Forscher haben herausgefunden: So beeinflusst die Antibaby-Pille das Wohlbefinden

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CONTRACEPTIVE PILL
Eine Studie zeigt: Die Pille kann massiv das Wohlbefinden beeinflussen. | mraoraor via Getty Images
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  • Weltweit Millionen von Frauen die Pille - doch frei von Nebenwirkungen ist sie nicht
  • Jetzt zeigt eine Studie aus Schweden, was Experten schon lange befürchtet haben
  • Das Verhütungsmittel kann das Wohlbefinden deutlich senken

Ihre Einführung war ein gesellschaftlicher Durchbruch: 1960 kam die Antibabypille auf den Markt und revolutionierte die weibliche Sexualität. Vor ungewollten Schwangerschaften mussten Frauen keine Angst mehr haben: Wann und wie viele Kinder sie bekommen wollten, konnten sie jetzt selbst bestimmen.

Mittlerweile ist die Pille eines der beliebtesten Verhütungsmittel der Welt: Allein in Deutschland nehmen sie mehr als sechs Millionen Frauen ein. Doch die Pille hat auch eine Schattenseite: Denn sie nicht nur physische, sondern auch psychische Nebenwirkungen.

Zu den bereits bekannten Risiken und Nebenwirkungen der Pille zählen Kopfschmerzen, Zwischenblutungen und sogar Thrombosen und Lungenembolien. Doch auch den Gemütszustand kann beeinträchtigt werden, wie Forscher des Karolinska Instituts bei Stockholm herausgefunden haben.

Forscher untersuchten den "Wohlfühl-Index" bei den Frauen

Im Rahmen einer Studie bekamen 340 Frauen zwischen 18 und 35 Jahren über drei Monate hinweg entweder Placebos oder orale Kontrazeptiva, die Levonorgestrel und Ethinylestradiol enthielten - die häufigste Wirkstoffkombination der Pille.

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Die Frauen waren gesund, rauchten nicht und verhüteten in den Wochen vorm Studienstart nicht hormonell, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Fertility and Sterility".

Die Lebensqualität der Frauen wurde nach drei Monaten anhand des General Well-Being Index (PGWBI), dem "Wohlfühl-Index" der Weltgesundheitsorganisation (WHO), gemessen. Faktoren wie Vitalität, Selbstkontrolle und Wohlbefinden wurden hier mit einbezogen.

Das Ergebnis: Die Frauen, die tatsächlich Verhütungsmittel zu sich nahmen, schnitten deutlich schlechter ab. Bei dieser Testgruppe gab es eine “statistisch signifikante” Senkung des allgemeinen Wohlbefindens - und somit der Lebensqualität.

Die Langzeitfolgen müssen noch genauer untersucht werden


Mögliche Ursache dieser seelischen Auswirkung sind laut den Forschern Progestine - synthetische Geschlechtshormonen, die die untersuchte Pillenart enthält: “Es könnte eine direkte Auswirkung der Progestin-Komponente auf das Gehirn geben”, sagte Angelica Linden Hirschberg von der Abteilung für Frauen- und Kindergesundheit beim Karolinska Institut, dem Wissenschaftsportal “Science Daily”.

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Sie weist aber darauf hin, dass die Ergebnisse nicht auf andere Pillentypen mit unterschiedlichen Risikoprofilen und Nebenwirkungen übertragen werden können.

Der Studie schreiben die Forscher trotzdem klinische Bedeutung zu: ”Auf die mögliche Verschlechterung der Lebensqualität sollte bei der Verschreibung der Pille sowie bei der Auswahl der Verhütungsmittel geachtet werden,“ sagte Niklas Zethraeus, einer der beteiligten Wissenschaftler.

Da die Studie nur auf einen kurzen Zeitraum angelegt war, bedarf es laut den schwedischen Forschern weiterer Untersuchungen, um die Langzeitfolgen genauer benennen zu können.

Frauen sollten genau beobachten, welche Wirkung die Pille auf sie hat

Deborah Batesman, Ärztin und Beraterin in Sachen Familienplanung, rät allen Frauen, genau zu beobachten, welche Wirkung die Pille auf sie hat.

“Jede Frau, die Stimmungsschwankungen erlebt, nachdem sie angefangen hat, die Pille zu nehmen, sollte ihren Arzt aufsuchen”, sagte sie der HuffPost Australia. “Denn dann gibt es sicherlich eine andere Option, die besser zu ihr passt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der HuffPost Australia und wurde von Daniella Schutze aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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(lk)

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