Trumps Sohn heizt die Russland-Affäre weiter an - und wird dem US-Präsidenten immer gefährlicher

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TRUMP JR
Trumps Sohn heizt die Russland-Affäre weiter an - und wird dem US-Präsidenten gefährlich | Jonathan Ernst / Reuters
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  • Am Dienstag hat Donald Trumps ältester Sohn brisante E-Mails veröffentlicht
  • Die Nachrichten belegen: Er wollte schädliches Material für den Wahlkampf gegen Clinton aus Russland besorgen
  • Was sind die Folgen der Enthüllung für den US-Präsidenten?

Die Veröffentlichung wirft kein gutes Licht auf das Wahlkampf-Team von US-Präsident Donald Trump. Sein ältester Sohn, Donald Trump Jr., hat am Dienstag einen E-Mail-Wechsel mit dem Publizisten Rob Goldstone auf Twitter publik gemacht.

Der brisante Inhalt: Goldstone fädelte darin ein Treffen zwischen Trump Jr. und der russischen Anwältin Natalia Veselnitskaja ein. Die sollte ihm belastendes Material über die Konkurrentin im US-Wahlkampf, Hillary Clinton, übergeben.

Trump Jr. nahm das Angebot zu einem Treffen an. “Wenn es das ist, was du sagst, liebe ich es, besonders im späteren Sommer”, schreibt er sogar mit Bezug auf die in Aussicht gestellten Dokumente und Informationen - und die Endphase des Wahlkampfes.

Ist damit die Zusammenarbeit zwischen dem Trump-Lager und Russland bewiesen? Ist der Schriftverkehr das fehlende Puzzle-Stück in der nebulösen Russland-Affäre, die den US-Präsidenten schon so lange plagt?

Hier sind die wichtigsten Fakten über die E-Mails - und was sie für Donald Trump im Weißen Haus bedeuten.

1. Was wurde Donald Trump Jr. versprochen?

Am 3. Juni 2016 meldet sich Goldstone laut den veröffentlichten E-Mails bei Trumps Sohn. Ein Klient habe ihn kontaktiert, weil ein russischer Staatsanwalt sich mit dem Vater dieses Klienten getroffen habe und diesem Dokumente und Informationen über Clinton für Trumps Wahlkampfteam angeboten habe.

Der Inhalt der Dokumente? Laut Goldstone sollen sie Hillary Clinton belasten - und “sehr hilfreich für Ihren Vater”, also den späteren US-Präsidenten sein, wie er an den Sohn schreibt.

2. Handelt es sich um Papiere der russischen Regierung?

Bei den Informationen solle es sich um “hochrangige und sensible Informationen” handeln, schreibt Goldstone weiter. Sie seien “Teil der Unterstützung Russlands und seiner Regierung für Herrn Trump - mit Hilfe von Aras und Emin.”

Aras und Emin sind die Vornamen der Personen, die sich mit dem russischen Staatsanwalt getroffen haben sollen. Es soll sich dabei um den russischen Immobilien-Mogul Aras Agalaro, der auch den Spitznamen “Donald Trump von Russland” trägt, und dessen Sohn Emin, einem russischen Popstar, handeln.

Die russische Regierung wird also explizit in der E-Mail genannt. Außerdem bezeichnet Goldstone Veselnitskaja als eine “Anwältin der russischen Regierung”.

Sie sagt dagegen, nie für den Kreml gearbeitet zu haben. Trotzdem musste für Trump Jr. hier klar gewesen sein, wie brisant die Informationen waren, die ihm angeboten wurden. Immerhin sollte der Kreml laut den Nachrichten von Goldstone die Finger im Spiel gehabt haben.

Mehr zum Thema: Eine Grafik zeigt, wie tief Donald Trump in die Vorwürfe gegen seinen Sohn bei der aktuellen Russland-Enthüllung verstrickt ist

3. Handelt es sich um gehackte Daten?

Bisher steht nicht fest, dass es sich bei den versprochenen Dokumenten um die Daten handelt, die russische Hacker bei einem Cyber-Angriff auf die E-Mail-Konten der Demokraten erbeutet haben sollen.

Die gestohlenen Daten landeten im Juli 2016 bei der Enthüllungsplattform Wikileaks.

4. Wie lief das Treffen schließlich ab?

Trump Jr. hatte erklärt, Veselnitskaja habe das Gespräch am 9. Juni mit den Worten eröffnet, sie besitze Informationen, nach denen Personen mit Verbindungen zu Russland den Parteivorstand der Demokraten und Hillary Clinton unterstützten.

Ihre Äußerungen seien vage und mehrdeutig gewesen, sie hätten keinen Sinn ergeben, erklärte Trumps Sohn weiter. “Es wurde schnell deutlich, dass sie keine wichtigen Informationen hatte.”

Diese Behauptung wiederholte Trump Jr. bei Twitter am Dienstag. Dass er keine Informationen aus Russland erhalten habe, macht die Sache aber nicht weniger brenzlig für ihn.

5. Ist die Zusammenarbeit zwischen dem Trump-Team und Russland damit bewiesen?

Nein, so weit kann man noch nicht gehen. Zunächst müsste die ganze Korrespondenz von Trump Jr. mit Goldstone untersucht werden. Zu klären bleibt auch die Frage, ob US-Präsident Donald Trump von dem Treffen wusste. Trump hatte gesagt, erst vor Kurzem davon unterrichtet worden zu sein.

Doch das Eis wird dünner - für Donald Trump Jr. und auch für Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Ihm und dem damaligen Leiter von Trumps Wahlkampf, Paul Manafort, hatte der Sohn des US-Präsidenten die E-Mails weitergeleitet. Beide wussten also von dem Angebot von russischer Seite.

Sicher ist auch: Donald Trump Jr. muss nach diesen E-Mails gewusst haben, auf was er sich einließ. Die russische Regierung wird explizit erwähnt. Geschenke oder "etwas von Wert" während des Wahlkampfes aus dem Ausland anzunehmen, und dazu gehören auch schädliche Informationen über die Konkurrenz, ist laut dem US-Wahlgesetz verboten. Trump Jr. könnte sich also strafbar gemacht haben.

“Man hat vielleicht die Linie überschritten - zu einer Verschwörung, um Wahlbetrug zu begehen, oder um Informationen von einem ausländischen Gegner einzuholen”, sagt Rechtsanwalt Jeffrey Jacobovitz gegenüber der “Washington Post”.

Eine Zusammenarbeit des Wahlkampf-Teams mit Russland ist damit jedoch noch nicht bewiesen. Allerdings lässt der E-Mail-Verkehr die Deutung zu, dass von beiden Seiten Versuche dahin unternommen wurden.

Rechtsanwalt Jeffrey Jacobovitz sagt gegenüber der "Washington Post" über den E-Mail-Verkehr: “Das kommt einer ‘smoking gun’ am nächsten”. Das Bild des noch rauchenden Revolvers steht im Englischen für einen eindeutigen Beweis für ein Verbrechen.

US-Medien bemühten mehrfach das Bild der “smoking gun” nach der Veröffentlichung der E-Mails durch Trump Jr. Der Beweis für eine Zusammenarbeit zwischen dem Trump-Team und Russland - für die US-Medien könnten die E-Mails das fehlende Beweisstück sein.

6. Wird Donald Trump seines Amtes enthoben?

Doch eine Amtsenthebung von Trump ist wohl noch fern. Zunächst belasten die E-Mails vor allem Donald Trump Jr. selbst.

Er wird wohl vor dem Untersuchungsausschuss zur Russland-Affäre im Senat aussagen. Seine Bereitschaft dazu hatte er bereits am Montag zugesichert.

Was seinen Vater angeht: Ein Amtsenthebungsverfahren in den USA ist vor allem auch ein politisches Verfahren. Das heißt, die Republikaner im Senat und Kongress müssten von der Schuldigkeit von Donald Trump in der Russland Affäre überzeugt sein, um ihn anzuklagen.

Mehr zum Thema: Was alle wissen sollten, die glauben, dass Donald Trump bald des Amtes enthoben wird

Sie besitzen die Mehrheit in den Abgeordnetenhäusern. Trotz vieler Enthüllungen - bisher haben sie ihren Präsidenten nicht fallengelassen.

Sollte sich allerdings herausstellen, dass Trump von dem Treffen seines Sohnes wusste, könnte sich das ändern. Der Skandal wäre dann größer als die Watergate-Affäre, schreibt das US-Magazin "Vox".

Trump ließ seine Pressesprecherin Sarah Sanders jede Zusammenarbeit mit Russland im Wahlkampf dementieren. Über Trump Jr. ließ er verlauten: "Mein Sohn ist eine hochklassige Persönlichkeit." Er lobte ausdrücklich dessen Bemühen, Transparenz zu schaffen.

Auch nach dieser spektakulären Wendung bleibt vieles noch offen. Die Verbindung zwischen Trump Jr. und den anderen Trump-Vertrauten, die sich mit russischen Vertretern getroffen haben, etwa. Das Ausmaß der Kontakte nach Russland ebenso. Auch, ob Trump durch den Rausschmiss von FBI-Direktor James Comey die Justiz behindert hat, ist nicht geklärt.

Dass sein Sohn allerdings ausdrücklich Informationen aus Russland annahm, die Hillary Clinton Schaden sollten - das lässt die Russland-Affäre immer zwielichtiger erscheinen.

Mit Material der dpa

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