Was hinter Erdogans plötzlichem Rückzieher beim Klimaabkommen steckt

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  • Der türkische Staatschef Erdogan hat die Ratifizierung des Pariser Klimaabkommen durch sein Land in Frage gestellt
  • Er werde den Pakt erst dann unterstützen, wenn "die uns gegebenen Versprechen erfüllt" werden
  • Oben im Video: Umweltministerin Barbara Hendricks vermutet hinter der überraschenden Abkehr der Türkei spezielle Motive

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat kurz nach dem G20-Gipfel in Hamburg die Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens durch sein Land in Frage gestellt.

Es werde nicht vom türkischen Parlament ratifiziert werden, "solange die uns gegebenen Versprechen nicht erfüllt werden", sagte Erdogan.

Hendricks vermutet finanzielle Motive

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) vermutet hinter der überraschenden Abkehr der Türkei finanzielle Motive. Die Äußerung Erdogans habe "eine völlig andere Qualität als die Absage der USA an Paris", sagte Hendricks.

Es gehe um die Frage, ob die Türkei als Industrie- oder als Entwicklungsland eingestuft werde.

Im Rahmen des Pariser Abkommens sollen die Industriestaaten ärmeren Ländern ab dem Jahr 2020 jährlich hundert Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen zur Verfügung stellen.

Das Problem bestehe schon länger

Bis 2025 soll ein neuer, höherer Betrag vereinbart werden. Die Türkei will nicht in den Fonds einzahlen müssen, sondern vielmehr selbst Gelder erhalten.

Dazu müsste sie in dieser Frage als Entwicklungsland eingestuft werden. Hendricks sagte nun: "Dieses Problem gab es schon vor dem Abschluss der Verhandlungen in Paris und es war klar, dass die Türkei erst ratifizieren wird, wenn die Statusfrage geklärt ist."

Deutschland habe sich bei den Pariser Verhandlungen vermittelnd zu diesem Problem eingebracht und werde dies auch weiter tun.

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(ks)

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