"Geisel des Terrors": Internationale Medien attackieren G20-Gegner und die Polizei - und sehen mögliche Probleme für Merkel

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KRAWALLE
"Geisel des Terrors": Internationale Medien attackieren G20-Gegner und die Polizei - und sehen mögliche Probleme für Merkel | Getty
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  • Der G20-Gipfel ist vorbei, was bleibt sind die Bilder der Krawallen
  • Die internationalen Medien üben sich in Ursachenforschung - und sehen teils Probleme auf Kanzlerin Merkel zukommen

Für mehrere Tage hat ein Großteil der Welt nach Hamburg geschaut. Viele dürften die massiven Ausschreitungen geschockt haben.

Mitten in der Innenstadt trafen sich - abgeschirmt von 20.000 Polizisten - knapp zwei Dutzend Staats- und Regierungschef sowie EU-Vertreter. Tausende wollten ein Zeichen gegen das G20-Treffen setzen, teils mit massiver Gewalt.

Verhindern konnten die Gegner das Gipfeltreffen nicht. Doch aus Sicht internationaler Medien setzten sie dennoch ein Zeichen - das unterschiedlich interpretiert wird.

Probleme für Kanzlerin Merkel

"Verheerend sind die Bilder, die von Hamburg aus um die Welt gehen, auch ohne Klärung der Schuldfrage", schreibt der österreichische "Standard". Brennende Autos, Wasserwerfer, Chaos - so habe sich Kanzlerin Angela Merkel ihren ersten G20-Gipfel sicher nicht vorgestellt.

"Der Standard" hält es angesichts "der vielen leidvollen Erfahrungen" für "nicht nachvollziehbar, warum die Hamburger Polizei trotz monatelanger Vorbereitung es zu einer solchen Eskalation kommen lassen konnte – oder wollte".

Ähnlich urteilt die italienische Zeitung "Corriere della Sera": "Der Gipfel von Hamburg schließt mit einem Debakel für die deutschen Polizeikräfte."

Die Beamten hätten es nicht geschafft, Sicherheit auf der Straße zu gewährleisten. "Das könnte sich in ein politisches Problem für Angela Merkel verwandeln", glaubt die Zeitung aus Mailand.

Keine politische Idee, keine Ziele, kein rechts und kein links

Aus Sicht der "La Repubblica" aus Rom war das Zentrum Hamburgs nicht nur drei Tage "im Kriegszustand" sondern gar eine "Geisel des Terrors". Tausende G20-Gegner hätten die zweitgrößte Stadt Deutschlands "gebrandschatzt".

Das Kernproblem der Proteste sei laut "La Repubblica" gewesen, dass es keine dominierende politische Idee, keine gemeinsamen Ziele, keine historische Ideologie, kein rechts und kein links gegeben habe. Nur einen einzigen gemeinsamen Zweck: "Die Attacke auf 'ein System, das uns ausschließt und uns demütigt'", so "La Repubblica".

"Die sogenannten Autonomen schaffen sich einen Moment der Anarchie, der sie in einen Rausch von Allmacht und Überheblichkeit versetzt", mahnt die Schweizer "Neue Zürcher Zeitung" ("NZZ"). Für solch rücksichtsloses Treiben gebe es keinerlei Rechtfertigung.

"Dennoch dürfen diese Gewalttäter in Deutschland regelmäßig von einem hohen Maß an Verständnis und Nachsicht ausgehen", schreibt die "NZZ". Das Blatt betont, dass es in Hamburg "um rohe, inakzeptable Gewalt" ging, "die Staat und Gesellschaft in Deutschland grundlos herausforderte". Deshalb gehören die Straftäter entschlossen verfolgt und bestraft, urteilt die Zeitung aus Zürich.

Auch der niederländische "Telegraaf" kritisiert die militanten Gipfelgegner scharf. Zwar sei die Demonstrationsfreiheit ein wichtiges, schützenswertes Recht. Doch dieses sei in Hamburg "schwer missbraucht wurden".

Die Zeitung gibt zu Bedenken, wenn alle Interessengruppen ihre Standpunkte mit Gewalt geltend machen würden, "dann ist dies das Ende sowohl der Demokratie als auch des Rechtsstaats".

"Der schwarze Block gleicht den Faschisten"

Die Schweizer "Sonntagszeitung" unterstreicht, dass in Hamburg Tausende friedlich gegen Globalisierung demonstrieren wollten. "Sie wurden von den Randalierern als Tarnung und Vorwand missbraucht", schreibt das Blatt.

"Die friedlichen Demonstranten sollten sich dagegen wehren", fordert die "Sonntagszeitung" aus Zürich. Weiter heißt es: "Ihr Mitgefühl gehört den verletzten Polizisten. Die linken Sympathisanten, die Gewalt bagatellisieren, solange sie nur von der richtigen, der linken Seite, kommt, schaden ihrem politischen Anliegen. (...) Der schwarze Block, ob in Hamburg oder Zürich, gleicht den Faschisten, die er angeblich bekämpft, nicht nur im farblichen Auftritt."

"Hatte dieser Gipfel überhaupt einen Sinn?", fragt schließlich die sozialdemokratische ungarische Tageszeitung "Nepszava".

Für die Hamburger, die wahrhafte Straßenkämpfe erleben mussten, wohl nicht, glaubt das Blatt und schlägt vor: "Das nächste Mal würde eine Telefonkonferenz völlig ausreichen."

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(ks)

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