"Die 'Bild' für Wutbürger": 7 Fakten über die AfD-nahe Hasspostille "Deutschland Kurier"

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DEUTSCHLAND KURIER
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  • Diese Woche kommt der rechtskonservative "Deutschland Kurier" auf den Markt
  • Das Wochenmagazin steht der AfD nahe – und startet mit einer gigantischen Offensive
  • Der "Deutschland Kurier" wird am Mittwoch in 300.000 Berliner Briefkästen liegen

Nicht erschrecken, wenn euch am Mittwochmorgen Blitze, Feuer und dunkle Wolken begegnen.

Mit dieser martialischen Aufmachung liegt dann das neue Wochenmagazin "Deutschland Kurier" in 300.000 Briefkästen in Berlin. Nochmal so viele Exemplare werden kostenlos in anderen deutschen Städten verteilt.

Mit dem Wochenmagazin will sich die neue Rechte ein lautes Organ in der Presselandschaft schaffen. Die Blitze und dunklen Wolken, die das Magazin auch auf seiner Webseite präsentiert, sind Programm: In den Artikeln schreiben sich die Macher ihren Ärger über Merkel und die Flüchtlingskrise von der Seele.

Darunter sind die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach und der AfD-Politiker Guido Reil. Finanziert und herausgegeben wird es von einem AfD-nahen Verein, dem seit den Landtagswahlen verdeckte Parteienfinanzierung vorgeworfen wird.

Das Magazin kommt in einer Zeit, in der die AfD mit fallenden Umfragewerten und einer Austrittswelle zu kämpfen hat. Mitglieder kehren der Partei den Rücken und warnen vor Rechtsextremisten, die an Macht gewinnen.

Hier sind 7 Fakten über das neue Magazin:

1. Die ersten Ausgaben werden kostenlos und ungefragt zugestellt

Die ersten Ausgaben des "Deutschland Kuriers" werden kostenlos verteilt.

Am Mittwoch und Donnerstag gehen alleine 300.000 der 600.000 Exemplaren starken Auflage ungefragt an Berliner Haushalte. "Wir wollen möglichst viele Menschen mit unseren Botschaften erreichen", sagt Chefredakteur David Bendels.

Bis zur vierten Ausgabe soll das Magazin kostenlos bleiben, darauf zu einem Preis von 30 Cent an die Leser gehen.

2. Online ist der "Deutschland Kurier" bereits zu lesen

Der "Deutschland Kurier" ist bereits seit Dienstagmittag online. Chefredakteur Bendels spricht von "enormen" Zugriffszahlen. So soll die Seite in den ersten zwei Stunden bereits 126.000 Visits erreicht haben.

3. Merkel mit Blitzen und Feuer als Aufmacher

Keine Wirtschaft, kein Sport, keine Promis: Auf den acht Seiten geht es einzig und allein um Politik.

Bendels will über die Eurokrise berichten sowie innen- und sicherheitspolitische Themen. "Ich bin erschüttert, wenn ich lesen muss, dass Teile der Medien Linksextremisten als Aktivisten und Autonome verharmlosen", sagt der Chefredakteur.

Was die Macher darunter verstehen, wird auf der Homepage des "Deutschland Kuriers" schnell klar. Dort titelt er in fetten Buchstaben: "Merkel irrer als Trump?", dahinter eine Collage aus Blitz, Feuer, dunklen Wolken und einer schreienden Merkel.

In einem anderen Text geht es darum, wie Bundesjustizminister Heiko Maas gemeinsam mit der Kanzlerin das Grundgesetz abschafft.

4. Das Magazin finanziert sich aus Spenden

Keine Werbung, kein Verkaufspreis: Der "Deutschland Kurier" finanziert sich einzig über Spenden an den Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten e.V. Er hat 14.000 Unterstützer.

Woher das Geld stammt, verrät Chefredakteur Bendels allerdings nicht.

5. 15 freie Redakteure schreiben für das Blatt

Für das Magazin schreiben laut Bendels 15 freie Redakteure, "die ihren ehemaligen Arbeitgebern den Rücken gekehrt haben, weil sie den Linksrutsch der deutschen Medien nicht länger hinnehmen wollten".

Namen will er aber keine nennen. Die Artikel erscheinen ohne Nennung eines Autors.

Sie arbeiten über Skype- oder Telefonkonferenzen zusammen, weil es noch keinen festen Redaktionssitz gibt.

6. ... und rechte Kolumnisten

Für das Magazin schreiben auch mehr oder weniger bekannte Kolumnisten.

Zu ihnen zählen die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, die Ex-FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidatin in Österreich, Barbara Rosenkranz und der Ex-FAZ-Herausgeber Konrad Adam und der ehemalige "Bild"-Chefredakteur Peter Bartels.

Deren kleinster gemeinsamer Nenner ist der AfD-Schlachtruf "Merkel muss weg". So lesen sich zumindest die ersten Beiträge des "Deutschland Kurier".

Steinbach erklärt in ihrer ersten Kolumne, "warum wir wieder eine echte Opposition brauchen" und Kanzlerin Merkel die parlamentarische Demokratie gefährde. Und Bartels schreibt, wie er nachts von einer lachenden Merkel träumt.

7. Das Magazin steht der AfD nahe

Der Trägerverein des Magazins steht in der Kritik, weil er eine AfD-Kampagne für die vergangenen Landtagswahlen organisierte.

Bis heute ist nicht klar, woher die Gelder für die millionenschwere Unterstützung kamen. Seither muss sich der Verein den Vorwurf gefallen lassen, verdeckte Wahlwerbung für die AfD gemacht zu haben.

Kritiker nennen das Magazin deswegen eine "'Bild' von rechts" oder auch ein "AfD-Magazin".

"Die neue Zeitung wirkt wie das Zentralorgan der Wutbürger mit den rechtspopulistischen Hits der letzten Jahre", kommentiert etwa "Zeit Online."

Bendels, der auch Vorsitzender des in die Kritik geratenen Vereins ist, will davon aber nichts wissen. "Das ist alles konstruiert", sagt er. "Es gibt keinerlei Verbindungen zur AfD." Im Übrigen lasse man sich in kein Schema pressen.

Mehr zum Thema: AfD-Vize von Storch provoziert erneut: Merkel ist "die einzige, die wirklich Menschen an der Grenze erschießen lässt"

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..

(lp)

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