"Erst die Gewalt macht den Protest gegen G20 erwähnenswert": Publizist Augstein legt mit irrem Facebook-Post nach

Veröffentlicht: Aktualisiert:
G20 CARS
"Erst die Gewalt macht den Protest gegen G20 erwähnenswert": Publizist Augstein legt mit irren Facebook-Post nach | Hannibal Hanschke / Reuters
Drucken
  • Journalist Jakob Augstein rechtfertigt in einem Facebook-Beitrag die Gewalt am G20-Gipfel
  • Seine Argumentation: Die Krawalle würden alle aufrütteln, dass auch sie am gewalttätigen System der G20 beteiligt seien
  • Bereits vor Beginn des Gipfels hatte Augstein mit einem gewaltverherrlichenden Tweet für Empörung gesorgt

Deutschland ist geschockt von den Gewaltexzessen beim G20-Gipfel. Linksextremisten haben ganze Straßenzüge verwüstet, Geschäfte geplündert und Autos angezündet.

Vor allem bei konservativen Politiker wird da der Vorwurf laut: Die linksextremistische Gewalt wird in Deutschland noch immer verharmlost.

Mit einem weiteren Beitrag in den sozialen Medien hat sich Journalist Jakob Augstein, Herausgeber des "Freitag" und Kolumnist beim "Spiegel", zum Fürsprecher der Krawall-Macher erhoben.

Denn Augstein rechtfertigt darin die Ausschreitungen der Linksextremen und findet: "Erst die Gewalt macht den Protest gegen G20 erwähnenswert".

"Der Gipfel selbst ist ein Akt der Gewalt"

Zwar schreibt Augstein noch zu Beginn seines Facebook-Beitrags, es gebe keine Rechtfertigung für Gewalt. Nur, um in der Folge für das Gegenteil zu argumentieren.

So sei die G20 "selbst organisierte Gewalt und auch der Gipfel war ein Akt der Gewalt." Die Gewalt der Randalierer habe daran erinnert.

Außerdem gibt er Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Verantwortung für die Ausschreitungen. Denn beide hätten den Gipfel nach Hamburg gebracht - eine Stadt, bei der wegen ihrer lebhaften linken Szene mit Krawallen zu rechnen gewesen sei.

In diesem Punkt mag man Augstein vielleicht noch zustimmen. Doch ihm geht es darum, der Gewalt in Hamburg einen politischen Sinn zu geben - der die Ausschreitungen letztlich rechtfertigen soll.

Gewalt gegen das Ausbeutersystem

Über die G20 schreibt Augstein: "Die G20 stehen für ein Weltmachtsystem, in dem acht Menschen ebensoviel besitzen wie 3.7 Milliarden. Diese Zahl ist der Inbegriff schierer Gewalt."

Friedliche Proteste gegen dieses gewalttätige System hätten wohl keine Beachtung gefunden, meint Augstein. "Machen wir uns nichts vor: ein paar pflichtschuldige Bilder, ein paar wohlwollende Worte – das wäre es gewesen", schreibt er. Um dann nachzulegen: "Erst die Gewalt macht den Protest gegen G20 erwähnenswert."

Das mag wie ein Affront klingen, gibt Augstein selbst zu. Aber die Gewalt der Proteste habe allen Beteiligten klargemacht: Das kapitalistische System der G20 ist ein Ausbeutersystem.

So schreibt Augstein weiter: Auch das Auto einer Familie, dass da am Wochenende gebrannt habe, sei ein politisches Objekt. "Es besteht aus Rohstoffen, die unter den Terms of Trade einer von den G20 beherrschten Welt gefördert und gehandelt wurden: (...) geschürft, transportiert, verarbeitet unter Bedingungen, die man mit gutem Gewissen weder den Menschen noch dem Planeten zumuten kann."

Der Verdienst der Gewalt ist es laut Augstein also, das Gewissen der Menschen am Wochenende aufgerüttelt zu haben.

Mehr zum Thema: "Hochprofessionell": Experten und Insider erklären, wie die militanten Linksextremisten organisiert sind

Darf man ein Auto in Brand stecken?

Eine gefährliche Argumentation. Zwar schreibt Augstein auch: "Die Gewaltdemonstranten haben Autos angezündet. Auch dafür gilt: es handelt sich um eine Straftat und wer einer solchen überführt werden kann, muss belangt werden."

Aber er fügt gleich als nächstes an: "Ist damit alles gesagt? Nein. Vorstellbar wäre noch der Hinweis, dass die Besitzer dieser Autos, die sich unschuldig und unbeteiligt wähnen, plötzlich daran erinnert werden, dass sie beides eben nicht sind – unschuldig und unbeteiligt." Ein Auto anzünden? Für Augstein offenbar in Ordnung.

Bereits vor Beginn des G20-Gipfels hatte Augstein für Empörung gesorgt. Kollegen und Politiker warfen ihm vor, zur Gewalt aufgerufen zu haben.

Augstein hatte getwittert: "Der Preis muss so in die Höhe getrieben werden, dass niemand eine solche Konferenz ausrichten will. G20 wie Olympia als Sache von Diktaturen“. Nicht wenige hatten das als Aufruf zur Gewalt verstanden.

Und auch Augsteins neuerliche Beitrag provoziert heftige Reaktionen. "Huch", schreibt eine Nutzerin. "Man gerät fast in Versuchung zu fragen: Heute schon nen Molli geworfen?" Gemeint ist ein Brandsatz in einer Flasche, genannt Molotow-Cocktail.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(poc)

Korrektur anregen