Eine Mehrheit der Republikaner findet US-Unis schlecht, weil sie fürchten, dass Studenten dort zu links werden

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Eine Mehrheit der Republikaner haben das Vertrauen in die US-Unis verloren - das steckt dahinter | Getty
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  • Eine Umfrage in den USA hat ergeben, dass 72 Prozent der Republikaner glauben, Universitäten hätten einen schlechten Einfluss auf die USA
  • In dortigen Hochschulen sind politische Konflikte Ursache vieler gewaltsamer Proteste
  • Auch die meisten Professoren stehen eher dem liberalen Lager nahe - was von Konservativen kritisiert wird

Das Vertrauen in die amerikanischen Universitäten sinkt – zumindest bei den Anhängern der Republikanischen Partei. Das hat eine repräsentative Umfrage unter der amerikanischen Bevölkerung ergeben.

Demnach ist zwar die Mehrheit der Bevölkerung (55 Prozent) der Ansicht, dass Universitäten und Colleges einen positiven Einfluss auf das Land haben, jedoch glauben das 58 Prozent der Republikaner nicht. Das ist ein Anstieg von satten 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auf Seiten der Demokraten glauben – fast unverändert zum letzten Jahr – 72 Prozent der Anhänger an einen positiven Einfluss.

Die Studie des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center verdeutlicht, wie sehr sich das Vertrauen der republikanischen Wähler verändert hat: Die Unterstützer der amerikanischen Rechten haben innerhalb von weniger als zwei Jahren das Vertrauen in ihr Bildungssystem verloren.

Vergewaltigungen, Ausschreitungen, Poltical Correctness

Die Gründe für den Vertrauensverlust sind vielfältig:

Auf der einen Seite ist bei den Republikanern ein generelles Misstrauen gegen höher Gebildete und das Establishment zu beobachten.

Zugleich zeigen Studien, dass US-Professoren wesentlich häufiger den Demokraten als den Republikanern nahestehen. Letztere interpretieren das als einseitige Beeinflussung der Studenten. Das geht soweit, dass sogar Listen im Internet existieren - mit den Namen von Hochschulprofessoren, "die konservative Studenten diskriminieren und linke Propaganda im Klassenzimmer vorantreiben".

Auf der anderen Seite haben gewaltsame Proteste gegen Auftritte rechtspopulistischer Redner an amerikanischen Hochschulen mehrfach für Aufsehen gesorgt.

So wie der Fall des Ex-Breitbart-Redakteurs Milo Yiannopoulos: Der Trump-Unterstützer wurde im Februar von einer Gruppe republikanischer Studenten eingeladen, an der Eliteuniversität in Berkeley eine Rede zu halten.

Allerdings werfen Kritiker dem Journalisten, der Mitglied der Alt-Right-Bewegung ist, Rassismus und Frauenfeindlichkeit vor.

Deshalb versammelten sich mehrere hundert Gegen-Demonstranten auf dem Campus, um den Vortrag zu verhindern. Dabei kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, Studenten warfen Scheiben ein und schleuderten Steine auf Polizisten. Der Auftritt wurde schließlich abgesagt. Es entstand ein Sachschaden von 100.000 Dollar.

Vorwurf der Beschneidung der Redefreiheit

Ähnliche Szenen gab es auch kurz vor dem Auftritt der umstrittenen rechtskonservativen Kolumnistin Ann Coulter. Die University of California in Berkeley sagte ihre Rede im April ab. Auch der konservative Politikwissenschaftler und Buchautor Charles Murray musste seinen Vortrag am Middlebury College in Vermont im März Tumulten vorzeitig beenden.

Die Republikanische Partei kritisiert die Proteste als Beschneidung der Redefreiheit und fordert ein Ende der "intellektuellen Intoleranz": “Wir rufen alle Offiziellen an, unsere Colleges und Universitäten als Plätze des Austauschs zu gewährleisten", heißt es in einer Erklärung auf der offiziellen “Republican Party Platform”.

Neben den Konflikten zwischen rechtspopulistischen und linksliberalen Ideologien haben die US-Universitäten zudem seit Jahren mit Negativschlagzeilen zu kämpfen:

Da wäre zum einen die “Political Correctness-Debatte”, die bereits die Frage nach dem Geburtsort an Hochschulen unmöglich gemacht hat, da sie impliziere, der Befragte sei kein richtiger Amerikaner.

Doch auch Vergewaltigungsskandale an mehrere angesehenen Hochschulen haben in den letzten Jahren das Renommee amerikanischer Hochschulen untergraben.

Doch nicht alles läuft derzeit schlecht im Bildungssektor: So schaffen immer mehr Bundesstaaten die horrenden Studiengebühren für staatliche Hochschulen, den sogenannten "Community Colleges" ab. Seit 2015 haben Tennessee, Oregon, die Stadt San Francisco und ab Herbst auch New York die Studiengebühren für Community Colleges abgeschafft.

Mit dieser Maßnahme wird viele Studenten eine enorme finanzielle Last von den Schultern genommen.

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(mf)

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