Liebe "Taz", eure einseitige Polizei-Kritik ist gefährlich

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HAMBURG PROTEST
Liebe "Taz", mit eurer einseitigen Polizei-Kritik macht ihr euch lächerlich | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • In Hamburg geraten immer wieder Polizisten und Demonstranten aneinander
  • Die "Taz" kennt auf ihrer Facebook-Seite aber nur einen Schuldigen: Die Polizei

Hamburg kommt nicht zur Ruhe. Nach den massiven Krawallen am Donnerstagabend brennen auch am Freitag Autos, Linksextremisten blockieren Straßen und geraten mit Polizisten aneinander.

Schon in der ersten Protestnacht wurden über 100 Beamte verletzt, die Polizei vermeldete rund 30 Festnahmen. Videos zeigen, wie Vermummte am Morgen wahllos Autos anzünden und Fensterscheiben einschlagen.

Surft man über die Facebook-Seite der "Taz“ befindet man sich plötzlich in einer anderen Welt.

"Der größte schwarze Block aller Zeiten war am Abend vor G20 tatsächlich angetreten – in Uniform der Polizei“, heißt es da.

taz

"Provokationen und Gegenschläge“ seien in der Nacht von der Polizei ausgegangen, schreibt die "Taz“ in einem andern Artikel.

Einen Servicepost der besonderen Art veröffentlichte die Zeitung bereits am Donnerstagmittag. Der Titel: "G20-Ratgeber: Das hilft gegen Pfefferspray und Tränengas.“

Es ist völlig ok, dass sich das linke Medium auf die Seite der Globalisierungsgegner schlägt. Es ist wichtig, diesen Positionen Raum zu geben, auch wenn man anderer Meinung sein mag.

Doch die Konsequenz, mit der die "Taz“ Angriffe der linken Schlägerblöcke in Hamburg verschweigt, ist schlicht peinlich. Und letztlich auch unjournalistisch.

Krawalltouristen ohne politisches Ziel

Wenn hunderte Vermummte über die Elbchaussee ziehen, dort Feuerwerkskörper zünden, die Autos von Familien anzünden und Schaufenster kleiner Geschäfte einschlagen, ist das nicht nur kriminell – sondern auch ein politisches Armutszeugnis.

Kritik an Trump, Kritik an Erdogan, Kritik am Kapitalismus? Mit all dem hat das nichts zu tun. Was wir in Hamburg beobachten, ist das Schaulaufen internationaler Krawall-Touristen, die ihrer stumpfen Anti-Haltung mit Gewalt Ausdruck verleihen.

Natürlich sind Fragen erlaubt. Ob alle Entscheidungen der Polizei richtig waren. Deeskalierend war die Taktik nicht, dem schwarzen Block bei der "Welcome to Hell“-Demo mit Wasserwerfern vom Rest des Menschenzuges zu trennen.

Doch wer es nicht schafft, sich klar vom brutalen Auftreten vieler Protestler zu distanzieren, delegitimiert die gesamte G-20-Gegenbwegung.

HuffPost vor Ort: G20-Demonstranten richten einen wütenden Appell an die Behörden

Die spricht derweil von einigen schwarzen Schafen, die das harte Auftreten der Polizei nicht rechtfertigen würden.

Dabei müssen sich auch alle friedlichen Gipfelgegner fragen lassen, ob es wirklich sinnvoll ist, zu Veranstaltungen zu gehen, die ein martialisches Motto wie "Welcome to Hell“ ausgeben.

Wer nicht ahnte, wer dort zusammenkommen wird, ist naiv. Jedem muss klar gewesen sein, mit welcher Motivation und mit welchen Methoden die militanten G20-Gegner kämpfen.

Die Polizei verhinderte das.

Trotz aller Gewalt: Noch ist das Chaos in Hamburg leidlich unter Kontrolle.

Das wird nur so bleiben, wenn es gelingt, die gefährlichen Krawall-Touristen zu isolieren.

Liebe "Taz": Medien haben die Aufgabe, darüber zu berichten. Gefährlich wäre es, eine alternative Realität zu schaffen. Auch wenn die beim Facebook-Publikum besser ankommt.

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(sma)

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