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06/07/2017 04:22 CEST | Aktualisiert 06/07/2017 06:28 CEST

US-Botschafterin droht Nordkorea, notfalls werde man das Militär losschicken

JEWEL SAMAD via Getty Images
Nikki Haley sprach am Mittwoch vor dem UN-Sicherheitsrat in New York.

  • In einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates hat die Vertreterin der USA Nordkorea gedroht

  • Sie kündigte härtere Sanktionen an - schloss aber auch militärische Operationen gegen Nordkorea nicht aus

  • Nordkorea testete diese Woche eine Rakete, die in Zukunft die USA treffen könnte

Das Säbelrasseln zwischen Nordkorea und den USA geht weiter - und von beiden Seiten sind erschreckende Töne zu vernehmen.

Diesen Mittwoch lag es an Washington, mit harten Worten Stärke zu demonstrieren. Nikki Haley, welche die USA bei den Vereinten Nationen (UN) in New York als Botschafterin vertritt, machte klar: Ein Krieg gegen Nordkorea ist eine Möglichkeit. Ihr Land sei bereit und gewillt, das Militär loszuschicken, "wenn wir das müssen", sagte die Botschafterin vor dem UN-Sicherheitsrat.

Haley erklärte, die USA seien bereit, in dem Konflikt die "volle Bandbreite" der Möglichkeiten zu nutzen. "Wir ziehen es aber vor, nicht in diese Richtung zu gehen."

Offenbar wollen die USA im UN-Sicherheitsrat bewirken, dass dem isolierten Staat härtere Sanktionen auferlegt beziehungsweise bestehende Regelungen wirklich durchgesetzt werden. Beobachter argumentieren, besonders China würde geltende internationale Sanktionen nur halbherzig umsetzen.

Breitseite gegen China

"Wir schauen nicht nur auf Nordkorea, wir schauen auf jedes Land, dass sich entscheidet, mit Nordkorea Handel zu treiben", sagte Haley. Die US-Botschafterin versprach, in den nächsten Tagen würden die Vereinigten Staaten für härtere Sanktionen werben.

Sie warnte, würden China und Russland den Schritt nicht unterstützen, würden die Amerikaner ihren "eigenen Weg gehen". Was das bedeutet, war vorerst unklar.

Zuvor hatte Pjöngjang eine Rakete abgefeuert, die in Zukunft auch die US-Westküste treffen könnte. Das Kim-Regime pries das Geschoss als "Geschenk" für die "amerikanischen Bastarde" - und drohte mit weiteren Raketentests.

UN-Resolutionen verbieten dem Staat den Test ballistischer Raketen. Die USA sowie Südkorea antworteten auf die Provokation, in dem sie ihrerseits bei einer gemeinsamen Militärübung in Südkorea Raketen abschossen.

Auch US-Außenminister Rex Tillerson kündigte "härtere Maßnahmen" gegen Pjöngjang an und bezog sich damit offensichtlich auf neue Sanktionen. Tillerson erklärte, der Test Nordkoreas stelle "eine neue Eskalation der Bedrohung für die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und Partner, die Region und die Welt dar".

Russland und China sprachen sich vor dem UN-Sicherheitsrat allerdings gegen Sanktionen und für weitere diplomatische Gespräche zur Lösung der Krise aus. Die ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates (Frankreich, Russland, die USA, China und Großbritannien) haben alle ein Vetorecht.

Jedes einzelne Land kann einen Beschluss also auch dann kippen, wenn die anderen Mitglieder dafür sind. Gerade Russland und China haben in der Vergangenheit Sanktionen durch ihr Veto blockiert.

Trump kritisiert Chinas Geschäftsbeziehungen zum Nachbarstaat

US-Präsident Donald Trump geißelte derweil Chinas Handelspolitik gegenüber Nordkorea. "Der Handel zwischen China und Nordkorea ist im ersten Quartal um fast 40 Prozent gewachsen. So viel dazu, dass China mit uns zusammenarbeitet - aber wir mussten es auf einen Versuch ankommen lassen!", schrieb er auf Twitter.

China ist einer der wenigen Verbündeten des isolierten Kim-Regimes. Trump hatte in der jüngsten Krise versucht, verstärkt diplomatischen Druck auf Peking auszuüben, um so Kim Jong-Un von weiteren Provokationen abzuhalten. Allerdings wäre es für Peking ein Gesichtsverlust, wenn man dem amerikanischen Druck nachgeben würde.

Ohrfeige für Trump

Die USA gehen davon aus, dass die Regierung von Präsident Xi Jinping großen Einfluss auf Nordkorea hat, auch weil rund 80 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels über China laufen. Für Trump war der jüngste Raketentest ein Ohrfeige. Denn zuvor hatte er vollmundig versprochen, als Präsident werde er solche verhindern.

Experten sind sich uneinig darüber, wie weit fortgeschritten das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas ist. Das Land hatte am Dienstag erstmals eine Interkontinentalrakete getestet, die möglicherweise das Potenzial hat, auch die US-Westküste zu treffen.

Das US-Verteidigungsministerium bezweifelte allerdings, dass Nordkorea bereits dazu in der Lage ist, die Rakete mit einem Atomsprengkopf auszustatten. Zudem müsste die Rakete so konstruiert sein, dass der Gefechtskopf bei einem Wiedereintritt des Geschosses in die Erdatmosphäre durch die dabei entstehende Hitze nicht beschädigt würde.

Mehr zum Thema: Nordkorea hat mit seinem Raketentest eine rote Linie überschritten - das sind die drei wichtigsten Konsequenzen

Mit Material der dpa

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(jg)

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