Wer seine Tage hat, kann nicht klar denken? Eine Studie räumt mit dem frauenfeindlichen Mythos auf

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MENSTRUATION
Wer seine Tage hat, kann nicht klar denken? Eine Studie räumt mit frauenfeindlichem Mythos auf. | iStock
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  • Mythen über die Menstruation sind immer noch fest in unserer Gesellschaft verankert
  • Eine neue Studie zeigt jetzt: Die Denkleistung von Frauen wird grundsätzlich nicht durch hormonelle Veränderungen gestört
  • Laut Wissenschaftler haben die Tage also keinen Einfluss auf das Arbeitsgedächtnis oder die Beurteilung von Informationen

Wir schreiben das Jahr 2017 - trotzdem sind immer noch Mythen über die Menstruation fest in unserer Gesellschaft verankert. Dazu zählt der Glaube, dass Frauen während der Periode nicht klar denken könnten und emotionaler seien. Bester Beweis ist der Spruch: "Hast du deine Tage oder was?" Oder von der Betroffenen selbst: "Ich habe gerade meine Tage, nehmt mich bitte nicht so ernst."

Dass diese Sprüche absoluter Unsinn sind, zeigt eine neue Studie aus der Schweiz in Kooperation mit deutschen und italienischen Wissenschaftlern. Die Forscher ließen dafür 68 Frauen über zwei Monate hinweg verschiedene Aufmerksamkeits-, Wahrnehmungs- und Gedächtnistests machen.

"Die kognitiven Leistungen von Frauen werden grundsätzlich nicht durch hormonelle Veränderungen gestört"

Während der zwei Menstruationszyklen konnten die Wissenschaftler keine Änderung der Leistungen während der Periode feststellen. Zwar wiesen einige Teilnehmerinnen während des ersten Zyklus Leistungsunterschiede auf, dies wiederholte sich jedoch beim zweiten Zyklus nicht.

Insgesamt hatte die Periode also keinen Einfluss auf das Arbeitsgedächtnis oder die Beurteilung von Informationen. "Obwohl es einzelne Ausnahmen geben mag, werden die kognitiven Leistungen von Frauen grundsätzlich nicht durch hormonelle Veränderungen gestört", sagte Studienautorin Brigitte Leeners von der Universitätsklinik Zürich der "Ärztezeitung".

Von den Ergebnissen war Leeners selbst überrascht. "Als Expertin für Reproduktionsmedizin und als Psychotherapeutin habe ich mit vielen Frauen zu tun, die den Eindruck haben, der Menstruationszyklus beeinflusse ihr Wohlbefinden und ihre kognitiven Leistungen", sagte sie dem Fachmagazin.

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Ältere Studien sind weniger aussagekräftig

Das Ergebnis ihrer Studie stellt dies jedoch infrage. Zwar kann es bei einzelnen Frauen zu Leistungsunterschieden während der Periode kommen, eine allgemeine Annahme ist aber mit der Studie widerlegt.

Es mag ältere Untersuchungen geben, die das Gegenteil behaupten, diese sind jedoch mit einer kleineren Teilnehmerzahl und einem geringeren Untersuchungszeitraum weniger aussagekräftig. Den Glauben, dass Frauen während ihrer Periode nicht imstande seien, klar zu denken, kann man also ruhig beerdigen.

“Wir können aus den Resultaten den Schluss ziehen, dass es sich damit um einen Mythos handelt", sagte Leeners in einem Interview mit dem amerikanischen Magazin "Mic". "Frauen können auch während der Menstruation genauso viel Leistung erbringen."

Jetzt fordert die Wissenschaftlerin weitere Untersuchungen, die genauer analysieren sollen, wie sich die hormonellen Veränderungen während der Periode auf die kognitiven Leistungen Frauen auswirken.

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(lk)

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