Draußen wüten die Extremisten auf der Schanze, drinnen dinieren die Staatschefs

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G20 DINNER
Draußen wüten die Extremisten auf der Schanze, drinnen dinieren die Staatschefs | Axel Schmidt / Reuters
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  • Während Linksextremisten im Schanzenviertel gewütet haben, lauschten die G20-Staatschefs einem Konzert in der Elbphilharmonie
  • Später dinierten die Politiker zusammen - die Proteste eskalierten unterdessen

Vom Hubschrauberlärm und den Krawallen draußen hört das Publikum in der Elbphilharmonie gar nichts. US-Präsident Donald Trump nimmt in der ersten Reihe der Tribüne gegenüber der Bühne Platz, neben ihm Frankreichs Emmanuel Macron. Eine Reihe dahinter sitzt die Kanzlerin.

Die versammelte Polit-Prominenz hört ein Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg unter Leitung von Kent Nagano. Klassische Musik zur Entspannung nach einem langen Verhandlungstag. Als zum Ende Beethovens 9. Sinfonie mit der "Ode an die Freude" erklingt, wird es feierlich in der "Elphi".

Draußen tobt da schon das Chaos. Zwischen 1500 und 2000 gewaltbereite Aktivisten verwandeln das Schanzenviertel in eine Kampfarena. Die Linksextremisten reißen Pflastersteine aus der Straße, um sich zu bewaffnen. Sie entzünden Straßenbarrikaden. Meterhoch schlagen die Flammen.

Steinbutt oder Rinderfilet und Ochsenbäckchen

Von all dem bekommen die Staatschefs während des Abends wohl wenig mit. Am Nachmittag verpasste die Gattin von Donald Trump noch die Hafenrundfahrt. Die Polizei habe keine Sicherheitsfreigabe erteilt, sagt ihre Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

In der Elbphilharmonie ist sie dann allerdings da. Nach dem Konzert wird den Staatschefs ein feierliches Abendessen serviert: Hanseatische Vorspeisen gefolgt vom Steinbutt oder Rinderfilet und Ochsenbäckchen und als Dessert Himbeeren oder einen Käseteller.

Der G20-Gipfel ist auch ein Gipfel der Gegensätze. Feine Speisen hier, Tränengas und Molotow-Cocktails dort. Denn in der Nacht rückte die Polizei erneut gegen Linksextremisten vor.

Auf TV-Bildern war zu sehen, wie Einsatzkräfte in Häuser eindrangen und auf Dächern standen. Über dem Schanzenviertel kreisten zwei Hubschrauber mit Suchscheinwerfern. Mit gepanzerten Fahrzeugen wurden Barrikaden weggeschoben, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Wasserwerfer waren im Einsatz. Die Polizei sprühte auch Tränengas.

Die politische Dimension des Gipfels - sie wird von solchen Bildern in den Hintergrund gedrängt.

Mit Material der dpa

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(jg)

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