".

Zwar bestreitet die russische Anwältin Natalia Veselnitskaja, mit der sich der 39-Jährige am 9. Juni 2016 getroffen hat, jemals für den Kreml gearbeitet zu haben. Auch aus Moskau hieß es, man kenne die Frau nicht.

Doch nach Informationen der "New York Times" und "Washington Post" zählen zu Veselnitskajas Klienten Einzelpersonen und Unternehmen mit Verbindungen zum Kreml.

2. Was heißt das juristisch?

Der Schriftwechsel, den Trump Junior nun veröffentlicht hat, war offenbar auch dem Sonderermittler Robert Mueller noch nicht bekannt und hat dessen Interesse geweckt, berichtete der US-Sender CNN.

"Das Kern-Verbrechen im Trump-Russland-Komplex ist noch nicht identifiziert, vielleicht existiert es im strafrechtlichen Sinne gar nicht", bremst die "Süddeutsche Zeitung".

Klar ist: Trump Jr. wusste, worauf er sich einlässt. Das geht aus den von ihm veröffentlichten E-Mails hervor.

Dort heißt es: "Das sind offensichtlich hochrangige und sensible Informationen, aber es ist Teil der Unterstützung Russlands und der Regierung für Herrn Trump."

Trotzdem ging Trump Jr. auf den Deal ein. Das könnte nun ernste Konsequenzen haben:

Zwar gibt es laut der"Washington Post" kein US-Gesetz, dass bloße Absprachen mit ausländischen Gegenspielern - und darum handelt es sich im vorliegenden Fall - unter Gefängnisstrafe stellt.

Allerdings ist eine solche Strafe möglich, wenn man sich zusammentut, um eine Wahl zu beeinflussen. Aus Sicht von US-Anwalt Jeffrey Jacobovitz könnten die vorliegenden E-Mails diesen Vorwurf rechtfertigen.

Auch Jens David Ohlin, außerordentlicher Dekan der renommierten Cornell Law School, teilte in der "Washington Post" diese Sichtweise: "Es ist eine schockierende Aufnahme einer kriminellen Verschwörung."

Paul S. Ryan, der Vizepräsident der Watchdog-Organisation Common Cause, sagte, die E-Mails von Trump Jr. würden dessen "illegales Bitten um Beiträge von ausländischen Staatsangehörigen" belegen. Die Organisation hatte deshalb bereits am Montag eine Beschwerde an die Bundeswahlkommission und die Justizbehörde eingereicht .

Einige Stimmen in den USA sprechen sogar davon, die Grenze zum Landesverrat könnte erreicht sein.

3. Ist Donald Trump Junior ein Verräter?

Tim Kaine, Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten im Wahlkampf 2016, betonte gegenüber CNN, dass dahingehend bisher nichts nachgewiesen sei.

Allerdings, sagte Kain, zeigten die Nachforschungen, dass sich Trump Jr. schon jetzt der Behinderung der Justiz und des Meineids schuldig gemacht habe. Potentiell sei auch "Landesverrat möglich".

Allerdings werde Trump Jr. derzeit nicht Spionage und Hochverrat vorgeworfen, berichtet "Vice News" unter Berufung auf Anwälte, die auf nationale Sicherheit spezialisiert sind. Denn bisher gibt es keine Nachweise dafür, dass der 39-Jährige sensible Informationen an Vertreter Russlands weitergegeben hat.

Da sich die Vereinigten Staaten zudem aktuell nicht im Krieg mit Russland befinden, sind auch jegliche Verfahren zum Landesverrat irrelevant, schreibt "Vice News". Laut Verfassung ist ein solcher Verrat nur möglich, wenn man einem "Feind" "Hilfe und Annehmlichkeiten" verschafft.

4. Was haben Trumps Schwiegersohn Kushner und sein ehemaliger Wahlkampfmanager Manafort mit der Sache zu tun?

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der Ehemann Ivankas, und Paul Manafort, Trumps ehemaliger Wahlkampfmanager, nahmen auf Einladung von Trump Junior an dem Treffen mit der russischen Anwältin Veselnitskaja teil.

Dass zwei von Trumps wichtigsten Wahlhelfern dessen Sohn begleiteten, ist laut "Washington Post" ein Hinweis darauf, dass sie dem Treffen höchste Bedeutung einräumten. Zugleich stellt sich die Frage, ob Trump selbst davon wusste.

Bisher haben sich weder Kushner noch Manafort zu dem Treffen geäußert. Allerdings waren beide schon zuvor in den Fokus der Sonderermittler in der Russland-Affäre geraten.

5. Die Frage aller Fragen: Was wusste Donald Trump?

Trump Junior streitet derweil vehement ab, seinen Vater über das Treffen informiert zu haben. Der 39-Jährige erklärte am Dienstagabend (Ortszeit) im Fernsehsender Fox News: "Es gab nichts zu erzählen."

Der US-Präsident ließ durch eine Sprecherin mitteilen, dass er erst in den vergangenen Tagen von dem Treffen erfahren habe.

Auf Twitter lobte Trump dagegen seinen Sohn für die Offenheit, mit der er seine E-Mail-Konversation publik gemacht habe. Er schrieb: "Er ist ein großartiger Mensch, der unser Land liebt!"

Zwar ist tatsächlich offen, ob der US-Präsident von der Begegnung oder dem Mail-Austausch seines Sohnes wusste.

Jedoch liefert eine Rede von Trump Senior am Abend des 7. Juni 2016 Indizien dafür, dass er nicht nur vom Treffen wusste, sondern sich davon auch einen Vorteil im Wahlkampf erhoffte. Er erklärte damals:

"Ich werde, wahrscheinlich am kommenden Montag (den 13. Juni 2016, Anm. d. Red.), eine bedeutende Rede halten. Wir werden alles diskutieren, was mit den Clintons zusammenhängt. Ich glaube, ihr werdet das sehr aufschlussreich und sehr, sehr interessant finden. Ich frage mich, ob die Presse daran teilnehmen möchte, wer weiß."

Zur Erinnerung: Ebenfalls am 7. Juni versandte Trump Junior die Bestätigungs-E-Mail für das Treffen mit der Anwältin aus Russland.

Nur wenige Stunden später stand er dann mit seinem Vater gemeinsam auf der Bühne des Trump National Golf Club Westchester im US-Bundesstaat New York, wo dieser die oben zitierte Rede hielt.

Mehr als nur Zufall? Das müssen die Ermittlungen zeigen, die nun mit Sicherheit gegen Trump Junior beginnen. Klar, was Donald Trump von diesen hält: Wieder einmal beklagte er auf Twitter die "größte Hexenjagd in der Geschichte der Politik".

(Mit Material der dpa)

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(jg)

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