Während die Welt nach Hamburg schaut, bereitet Erdogan in Syrien einen ungeheuerlichen Angriff vor

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  • Das türkische Militär plant offenbar einen Angriff auf die syrische Stadt Afrin
  • Islamistische Milizen und türkische Soldaten rücken auf die Kurden-Hochburg vor
  • Oben im Video seht ihr eine Zusammenfassung des Textes

Die Weltöffentlichkeit hat genau hingeschaut, als Angela Merkel beim G20-Gipfel den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan begrüßte: Es war eine unterkühlte Begegnung, so die einhellige Meinung.

Doch wenn es um Syrien geht, schauen alle weg.

Dabei plant Erdogan in der kurdischen Region Afrin offenbar eine perfide Attacke. Dort hat die türkische Luftwaffe vergangene Woche begonnen, Stellungen, Häuser und Straßen unter Beschuss zu nehmen.

Der nordwestliche Zipfel Syriens gehört seit 2012 den Kurden, die hier seit jeher in der Mehrheit sind. Die Miliz YPG, die der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahesteht, hat hier das Sagen – Angriffe waren in der Region bisher eine Ausnahme.

Jetzt ist der Frieden für über eine Million Menschen in Gefahr.

Es droht eine grausame Schlacht

Türkische Medien berichten von einem bevorstehenden Angriff auf die Hauptstadt von Afrin. Erdogan will die Grenzregion zur Türkei offenbar von seinen erklärten Feinden befreien. Es droht eine ganz besonders grausame Schlacht zu werden.

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Gelb die beiden Kurdengebiete im Norden Syriens, dazwischen der türkische Einflussbereich

Daher läuft die türkische Propaganda schon auf Hochtouren: Vizepremierminister Veysi Kaynak sprach bereits von einer "Säuberung von Terroristen“.

Worum es der türkischen Führung wohl eigentlich geht, ahnen Experten seit Monaten: Die Türkei will verhindern, dass im Norden Syriens auf Dauer ein autonomer kurdischer Staat entsteht, wie es ihn de facto im Nordirak gibt.

Kein Wunder, dass Politiker aus Afrin ahnen was auf sie zukommt: Über die Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker richten sie daher einen dringenden Appell an den Westen. Sie fürchten einen Einmarsch von türkischen Soldaten und verbündeten radikal islamistischen Milizen.

"In den letzten Tage hat die Türkei schweres militärisches Gerät an die Grenze von Afrin verschoben“, schreiben die kurdischen Politiker. "Bitte lassen Sie die Menschen in Afrin nicht im Stich!“

Zehntausende demonstrieren gegen die türkische Intervention

Doch Afrin – soviel ist sicher – wird für das türkische Militär kein einfaches Ziel. Bereits am Mittwoch gingen zehntausende Menschen - einige Beobachter berichten gar von Hunderttausenden - auf die Straße, um gegen die drohende Offensive der Türkei zu demonstrieren. Die Bilder sind beeindruckend.

Tausende YPG-Kämpfer sollen sich in der Umgebung der Stadt aufhalten. Berichten zufolge hätten zudem verbündete sunnitische Milizen, die derzeit in der Region um Rakka aktiv sind, der YPG in Afrin ihre Unterstützung zugesichert.

Auch die internationalen Mächte USA und Russland betrachten Erdogans Säbelrassen im Norden Syriens offenbar kritisch. Bilder aus den vergangenen Tagen zeigen eine russische Delegation am Märtyrerfriedhof von Afrin. Ob dahinter jedoch wirklich eine Solidaritätsbekundung mit den Kurden steckt, ist unklar.

Der Kreml gilt als sprunghaft, lokale Quellen befürchten gar, es gebe eine Absprache zwischen der Türkei, Russland, dem Iran und dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Die Operation "Euphrat-Schwert" hat begonnen

Auch türkische Zeitungen erklären, die Offensive sei vom syrischen Präsidenten Baschar al-Assad geduldet worden.


Und so bleibt für die Kurden wohl nur noch mögliche Hilfe aus Washington.

Unter US-Präsident Donald Trump haben die USA ihre Unterstützung für die Kurden ausgebaut. Aus dem Außenministerium heißt es, man werde keine Aktionen dulden, die den Kampf gegen den IS schwächen.

Als Teil der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) gehört die YPG zu den wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den IS-Terror.

Noch scheint Erdogan das nicht zu beunruhigen. Berichten zufolge haben türkische Soldaten begonnen, Weizenfelder kurdischer Bewohner der Region anzuzünden. Unbestätigte Aufnahmen zeigen zudem eine T-155 Fırtına-Panzerhaubitze, die kurdische Stellungen beschießt.

"Euphrat-Schwert“, titelte die AKP-nahe Tageszeitung "Karar“ in Anlehnung an die abgeschlossene Militäroperation Euphrat-Schild. Die Botschaft ist klar: Die Zeiten der Verteidigung sind vorbei, die Türkei schaltet auf Angriff.

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(jg)

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