Kanadas Premier Trudeau erklärt das Phänomen Trump - und wie man seiner Herr werden kann

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TRUDEAU TRUMP
Kanadas Premier Trudeau erklärt das Phänomen Trump - und wie man ihm begegenen muss | POOL New / Reuters
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  • Justin Trudeau wird gerne als Anti-Trump bezeichnet
  • Kanadas Premierminister hat jetzt in einem Interview den Grund für Trumps Erfolg erklärt
  • Trudeau glaubt einen Weg gefunden zu haben, sich gegen Populisten wie den US-Präsidenten zu wehren

Kanadas Premierminister Justin Trudeau ist redegewandt, charmant und offenherzig. US-Präsident Donald Trump ist vulgär, infantil und verbohrt. Trudeau steht regelmäßig für die Rechte von Muslimen und Homosexuellen ein. Trump hingegen bringt es fertig, mit nur einem Satz ganze Länder zu beleidigen.

Die beiden Regierungschefs der USA und Kanadas haben weder persönlich noch politisch etwas gemeinsam. Und doch hat Trudeau nun in einem Interview gezeigt, dass er das Phänomen Trump verstanden hat - und dass er weiß, wie man es bekämpfen kann.

Trumps Auftrag: "Bring das in Ordnung!"

"Donald Trump wurde von Leuten gewählt, die sich ernsthaft fragten, inwiefern Globalisierung und Welthandel ihnen nutzen", sagte Trudeau der "Bild"-Zeitung. Die Menschen hätten sich von den politischen Institutionen vernachlässigt gefühlt, hätten ihren Frust und ihren Zorn gegenüber realitätsfremden Eliten zum Ausdruck gebracht, sagte Trudeau.

Der politische Außenseiter Trump habe deshalb von vielen US-Bürgern den Auftrag erhalten: "Bring das in Ordnung!"

Für Trudeau sind die Wahl Trumps und auch der EU-Austritt der Briten eine Warnung: "Diese Ereignisse haben gezeigt, wie wichtig es ist, den Leuten zuzuhören, ihre Sorgen und Ängste zu verstehen – und auf sie zu reagieren, ihre Gedanken zu berücksichtigen."

Trudeaus Maßnahmen gegen die trumpsche Politik

Trudeau hat auch eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie diese authentische Art der Politik umzusetzen ist. Es müsse Schluss sein mit nebulösen Vorstellungen wie "dem Land" oder "der Wirtschaft". "Wer sich auf die Leute konzentriert, die hart arbeiten – die Mittelschicht –, wird ein viel stabileres Wachstum erreichen", sagte Trudeau.

In Kanada hat der Premier dieses Vorhaben schon umgesetzt. "Eine der allerersten Maßnahmen unserer Regierung bestand darin, dass wir die Steuern für die wohlhabendsten ein Prozent erhöhten", sagte Trudeau der "Bild". Gleichzeitig habe seine Regierung die Steuern für die Mittelschicht gesenkt.

Außerdem wurde das Kindergeld in Kanada unter Trudeau reformiert. Dieses wurde zuvor, wie auch in Deutschland, pauschal ausgezahlt - jetzt wurde es in eine bedürfnisorientierte Leistung umgewandelt. Vorher habe es keine Rolle gespielt, "ob jemand eine Million Dollar im Jahr verdiente oder nur Mindestlohn", bemängelte Trudeau.

Trudeaus Anti-Trump-Formel

Trudeaus Ansatz ist klar: Windigen Versprechungen und fadenscheinigen Politikansätzen von Populisten müssen echte politische Alternativen entgegengesetzt werden. Solche, die anti-elitärer Stimmung den Wind aus den Segeln nehmen.

Trudeau bringt das im Interview auf eine einfache Formel: "Wir sagen: Helfen wir den Menschen mehr, die unsere Hilfe benötigen, indem wir denjenigen weniger helfen, die unsere Hilfe nicht benötigen!“

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(ks)

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