Als das Mikrofon schon lief: So verzweifelt versuchte Merkel, Trump, Xi und Erdogan bei der Stange zu halten

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  • Ein Video gibt seltene Einblicke in den Beginn des G20-Gipfels
  • Die Aufnahme oben zeigt, wie die Kanzlerin versucht, für Ordnung im Veranstaltungssaal zu sorgen
  • Als das Mikrofon schon an ist, spricht sie mit Trump – und ruft nach Erdogan

Bundeskanzlerin Angela Merkel war mit nur einem Ziel nach Hamburg gereist.

Sie wollte den Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel einen Kompromiss abringen, eine gemeinsame Abschlusserklärung. Für die Kanzlerin hieß es deshalb, jeden möglichen diplomatischen Eklat zu vermeiden.

Dass das – zumindest weitestgehend – glückte, ist in Anbetracht der politischen Egos, die am Wochenende zusammenkamen, alles andere als selbstverständlich.

Eine Videoaufnahme vom Samstagmorgen gibt einen Einblick, wie akribisch die Kanzlerin versuchte, die Staats- und Regierungschefs bei der Stange zu halten. Ein schwieriges Unterfangen.

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Als Merkel wohl glaubte, das Mikrofon sei noch aus, entstand so ein seltener Einblick in die ganz alltägliche Weltpolitik, die sonst meist hinter verschlossener Tür stattfindet.

Besonders spannend: Angela Merkel im Smalltalk mit US-Präsident Donald Trump und dem polnischen EU-Ratspräsident Donald Tusk.

Britische Medien deuten den Ausschnitt so: Merkel lobte Trump für seine Rede, die er am Vortag des G20-Gipfels in Warschau gehalten hatte.

Merkel: "Wieso haben Sie das nicht in Brüssel gemacht?"

Die Kanzlerin habe vom US-Präsidenten wissen wollen, warum er mit dieser Rede so lange gewartet habe. Er hätte sie ja auch in Brüssel halten können, beim Nato-Gipfel im Mai.

Die Worte der CDU-Chefin klingen fast schmeichelhaft, denkt man daran, wie scharf Merkel Trump nach dem letzten Aufeinandertreffen bei der G7 in Sizilien kritisiert hatte. Eine strategische Annäherung?

Auch Tusk lobte Trump. Deutlich ist zu hören, wie er anstelle von Trump auf die Nachfrage der Kanzlerin antwortet. Scherzhaft sagt der Pole: "Ein besonderes Geschenk an mich.“ "Ja, ja", scherzt Merkel.

Dann fragte die Kanzlerin, ob der chinesische Präsident Xi Jinping schon im Raum sei. "Wo sind meine chinesischen Freunde?“, wollte die Kanzlerin wissen. Einige Tage zuvor hatte sie Xi in Berlin begrüßt, mit ihm die deutsch-chinesische Zusammenarbeit beschworen.

Doch in Hamburg ließ Xi offenbar auf sich warten. "No China in this world", stellte Merkel enttäuscht fest.

Die "Rheinische Post“ berichtet von weiteren Gesprächen, die in dem vorliegenden Video nicht eindeutig zu verstehen sind.

Merkels G20-Sherpa Lars-Hendrik Röller, der die Verhandlungen im Vorfeld des Gipfels geführt hat, trat – das ist im Video zu erkennen – an Merkel heran und zeigte ihr ein Papier.

Merkel unsicher: "Kommt Erdogan heute?"

"Oh, das ist wunderbar“, zitiert die "Rheinische Post“ die Kanzlerin. Röller soll Merkel zugeflüstert haben, dass die Zusage einer Nation zu einem G20-Beschluss jedoch noch nicht hundertprozentig sicher sei.

Dann ist Trump auf einmal weg. "Donald, wo ist Donald?", soll Merkel gefragt haben. Und auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Raum.

Merkels bange Frage "Does Erdogan come?" deutet an, wie gespannt die diplomatische Beziehung zwischen der Türkei und der restlichen Weltgemeinschaft dieser Tage ist.

So angespannt, dass offenbar sogar ein unangekündigtes Wegbleiben des Präsidenten von der G20-Sitzung vorstellbar schien.

Später sorgte Erdogan dann tatsächlich noch für einen Mini-Eklat. Obwohl das Abschlusspapier da bereits ratifiziert war, zog der türkische Präsident seine Zustimmung zum Pariser Klimaabkommen zurück.

In seiner abschließenden Pressekonferenz erklärte er, die Türkei habe das Klimaabkommen zwar unterschrieben, es sei vom Parlament aber noch nicht ratifiziert worden.

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(ks)

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