POLITIK
12/07/2017 10:49 CEST | Aktualisiert 12/07/2017 13:51 CEST

"Erinnert an 'Breitbart'": Ein Experte erklärt, wie der "Deutschland Kurier" die Medienlandschaft verändern kann

Reuters / Deutschland Kurier
"Erinnert an 'Breitbart'": Ein Experte erklärt, wie der "Deutschland Kurier" die Medienlandschaft verändern kann

  • Heute ist die neue rechte Wochenzeitung "Deutschland Kurier" gestartet

  • Auch ein Online-Angebot gibt es, Medienexperte Frühbrodt erinnert es an "Breitbart"

  • Der Journalismus-Professor sieht die Erfolgschancen des Projektes dennoch kritisch

"Unabhängig, unkonventionell, erschwinglich“. So bewerben die Macher des "Deutschland Kurier“ ihre neue Wochenzeitung. 300.000 Berliner Haushalte bekommen das Boulevardblatt am Mittwoch zum ersten Mal kostenlos und ungefragt in den Briefkasten geliefert.

Erschwinglich, das stimmt also schon einmal. Unabhängig ist das Blatt dagegen nicht. Herausgegeben wird es vom AfD-nahen Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten e.V. Als Kolumnisten hat der "Deutschland Kurier“ einige prominente AfD-Politiker und Unterstützer gewonnen.

Der "Deutschland Kurier“ wirkt so wie eine ultranationalistische Version der "Bild“-Zeitung. Ob das unkonventionell ist, darüber lässt sich streiten. Gefährlich könnte es allemal sein.

"Meine Vermutung ist, dass man den Wahlkampf und die spendenfinanzierte Auflage nutzen will, um in Deutschland eine publizistische Welle zu machen“, sagt Lutz Frühbrodt, Professor für Fachjournalismus an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Dann würden die Macher wohl den Schwung nutzen wollen, "um dauerhaft ein stark rechtes Boulevardmedium zu etablieren“.

"Deutschland Kurier" will neue Wählergruppen mobilisieren

Dafür beschäftigt sich die acht Seiten lange Zeitung allein mit einem Thema: Politik. Chefredakteur David Bendels will über die Eurokrise berichten sowie über innen- und sicherheitspolitische Themen, über die Flüchtlingskrise. "Ich bin erschüttert, wenn ich lesen muss, dass Teile der Medien Linksextremisten als Aktivisten und Autonome verharmlosen", sagte der Chefredakteur der HuffPost nach dem G20-Gipfel am Wochenende.

Der "Deutschland Kurier“, das zeigt sich schon jetzt deutlich, will im Wahlkampf ein besonders lautes Sprachrohr der Rechten werden. "Es gibt aber auch schon sehr reißerische rechte Websites wie 'Compact’ oder 'Politically Incorrect’, so dass der 'Deutschland-Kurier’ offensichtlich stärker den Zweck hat, mit seiner Print-Ausgabe neue Anhänger zu mobilisieren“, analysiert Medienexperte Frühbrodt.

Aber auch eine Webseite hat das rechte Magazin, für das unter anderem die CDU-Aussteigerin Erika Steinbach und der Ex-Chefredakteur der "Bild"-Zeitung Peter Bartels schreiben. Frühbrodt sieht hier Parallelen zu den USA. "Die Aufmachung des Deutschland-Kuriers erinnert schon sehr an 'Breitbart News’“, sagt der Medienexperte.

Ein deutsches "Breitbart"?

Das US-amerikanische ultrarechte Onlinemagazin "Breitbart“ hatte vor einigen Monaten angekündigt, auch zu den französischen Präsidentschaftswahlen und dem deutschen Bundestagswahlkampf in den jeweiligen Ländern aktiv zu werden. Die Projekte sollen allerdings auf Eis liegen, berichteten deutsche Medien im März. "Also scheinen rechte Kreise hierzulande die Sache nun selbst in die Hand nehmen zu wollen“, glaubt Frühbrodt.

"Breitbart“ wurde mehrere Jahre von Donald Trumps heutigem Chefstrategen Steve Bannon geleitet– und etablierte sich im US-Wahlkampf als Leitmedium der Neuen Rechten. Viele Medienexperten glauben, das Magazin habe mit tendenziösen und falschen Meldungen einen großen Einfluss auf den Ausgang der US-Wahl gehabt.

Ob der "Deutschland Kurier“ ein ähnliches Potenzial hat, ist fraglich. "Die große Frage ist ja zunächst, ob dieses Blatt den Bundestagswahlkampf überdauert. Falls ja, könnte es sich als reißerische Alternative zur gediegeneren 'Jungen Freiheit' zu etablieren versuchen“, erklärt Frühbrodt.

Finanzierung aus dem deutschsprachigen Ausland

600.000 Exemplare wollen die Macher in der ersten Woche verteilen, die Hälfte davon in der Hauptstadt. Wie sich das finanzieren lässt? Angeblich durch Privatspenden an den Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten, der zu den größten finanziellen Unterstützern der AfD zählt.

Frühbrodt sieht diese Behauptung kritisch. Mit Kleinspenden lasse sich ein solches Projekt wohl kaum stemmen. "Es ist deshalb davon auszugehen, dass Geld aus dem deutschsprachigen Ausland fließt. Ich halte es aber auch nicht für ausgeschlossen, dass einige Unternehmer in Deutschland dieses rechte Projekt fördern wollen“, so der Professor für Fachjournalistik.

Ob die Auflage dauerhaft so hoch bleibt, bezweifelt er. Online zumindest, ist der "Deutschland Kurier“ erfolgreich gestartet, behaupten die Macher.

Chefredakteur Bendels sprach gegenüber der HuffPost von über 125.000 Seitenbesuchen am ersten Tag.

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(ks)

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