Irakische Truppen haben Mossul vom IS befreit - doch dem schwachen Staat droht weiter der Zerfall

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MOSSUL
Irakische Truppen haben die Stadt Mossul vom IS befreit. | NurPhoto via Getty Images
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  • Die Irakische Regierung bezeichnet die Stadt Mossul als vom IS befreit
  • Doch auch wenn der IS in Mossul geschlagen ist, warten gravierende Probleme auf den Irak
  • Dem schwachen Staat droht gar der Zerfall

Die irakische Regierung feiert ihre Truppen. Nach rund neun Monaten haben die Armee und ihre Verbündeten die IS-Hochburg Mossul vollständig eingenommen.

Doch dieser Sieg ist, wenn überhaupt, nur ein erster Schritt in Richtung einer besseren Zukunft. Der Irak steht vor massiven Problemen. Nur wenn sie gelöst werden, gibt es Frieden in dem Land. Ansonsten droht dem schwachen Staat gar der Zerfall.

Diese sieben Probleme sind dafür verantwortlich:

Problem 1: Die Schlacht um Mossul ist gewonnen - den Sieg gegen den IS bedeutet das aber nicht

Die Extremisten haben zwar ihre größte Hochburg im Irak verloren, sind aber noch lange nicht besiegt. Iraks Regierungskräfte müssen noch die Städte Tel Afar und Hawidscha einnehmen, auch an der Grenze zu Syrien stehen weiterhin IS-Kämpfer.

Aber selbst wenn die Extremisten von dort vertrieben werden, ist der IS nicht zerschlagen.

Die verbliebenen Dschihadisten dürften untertauchen und auf eine Guerilla-Taktik setzen. Auch zu Terroranschlägen sind sie weiter in der Lage. Und die Ideologie des IS lebt weiter - gerade in den Köpfen von Radikalisierten in Europa.

Problem 2: Der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten ist nicht gelöst

Die Schiiten stellen nicht nur die Bevölkerungsmehrheit, sondern dominieren auch die Regierung und die Ressourcen des ölreichen Landes. Die Sunniten - unter dem Diktator Saddam Hussein an der Macht - beklagen sich seit langem, dass sie an den Rand gedrängt werden.

Solange die Sunniten nicht stärker eingebunden werden und es keinen Ausgleich zwischen den beiden größten Konfessionen gibt, wird der sunnitische IS Sympathien in der Bevölkerung finden. Viele Sunniten wünschen sich autonome Regionen nach dem Vorbild der kurdischen Gebiete im Norden des Landes. Das lehnt die Zentralregierung aber ab.

Problem 3: Die schiitischen Milizen lassen sich nur schwer kontrollieren

Schiitische Milizen sind neben der Armee die militärisch mächtigste Gruppe im Land und haben starken Einfluss auf die Politik. Offiziell sind sie in die Sicherheitsstrukturen der Regierung eingebunden, tatsächlich aber führen sie ein Eigenleben, das vom großen Nachbarn, dem schiitischen Iran, finanziert und damit auch stark bestimmt wird.

shia militia iraq

Mit dem Kampf gegen den IS sind die Milizen bis weit in sunnitisches Kernland vorgedrungen. So kontrollieren sie das Umland von Mossul, für viele Sunniten eine Provokation. Regierungschef Haidar al-Abadi muss es gelingen, die Macht der Milizen zu beschneiden.

Problem 4: Mossul ist verwüstet, zahlreiche Iraker sind auf der Flucht

Im Kampf gegen den IS sind große Regionen des Landes verwüstet worden. Besonders schwer hat es etwa den Westen Mossuls getroffen, wo ganze Viertel in Trümmern liegen.

Die UN schätzen, dass allein dort bis zu 400 Millionen US-Dollar (358 Millionen Euro) für die wichtigsten Maßnahmen zum Wiederaufbau der Infrastruktur benötigt werden. Der Wiederaufbau des ganzen Landes dürfte Milliarden kosten.

Mehr als drei Millionen Menschen sind zudem mittlerweile innerhalb des Iraks aus ihren ursprünglichen Regionen vertrieben worden und brauchen dringend Unterstützung. "Die Kämpfe mögen vorbei sein, aber die humanitäre Krise ist es nicht", erklärte die UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe im Irak, Lise Grande.

Problem 5: Die Korruption lähmt den Irak

Die Korruption ist ein großes Hindernis für den Wiederaufbau des Landes. Kritiker werfen Vertretern der Regierung und des Staates schon seit langem vor, sie sähen ihre Hauptaufgabe darin, die eigenen Taschen zu füllen. Im Korruptionsindex von Transparency International steht der Irak auf Rang 166 von 176 Plätzen.

In den vergangenen Monaten zogen im Irak immer wieder Menschen auf die Straße, um gegen die Korruption zu demonstrieren:

corruption iraq

Regierungschef Al-Abadi will die Korruption nach eigener Aussage bekämpfen, kann aber bisher keine Erfolge vorweisen.

Problem 6: Gebietsstreitigkeiten zwischen Bagdad und den Kurden

Im Norden des Iraks gibt es große Regionen, um die sich die Zentralregierung in Bagdad und die Regierung der kurdischen Autonomiegebiete in Erbil streiten. Kurdische Peschmerga-Kämpfer konnten während der Kämpfe mehrere Gebiete unter ihre Kontrolle bringen, darunter die ölreiche Stadt Kirkuk.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Kurden von dort wieder abrücken. Bislang haben beide Seiten den Streit bis auf die Zeit nach der Einnahme Mossuls vertagt. Sollten die Kontrahenten keine politische Lösung finden, wäre ein bewaffneter Konflikt möglich.

Problem 7: Die Kurden wollen sich vom Irak loslösen

Bereits jetzt genießen die Kurden in ihren Gebieten im Norden des Iraks große Autonomie. Kurden-Präsident Massud Barsani nutzt den Kampf gegen den IS, um die Abspaltung der Kurden vom Rest des Landes voranzutreiben.

Durch die internationalen Waffenlieferungen an die Peschmerga sind die kurdischen Kämpfer aufgewertet worden.

Im September sollen die Kurden über die Unabhängigkeit in einem Referendum abstimmen.

Zwar dürfte es für einen eigenen kurdischen Staat kaum internationale Anerkennung geben, doch würde ein Ja bei der Abstimmung die Fliehkräfte im Irak stärken. Und den fragilen Staat vor die nächste Zerreißprobe stellen.

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(ks)