Lindner stellt die Kampagne der FDP vor – schon die erste Nachfrage bringt ihn in Bedrängnis

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Lindner stellt die Kampagne der FDP vor – schon die erste Nachfrage bringt ihn in Bedrängnis | dpa
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  • Die FDP hat ihre Wahlplakate präsentiert
  • Wie zu erwarten im Fokus: FDP-Chef Christian Lindner
  • Eine "One Man Show" sei das aber nicht, sondern gängige Praxis, erklärt der

Die SPD glaubt, es sei "Zeit für mehr Gerechtigkeit“.

Die Union will ein Land bewahren, "in dem wir gut und gerne leben“.

Die FDP formuliert ihren Wahlslogan als Forderung: "Schauen wir nicht länger zu!“ Die Freien Demokraten haben am Montagmorgen ihre Kampagne für die Bundestagswahl vorgestellt.

FDP-Chef Christian Lindner musste sich bei der Präsentation in Berlin einigen kritischen Fragen stellen. Besonders ein Vorwurf, der derzeit immer wieder laut wird, brachte Lindner in Bedrängnis.

Dem FDP-Chef wird seit längerem nachgesagt, die Politik seiner Partei als "One Man Show“ zu inszenieren. Ein Journalist fragte deshalb gleich als Erstes provokant: "Herr Lindner, gibt es auch ein Plakat, auf dem nicht Sie drauf sind?“

Der FDP-Chef, der vor einer Wand der Plakatmotive stand, antwortete mit einer ausweichenden Gegenfrage. "Wie halten es Union und SPD?“, wollte Lindner wissen. Dann schob er nach: "Wir halten es genauso wie Union und SPD.“

Lindner: "'Weiter so' ist besser als Rückwärtsgang"

Auch SPD und Union würden auf ihren Plakaten ihre Spitzenkandidaten präsentieren, erklärte Lindner. Es scheint, dass die FDP zwar vieles anders machen will. Ganz wagt sie aber nicht mit den bekannten Mustern der Volksparteien zu brechen.

Das zeigte sich auch, als Lindner überraschend Sympathie mit dem Wahlmotto der Union bekundete. "Die Kampagne der CDU fasse ich in zwei Worten zusammen. Das Erste ist 'weiter’, das zweite ist 'so’“, sagte Lindner. Das sei der FDP näher als die Idee der SPD, die Agenda 2010 "rückabzuwickeln“.

"'Weiter so' ist besser als Rückwärtsgang“, führte Lindner auf Nachfrage aus. Zwar wollte er keine Koalitionsaussage machen, seine Ausführungen in Berlin zeigten aber, dass man in der FDP an ein schwarz-gelbes Bündnis auf Bundesebene glaubt: "Die CDU hat den Blinker gut gesetzt, es fehlt noch der Vorwärtsgang“.

FDP setzt auf Bildungs- und Digitalisierungsoffensive, Steuerentlastungen und Bürokratieabbau

Für die Liberalen ist das eine Gratwanderung. Einerseits sympathisierten Lindner und Generalsekretärin Nicola Beer mehr oder weniger offen mit den Konservativen. Zum anderen kündigten sie an, der "Status Quo“-Haltung der Kanzlerin etwas entgegensetzen zu wollen.

Die Menschen in Deutschland würden sich fragen "Wieso kann Frankreich, wieso kann Macron mehr als wir?“, glaubt Lindner.

Deshalb setzt die FDP auf eine Bildungs- und Digitalisierungsoffensive, Steuerentlastungen von bis zu 40 Milliarden Euro und einen Bürokratieabbau. Dazu will die Partei noch ein 10-Punkte-Programm präsentieren.

Außerdem spricht sich Lindner für ein modernes Einwanderungsgesetz aus. Auch hier hat er ein Vorbild: den französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

‎"Ich schaue neidvoll nach Frankreich, weil Emmanuel Macron dort nach der Kündigung des Pariser ‎Klimaabkommens durch Donald Trump großartige Naturwissenschaftler in sein Land einlädt, also eine ‎aktive Zuwanderungspolitik für Talente betreibt", sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld der Veranstaltung.

"Das fehlt uns komplett - trotz eines Fachkräftemangels."

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(ujo)

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