Faber: "Was nicht stimmt, ist elegant geflunkert"

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Faber heißt eigentlich Julian Pollina

"Akustik-Pop für Mädchen" nennen die Presse und Faber (23) selbst die Musik des Schweizer Newcomers. Am 7. Juli erscheint nun das Album "Sei ein Faber im Wind". Die Songs darauf tragen Titel wie "In Paris brennen Autos", "Wem du's heute kannst besorgen" oder "Brüstebeinearschgesicht". Die Nachrichtenagentur spot on news hat Faber, der eigentlich Julian Pollina heißt und der Sohn des italienischen Liedermachers Pippo Pollina (54) ist, anlässlich seiner Album-Veröffentlichung in München zum Interview getroffen. Dabei verriet er, warum es nicht so einfach ist, in der Schweiz Erfolg zu haben.

Wie wurde aus Julian Pollina der Künstler Faber?

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Faber: Habe ich mir einfach ausgedacht. Ich brauchte dringend einen Namen. Und seither heiße ich so.

Warum singen Sie auf Hochdeutsch und nicht auf Schweizerdeutsch?

Faber: Ich habe mich eigentlich gar nicht bewusst entschieden, auf Deutsch zu singen. Das war so: Wir hatten früher eine Band und der Sänger konnte kein Schweizerdeutsch und hat Deutsch gesprochen und gesungen. Als ich das mit 15 Jahren übernommen habe, das Schreiben und das Singen, habe ich das in der Tradition der Band fortgeführt. Ohne groß zu überlegen.

In der Schweiz ist das ja nicht so angesagt auf Hochdeutsch zu singen, oder?

Faber: Nicht besonders.

Warum ist das so?

Faber: Das ist eine schwierige Sache. Die Schweizer mögen grundsätzlich die Deutschen einfach nicht. Das grobe Problem ist oft, dass viele Schweizer sich ein bisschen unterlegen fühlen, weil sie halt einen Dialekt sprechen und vielleicht meinen, dass das dann so bäuerlich klingen würde. Ich glaube, das ist die große Angst und deshalb gibt es da eine gewisse Ablehnung.

Ging Ihnen das früher auch so?

Faber: Nee.

Die Schweizer gelten generell eher als zurückhaltend, Faber wirkt eher wie das Gegenteil. In Ihrem Song "Wem du's heute kannst besorgen" geht es zum Beispiel richtig zur Sache. Was inspiriert Sie zu Ihren Texten?

Faber: Ein buntes Gemisch aus Sachen, die ich erlebe und Sachen, die ich höre und Sachen, die ich mir einfach überlege. Was nicht stimmt, das ist elegant geflunkert.

Wollen Sie den Leuten mit Ihrer Musik etwas mit auf den Weg geben?

Faber: Es ist natürlich schön, wenn das funktioniert. Sehr schön ist es zum Beispiel, wenn ich irgendwelche Sachen schreibe und die Leute Dinge in den Texten sehen, die ich mir überhaupt nicht überlegt habe. Das spricht für mich für einen guten Text. Wenn der Text mehr weiß als der Verfasser selbst.

Um auf den Titel Ihres Albums zu sprechen zu kommen... Was haben Sie sich dabei gedacht?

Faber: "Sei ein Faber im Wind". Ist doch geil! Das zu sagen, macht Spaß. Ich finde, das ist etwas Bildliches, das klingt halt lustig. Es ist total frei von Inhalt. Inhalte müssen überwunden werden. Es ist ein bisschen so, als würde man die Leute dazu einladen, ein Faber zu sein.

Und wie ist man, wenn man ein Faber ist?

Faber: Man muss es halt ausprobieren. Es ist wie ein Werbespruch. Seien auch Sie ein Faber im Wind!

Sie haben sich nach dem Abitur direkt auf die Musik-Karriere gestürzt. Viele andere werden von den Eltern ermahnt: "Lern lieber erst was Vernünftiges". Wie war das bei Ihnen?

Faber: Es war meinen Eltern schon wichtig - oder mir fast mehr als ihnen, dass ich schnell auf eigenen Beinen stehe. Es wäre mir peinlich, wenn ich alles, was ich gerade so mache - viel reisen und viel Geld ausgeben - auf Kosten meiner Eltern machen würde. Das könnte ich nicht ertragen. Und ich habe auch ziemlich schnell einen Weg gefunden, das zu finanzieren.

Sie haben sich als Musiker in Restaurants und auf Hochzeiten über Wasser gehalten. Kann man damit in Zürich überleben?

Faber: Auf jeden Fall. Damit kann man auch hier überleben. Hier besser als in Zürich.

Wie sehr hat Sie Zürich als Musiker geprägt?

Faber: Schon ein bisschen. Gerade die seltsamen Missstände, die es in Zürich gibt, bewegen mich nach wie vor. Die Straßen sind nicht verdreckt und kaputt oder so. Aber die Leute krüppeln sich alle kaputt, weil sie für das bisschen Glück, für die zwei Wochen Urlaub auf den Malediven, so viel arbeiten müssen. Ich will ein anderes Leben führen.

Heißt das, Sie wollen aus Zürich weg?

Faber: Überhaupt nicht. Ich bleib da.

Wollen Sie auch in der Schweiz bekannter werden?

Faber: Ja, natürlich. Aber das ist halt nicht so einfach.

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