Sorgen um Pressefreiheit: Journalisten wird überraschend die Akkreditierung zum G20-Gipfel entzogen

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  • Mehrere Journalisten sind Berichten zufolge vom G20-Gipfel ausgeschlossen worden
  • Das BKA erklärte, es gebe bei den betroffenen Reportern "Sicherheitsbedenken"
  • Im Video seht ihr die HuffPost-Reporter im Einsatz vor Ort

Bei Twitter häufen sich die Berichte über einzelne Journalisten, denen offenbar überraschend die Akkreditierung zum G20-Gipfel entzogen wurde.

So war ein Fotograf der Lokalzeitung "Weser-Kurier" auf einmal nicht mehr in der Sicherheitszone zugelassen worden, teilt der Verlag mit.

"Für den Weser-Kurier berichtete Fotograf Rafael Heygster bislang vor Ort über die Geschehnisse auf dem G20-Gipfel in Hamburg", schreibt der "Weser-Kurier" auf seiner Website. Die Arbeit sei für den Fotografen jedoch abrupt vorbei gewesen: "Als er gegen 13 Uhr am Freitag in das Pressezentrum zurückkehren wollte, teilte man ihm mit, dass ihm seine Akkreditierung entzogen worden sei."

Auch der Fotograf Björn Kietzmann wurde offenbar ausgeschlossen:

"taz"-Journalist Martin Kaul schreibt auf Twitter, ein Kollege habe gestern noch auf dem Rollfeld des Hamburger Flughafens gestanden - und US-Präsident Donald Trump bei dessen Ankunft gesehen. Nun sei seine Akkreditierung eingezogen worden:

Und ZDF-Mitarbeiter Daniel Bröckerhoff berichtet von insgesamt vier Fällen:

Eine Akkreditierung für den G20-Gipfel in Hamburg ist wichtig, weil Journalisten ansonsten keine Chance haben, in die gesperrten Bereiche zu kommen. Sie haben also keine Chance, die Geschehnisse aus der Nähe zu verfolgen.

Der Deutsche Journalistenverband warnt derweil vor Gewalt gegen Reporter auf den Straßen Hamburgs: Anlass ist die Eskalation der Gewalt in der Hansestadt. Nach Informationen des DJV wird weder von gewalttätigen Demonstranten noch von Einsatzkräften Rücksicht auf Reporter, Fotografen und Kameraleute genommen. "Passen Sie noch besser als sonst auf sich auf“, rät DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall.

Dass diese Sorge berechtigt ist, zeigen Berichte wie dieser:

Die entzogenen Akkreditierungen sorgen - völlig zu Recht - für Kritik. Tagesspiegel-Korrespondent Matthias Meisner etwa findet: "Krass, wie für #G20 die #Pressefreiheit eingeschränkt wird."

Krass, wie für #G20 die #Pressefreiheit eingeschränkt wird. Gibt es eine plausible Erklärung dazu, @bka @BMI_Bund? https://t.co/UHlN16mmuq

— Matthias Meisner (@MatthiasMeisner) 7. Juli 2017

Das BKA reagierte derweil auf die Vorfälle mit einer gleichwohl wenig zufriedenstellenden Erklärung:

Ob die neuen "Erkenntnisse" des BKA mit der bisherigen Arbeit der Journalisten beim G20-Gipfel zusammenhängen, wollte eine Sprecherin auf Nachfrage der HuffPost nicht kommentieren.

Der "Weser-Kurier" kündigte nun an, gegen den Ausschluss ihres Fotojournalisten vorgehen zu wollen.

Das sorgt für Kritik quer durch die deutsche Medienlandschaft:

Und der Verdacht lautet: Entscheidet nun das Innenministerium, wer genehm ist? Deutlicher kann man die Sorge um die Pressefreiheit während des G20-Gipfels kaum auf den Punkt bringen:

Beim Vorgehen gegen die gewaltbereite Demonstranten soll die Polizei zudem auch Journalisten angegriffen haben. Berichte lassen Zweifel aufkommen, wie ernst es die Polizei mit der Pressefreiheit nimmt.

"Bild"-Reporter Frank Schneider zitiert auf Twitter einen Polizeibeamten mit den Worten: "Ab jetzt gibt's keine Pressefreiheit mehr, hau ab oder ins Krankenhaus."

Es ist nicht der erste Bericht über eine Attacke auf einen Pressevertreter. Auch Politiker und Fotograf Erik Marquardt berichtet von einer unliebsamen Begegnung mit einem Polizisten. Als Marquardt seine Presseakkreditierung vorzeigte, soll der Beamte gesagt haben: "Ist mir scheiß egal, verpiss dich hier." Dann soll er zugetreten haben.

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(lp)

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