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06/07/2017 22:27 CEST | Aktualisiert 07/07/2017 00:55 CEST

Brennende Autos, Gasgranaten, Wasserwerfer: Wie die Anti-G20-Demo in der Hölle von Hamburg endete

Maximilian Marquardt / HuffPost
Brennende Autos, Gasgranaten, Wasserwerfer: Wie die Anti-G20-Demo in der Hölle von Hamburg endete

  • Die Demonstration "Welcome to hell" ist am Donnerstag in Krawallen geendet

  • Vermummte Demonstranten griffen Polizisten an, die Beamten setzten Wasserwerfer und Pfefferspray ein

Es ist die Hölle von Hamburg.

Bei der "Welcome to hell Demo" am Donnerstag werden mehrere Menschen verletzt, Autos angezündet. Die Polizei, die mit tausenden Einsatzkräften vor Ort ist, setzt Gasgranaten und Wasserwerfer ein. Aktivisten werfen mit Steinen, Flaschen, Böllern und zünden mindestens ein Auto an.

Die Hölle kündigt sich lange vorher an. Schon bevor sich die Demonstration in Gang setzt, postieren sich Hundertschaften rechts und links auf der fünfspurigen Hafenstraße, die für diesen Abend komplett gesperrt ist. Zwischendrin: Tausende Schaulustige auf dem Deich und auf einer Brücke, die nicht ahnen konnten, was gleich passierte würde.

"Ist das deine erste Demo, du Arschloch?"

Eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn setzt sich der Demonstrationszug in Bewegung, an vorderster Front etwa 1000 Vermummte des Schwarzen Blocks mit einem Transparent, auf dem steht: "Smash G20. Welcome to the hell of St. Pauli".

Im Block herrscht zuerst bedrückende Stille. Einzelne schreien: "Passt auf euch auf!". Und: "Ruhig bleiben".

Einzelne Personen, die daneben standen, werden bedroht. "Ist das deine erste Demo, du Arschloch?", sagt einer zu einem, der ein Foto macht. "Pack deine scheiß Kamera weg, wie oft muss ich dir das noch sagen."

Ein Vermummter telefoniert. "Nein Mama, ich muss jetzt bei meinen Leuten bleiben, wir sind wie eine große Clique, du verstehst das nicht", sagt er.

Polizei bringt sich mit Wasserwerfern in Stellung

Währenddessen nähern sich drei Wasserwerfer der Polizei in Richtung der Demonstranten und blockieren den Weg. Kein Fortkommen mehr. Mehrmals warnt die Polizei den Schwarzen Block, seine Vermummung abzulegen. Alle Schaulustigen sollen außerdem das Gelände verlassen.

Immer, wenn die Warnungen durch die Megafone der Polizeiwagen klingen, antworten die Schaulustigen mit lauten "Haut ab"-Rufen.

Die Szenen gleichen einem Hexenkessel.

Über eine halbe Stunde ist nicht klar, wie es nun weitergeht. Klar ist nur, dass keine der Seiten kampflos ihr Feld räumt. Als der Schwarze Block versucht, auf den Deich zu steigen, eskaliert die Situation.

Vermummte werfen Steine, Polizisten schießen mit Gasgranaten

Polizisten schießen auf Demonstranten mit Gasgranaten, während eine Hundertschaft mit Schilden nach vorne stürmt und die Wasserwerfer auf alles zielen, was sich bewegt.

Der Schwarze Block wirft währenddessen Steine, Böller und Flaschen auf die Polizisten. Daraufhin bricht eine Massenpanik aus. Schaulistige versuchen, das Gelände zu verlassen.

Ein Augenzeuge beschreibt die Situation später im HuffPost-Interview wie folgt. Er habe sich nicht sicher gefühlt – vor allem wegen dem aggressiven Auftreten der Polizei.

Noch während wir das Interview führen, gehen die Krawalle weiter. Mindestens ein Mülleimer und ein Auto werden in der Louise-Schröder-Straße in St. Pauli angezündet, Polizisten räumen die Brücke, auf der zuvor tausende Schaulustige standen.

Hoffnung auf friedlichen Protest ist zerstört

Noch lange, nachdem die Demo vom Veranstalter offiziell aufgelöst wird, liefern sich der Schwarzer Block und Polizisten eine Treibjagd durch die Straßen St. Paulis, bei der auch Unbeteiligte von Wasserwerfern getroffen werden.

Noch während wir die Zeilen schreiben, sind die Krawalle im vollen Gange. Bislang ist noch nicht klar, wie viele Verletzte es gegeben hat und wie hoch der Sachschaden ist.

Klar ist nur, dass die Hoffnungen, die G20-Demonstrationen könnten friedlich verlaufen, endgültig zerstört sind.

Mehr zum Thema: "Welcome to Hell": Diese radikalen Gruppen aus In- und Ausland wollen Hamburg diese Woche ins Chaos stürzen

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