Ein einziger Satz in der Katar-Krise zeigt: Sie ist vor allem für die Golfstaaten ein peinlicher Eklat

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Ein einziger Satz in der Katar-Krise zeigt: Sie ist vor allem für die Golfstaaten ein peinlicher Eklat | POOL New / Reuters
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  • Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten haben Katar eine Liste von Forderungen gestellt
  • Doch das Emirat hat das gestellte Ultimatum verstreichen lassen, ohne Zugeständnisse zu machen
  • Jetzt zeigt sich: Die arabische Allianz weiß nicht, wie sie weiter vorgehen soll

Am Mittwoch hat Katar das Ultimatum seiner arabischen Nachbarländer verstreichen lassen, die Forderungen der Golfstaaten als "unrealistisch" zurückgewiesen. Und passiert ist: nichts.

Mehr als Enttäuschung über das Verhalten des Emirats äußerten die Außenminister der arabischen Allianz vorerst nicht. Ein einziger Satz in der Reaktion der Golfstaaten offenbart dabei, wie stümperhaft sich diese in der diplomatischen Krise anstellen.

Nächsten Schritte "zu gegebener Zeit"

Dabei hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain und Ägypten diese vor einem Monat selbst heraufbeschworen, als sie ihre Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Blockade gegen das Land verhängt.

Die Staaten forderten das kleine aber reiche Wüstenemirat unter anderem auf, die Beziehungen zum schiitischen Iran zurückzufahren und seinen TV-Sender Al Jazeera dicht zu machen. Sie werfen Katar vor, Terrorgruppen zu unterstützen.

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Doch bisher blieb das Verstreichen des Ultimatums ohne Folgen.

Und auf neue Sanktionen gegen das Emirat konnten sich Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain und Ägypten nicht einigen. Und dann der entscheidende Satz: Das Bündnis teilte schmallippig mit, "Katar wird rechtzeitig eine Antwort erhalten."

Zugleich erklärte der saudische Außenminister Adel al-Jubeir auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwochabend: Die nächsten Schritte gegen Katar werden "zu gegebener Zeit" im Einklang mit dem Völkerrecht kommen.

Ein entlarvendes Eingeständnis.

Denn sie wissen nicht, was zu tun

Zeige die zögerliche Reaktion der Golfstaaten doch laut dem Nahost-Experten Abbas Kadhim, dass Saudi-Arabien und seine Verbündeten "nicht sicher sind, was zu tun ist."

Denn Katar soll bereits am Dienstag geantwortet haben, die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran würde man reduzieren - wenn das auch Saudi-Arabien und die VAE tun würden. Ähnlich sollten die an der Blockade beteiligten Länder bei den Beziehungen zu Terrororganisationen und der Stationierung von ausländischen Militär verfahren, verlange das kleine Emirat.

Katars Motto: Gleiche Regeln für alle.

Der Politikwissenschaftler Kadhim von der Johns Hopkins University glaubt, dass die vier arabischen Staaten nicht mit einer solch trotzigen Antwort Katars gerechnet hätten. "Sie erwarteten wenigstens ein paar gesichtswahrende Zugeständnisse zu bekommen" - doch die bekamen sie nicht.

"Katar ist böse"

Die freche Antwort Katars auf die Forderungen zeige die Nachlässigkeit des Landes und ein Fehlen der Ernsthaftigkeit im Umgang mit den vorherrschenden Problemen, sagte Ägyptens Außenminister Sameh Schukri am Mittwochabend.

Auch er offenbarte im Anschluss eine gewisse Hilflosigkeit der an der Blockade beteiligten Staaten. Schukri begründete die gemeinsame Zurückhaltung damit, dass jede Entscheidung ernsthaft abgewogen werden müsse.

Vorerst wird das Problem also vertagt. Die Außenminister der vier arabischen Staaten kündigten an, demnächst erneut in Bahrains Hauptstadt Manama zusammenkommen zu wollen.

Eine schnelle Lösung der Katar-Krise ist aber nicht in Sicht. Das unterstrich eine gemeinsame Pressekonferenz am Mittwoch. Dort fragte ein Journalist des arabischsprachigen US-Senders Alhurra, welche weiteren Maßnahmen die Allianz nun ergreifen werde.

Die schlichte Antwort: "Katar ist böse."

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(Mit Material der dpa)

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(jg)

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