Trumps Zickzack-Kurs mit Putin zeigt, dass der US-Präsident zum Spielball Russlands geworden ist

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Trumps Zickzack-Kurs mit Putin zeigt, dass der US-Präsident zum Spielball Russlands geworden ist | Carlos Barria / Reuters
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  • US-Präsident Trump hat nach seinem Gespräch mit Russlands Präsident Putin eine gemeinsame Cyber-Security-Einheit angekündigt
  • Später distanzierte sich Trump davon wieder
  • Die ganze Episode verdeutlicht: Putin hat den US-Präsidenten im Griff

Zweieinhalb Stunden haben gereicht, um aus Donald Trump und Wladimir Putin offenbar ziemlich beste Freunde zu machen. "Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen", erklärte Russlands Staatschef zum Abschluss des G20-Gipfels in Hamburg. Putin ergänzte: "Er stellte Fragen, Ich antwortete. Es schien mir, als dass er mit den Antworten zufrieden war."

Und der US-Präsident betonte, man müsse sich jetzt "nach vorn bewegen" und "konstruktiv" mit Russland zusammenarbeiten.

Beide Präsidenten waren zuvor erstmals zu einem langen persönlichen Gespräch zusammengekommen. Die anschließenden Verlautbarungen lassen tief blicken. Verraten sie doch, dass vor allem Putin die Direktive vorgab.

So verkündete der russische Außenminister Sergej Lawrow den wartenden Journalisten, dass Trump Putins Dementi, sich nicht in den US-Wahlkampf eingemischt zu haben, akzeptiert habe.

Wohlgemerkt: Die US-Geheimdienste gehen nach wie vor davon aus, dass russische Hackerangriffe der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton schaden und Trump nutzen sollten. Doch den aktuellen Amtsinhaber interessiert das nicht.

Trumps und Putins "undurchdringbare Cyber-​​Security-Einheit"

Der Gipfel war längst vorbei und der US-Präsident schon wieder zurück in die Vereinigten Staaten geflogen, als er am Sonntagnachmittag überraschend verkündete:

"Putin und ich haben die Bildung einer undurchdringbaren Cyber-​​Security-Einheit diskutiert, sodass das Hacken einer Wahl und viele andere negative Dinge überwacht werden."

Bereits seit Monaten sind US- und internationale Geheimdienste sowie Politiker wegen des Verhältnisses von Trump zu Moskau alarmiert. Doch dieser Tweet ließ viele aufhorchen - selbst in Trumps eigener Partei.

Aus Sicht der Kritiker würde es Trump dem russischen Präsidenten nach dessen Wahleinmischung viel zu leicht zu machen.

"Nicht die dümmste Idee - aber ziemlich nahe dran"

So befand der republikanische Senator John McCain in einem Interview mit dem US-Sender CBS News sarkastisch: "Ich bin mir sicher, dass Wladimir Putin eine große Hilfe (für Cybersicherheit, Anm. d. Red.) sein kann – schließlich hat er die Hackerangriffe ja gemacht."

Direkter äußerte sich Senator Lindsey Graham im TV-Sender NBC. Er schimpfte: "Das ist nicht die dümmste Idee, von der ich je gehört habe - aber es ist ziemlich nahe dran."

Und Senator Marco Rubio ätzte auf Twitter: "Mit Putin bei einer Cyber-Security-Einheit zusammenzuarbeiten ist, als bilde man eine gemeinsame Chemiewaffen-Arbeitsgruppe mit Assad."

Alle drei Politiker hatten sich bereits zuvor häufiger kritisch zu Trump geäußert.

Ist der US-Präsident dem Kreml hörig?

Andrew S. Weiss, Russland-Experte der US-Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace, betont, dass die jüngsten Äußerungen kein Einzelfall gewesen sind.

Weiss twitterte: "Entweder ist der US-Staatsoberhaupt dem Kreml hörig oder er hat keine Ahnung, was er tut."

Ex-US-Verteidigungsminister Ashton Carter erinnern die Vorgänge gar an Schilderungen aus einem Strategiebuch aus Zeiten des Kalten Krieges.

"Wenn man mit etwas Falschem konfrontiert wird, fragen sie nach US-Geheimdiensten", erzählte Carter dem Sender CNN. Das sei ein "alter Trick".

Deshalb habe Russland in jetzt eine Arbeitsgruppe für Internetsicherheit vorgeschlagen. "Das ist wie, wenn der Kerl, der dein Haus ausgeraubt hat, eine Arbeitsgruppe für Einbrüche vorschlägt."

Treffen war großer Gewinn für Putin

Das Problem: Trump ging auf den Vorschlag ein - nur um am Sonntagabend halbherzig zurückzurudern:

"Die Tatsache, dass Präsident Putin und ich über eine Einheit für Cybersicherheit gesprochen haben, bedeutet nicht, dass ich denke, dass es dazu kommen kann."

Die US-Fachzeitschrift "Foreign Policy" wertet das Treffen als "großen Gewinn für Putin". Beide Präsidenten hätten offenbar das Prinzip der "Nicht-Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder" akzeptiert.

Das ist laut "Foreign Policy" etwas, das Putin seit langem gesucht habe - "weil er paranoid ist, dass die Vereinigten Staaten Demokraten und Dissidenten unterstützen, die sich ihm widersetzen".

Das Magazin kommt zu dem Fazit, dass die USA zum ersten Mal einen Präsidenten haben, "der verständnisvoller für unsere Feinde in Russland als für unsere Freunde in Europa ist."

Auch die britische Zeitung "The Times" mahnt, dass Trump "den Schmeicheleien Putins" widerstehen sollte.

Doch offenbar hat Trump diesen schon längst nachgegeben.

(Mit Material der dpa)

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