Von der Polizei vertrieben: Jetzt richten G20-Demonstranten einen wütenden Appell an die Behörden

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  • Die Polizei hat das Anti-G20-Protestlager in Entenwerder unter der Woche aufgelöst
  • Viele der Aktivisten haben nun an anderen Orten Unterschlupf gefunden
  • Sie sind wütend auf die Polizei – aber glauben jetzt noch besser gewappnet zu sein
  • Im Video berichtet ein Aktivist, was er erlebt hat

Es war ein Einsatz, der bundesweit für Aufsehen sorgte: Am Sonntag stürmten Polizisten in voller Montur ein Camp mit G20-Gegnern. Kritiker bezeichneten den Einsatz gar als "verfassungswidrig".

Einer, der den Einsatz hautnah erlebte, ist Hansel Sauerteig aus dem Wendtland. Der 73-Jährige war bereits auf vier Gipfeln - so etwas aber hatte er noch nicht erlebt.

"Es ist offensichtlich, worum es hier ging - darum, jeglichen politischen Protest im Keim zu ersticken", sagt er im Gespräch mit der HuffPost (im Video oben). "Wenn wir vier Tage protestieren wollen, dann brauchen wir einen Platz, wo wir unterkommen." Und es sei klar, dass das keine Luxushotels seien.

"Eine Sauerei"

"Deswegen ist es eine Sauerei, uns diese Plätze entziehen zu wollen", sagt er. Fassungslos macht ihn die Darstellung der Polizei, die Demonstranten seien gewalttätig. "Die einzigen, die bislang Gewalt angewendet haben, sind die Polizisten."

Dudde und tausende andere G20-Gegner mussten nach dem Einsatz neuen Unterschlupf finden. Und das klappte besser als gedacht. Er ist mit 250 Leuten auf dem Gelände der St. Johanniskirche in Altona untergekommen, die die Camper duldet.

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Das Demonstranten-Lager vor der Kirche.

"Die Menschen, die am Protest teilnehmen wollen, müssen auch untergebracht werden", sagt etwa Vanessa von der Lieth, die Pastorin der Kirchengemeinde Altona-Ost.

So wie Lieth dulden eine handvoll anderer Kirchengemeinden, Theater und Vereine die G20-Gegner in ihren Vorgärten. Sogar auf dem Trainingsgelände des Hamburger Fußballvereins St. Pauli können die G20-Gegner campen.

Wir sind der Polizei inzwischen dankbar"

"Inzwischen sind wir der Polizei sogar dankbar", sagt deswegen Sauerteig. "Hier haben wir viel bessere Möglichkeiten, politisch wirksam zu sein".

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Der neue Camping-Platz der Protestler.

Kaum sei man auf den Platz umgezogen, hätten ihnen Nachbarn die Vorgärten zum Campen angeboten und ihre Bäder zum Duschen. "Es hätte nicht besser laufen können"

"In das Freiluftgefängnis Entenwerder gehen wir nicht zurück", sagt er - auch, wenn die Polizei das mittlerweile angeboten hat. Das Oberlandesgericht Hamburg hat 300 Zeltplätze auf dem Gelände erlaubt.

Die Versammlungsbehörde habe nicht hinreichend belegt, dass trotz der Entfernung von der Innenstadt das Camp als Ausgangspunkt für Blockaden und Straftaten diene, heißt es in der Mitteilung. Die Beschränkung auf 300 Zelte ergebe sich daraus, dass damit alle Teilnehmer an den Veranstaltungen im Protestcamp auch eine Schlafmöglichkeit hätten.

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(lp)

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