Warum hat die Polizei die Hamburger Geschäfte nicht geschützt? Das sagt der Polizeisprecher

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HAMBURG
A shop is looted during anti-G20 protests on the first day of the G20 summit in Hamburg, Germany, July 7, 2017. REUTERS/Pawel Kopczynski | Pawel Kopczynski / Reuters
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  • Randalierer haben Samstagnacht das Hamburger Schanzenviertel verwüstet
  • Die Polizei wehrt sich gegen Vorwürfe, sie habe zu spät reagiert
  • Die Einsatzleitung fürchtete um das Leben ihrer Beamten
  • Derartige Gewalt habe man noch nie erlebt

Kaum jemand hatte es für möglich gehalten, dass sich solche Szenen in Deutschland abspielen könnten. Manch einer fühlte sich an Bürgerkrieg erinnert.

In der Nacht von Freitag auf Samstag hatten radikale Linke in Hamburg im Schanzenviertel Geschäfte demoliert, geplündert, hatten Autos angezündet und Barrikaden errichtet.

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Schwere Vorwürfe an die Polizei

In der Öffentlichkeit entstand der Eindruck, die Polizei habe einerseits viel zu spät reagiert und andererseits die Lage beim G20-Gipfel bei der Planung falsch eingeschätzt.

Der Hamburger Polizeisprecher Ulf Wundrack sagte der Nachrichtenseite "Focus Online" die Einsatzkräfte seien sofort angerückt, als sie die gegen 19 Uhr die ersten Informationen bekommen hätten.

Polizei spricht von Hinweisen auf Sprengfallen

Doch die Polizisten seien mit Flaschen und Steinen beworfen und mit Stahlkugeln beschossen worden. Außerdem habe es Hinweise gegeben, dass die Beamten mit Molotow-Cocktails und von Dächern aus mit Steinplatten angegriffen werden sollten. Sogar von Sprengfallen sei die Rede gewesen.

"Wir mussten eine Güterabwägung vornehmen: Leib und Leben der Polizisten gegen Sachbeschädigung."

Den es habe keinen Hinweis gegeben, dass Unbeteiligte in Gefahr waren. "Wäre das der Fall gewesen, hätten die bereits anwesenden Kollegen sofort eingegriffen."

Bis dann die Spezialkräfte da waren, die unter diesen Bedingungen arbeiten konnten, sagt Wundrack, habe es "in der Tat etwas gedauert". So einen Einsatz könne man aber nicht ohne gute Planung machen.

"Ein wahrer Gewaltrausch"

Wundrack sagte, die Polizei sei auf den Gipfel gut vorbereitet gewesen. Allerdings gab er zu, dass er "schockiert" sei über das Ausmaß der Brutalität gegen die Polizisten. "Es war ein wahrer Gewaltrausch, den wir dort erlebt haben."

Bis Samstagnachmittag wurden 213 Beamte verletzt. Ein Polizist ist nach Behördenangaben gestürzt und hat sich das Handgelenk gebrochen, nachdem er mit Steinen beworfen wurde. Einige Polizisten hätten sich ebenfalls bei Stürzen Knieverletzungen zugezogen.

Unbekannte warfen laut Polizei zudem Steine auf den Helm eines Beamten, der dadurch im Halsbereich verletzt wurde. Ein weiterer Polizist habe einen Nasenbeinbruch erlitten. Piloten eines Polizeihubschraubers zogen sich Augenverletzungen durch Laserpointer zu.

Erfahrene Polizisten sind vom Ausmaß der Gewalt schockiert

Außerdem habe es noch nie so massive Gewalt an mehreren Orten in der Stadt gleichzeitig gegeben – "entkoppelt von dem eigentlichen Anlass".

Ähnlich entsetzt äußerte sich auch Wundracks Kollege Timo Zill. "Ich bin langjährig Polizeibeamter, aber so eine Gewalt, so einen Hass gegen Polizisten, das habe ich noch nie erlebt. (...) Wir mussten Spezialkräfte einsetzen, die wir sonst nur in Terrorlagen zum Einsatz bringen würden, das zeigt die Dimension."

Mehr zum Thema: Alle wichtigen Informationen zum G20-Gipfel findet ihr in unserem Live-Blog

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