Bosbach: "Wer einen Rewe plündert, ist ein krimineller Idiot"

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BOSBACH
Wolfgang Bosbach | dpa
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  • Deutsche Politiker machen ihrer Wut über die Krawalle in Hamburg Luft
  • Martin Schulz nennt die Randalierer "bescheuert"
  • Wolfgang Bosbach bezeichnet sie als "kriminelle Idioten"

Die Krawalle in Hamburg haben Deutschland ins Mark getroffen. Die meisten Menschen konnten sich bislang nicht vorstellen, dass Randalierer, Plünderer die Hoheit über ein ganzes Stadtviertel übernehmen würden. Dass die staatlichen Kräfte zeitweise die Kontrolle an Kriminelle verlieren würden.
Wenn Dinge so unfassbar scheinen, dann versuchen die meisten Menschen, sich Luft zu machen. Mit drastischen Worten. Politiker bilden da keine Ausnahme.

Schulz: "Nicht links, sondern bescheuert"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sagte, die Gewalttäter aus Hamburg seien nicht links, sondern "bescheuert".

Und: "Wir haben es hier mit Mordbrennern zu tun - mit Gewalttätern, die Mordversuche vorbereiteten und brandschatzend durch die Straßen zogen."

Schulz forderte eine europaweite Zusammenarbeit, um linke Extremisten zu fassen. Denn zahlreiche Randalierer in Hamburg waren aus dem Ausland angereist.

Bosbach: "Wer einen Rewe plündert, ist ein krimineller Idiot"

Der CDU-Politiker Wolfang Bosbach wetterte in einem N.TV-Interview: "Wer einen Rewe-Markt plündert, hat kein politisches Anliegen, das ist ein krimineller Idiot. Wer glaubt, eine Attacke auf ein Fahrradgeschäft sei Ausdruck einer politischen Gesinnung, der hat nicht mehr alle Latten am Zaun."

Alle Befürchtungen hinsichtlich der Sicherheit, "sogar die schlimmsten", seien eingetreten. Und auf die Frage der Journalistin nach Fehlern der Polizei antwortete Bosbach energisch: "Das fehlt jetzt noch, das die Polizei schuld ist."

Und weiter: Greife die Polizei hart durch, sei sofort die Rede von Polizeigewalt. Sei sie nicht überall, was sie gar nicht sein könne, werde ihr Schwäche vorgeworfen.

Es ist gut, wenn Politiker jetzt deutliche Worte finden. Orientierung geben, indem sie klarstellen, dass freie Meinungsäußerung und Gewalt aber auch gar nichts miteinander zu tun haben.

Wahlkampfgetöse statt Analyse

Es wäre allerdings auch gut, wenn nach der Wut die sachliche Analyse der Läge käme. Und das ist nicht besonders wahrscheinlich.

Es ist Wahlkampf. Und schon jetzt schieben sich die Parteien – nicht nur in Hamburg – gegenseitig die Schuld zu. Die Konservativen werfen den Linken – zurecht – vor, linke Gewalt zu lange verharmlost zu haben. So hatte sogar während der ersten Krawalle die Linke-Politikerin Katja Kipping noch der Polizei die Schuld am Eskalieren der Lage gegeben. Erst später nahm sie die Aussage zurück.

Und die Linke und Grüne schimpfen, eine Großstadt wie Hamburg sei nicht der richtige Ort für so einen Gipfel, das habe man schon immer gesagt. Der ganze Gipfel sei fraglich. Auch an diesem Vorwurf ist Wahres.

Nur ist niemandem - am wenigsten den Bürgern - gedient, wenn man sich gegenseitig Schuld zuschiebt.

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(poc)

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