Wieso dieses Bild von Merkel und einem Panda eine Machtdemonstration ist

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Wieso dieses Bild von Merkel und einem Panda ein schlechtes Zeichen für Trump ist | dpa
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  • Merkel und der chinesische Präsident haben in Berlin zwei Pandas begrüßt
  • Die tierische Leihgabe der Chinesen ist ein diplomatisches Signal

Bei großer Diplomatie denken wir meist an staatstragende Reden. An Memoranden – unterzeichnet mit symbolträchtig goldenen Füllfederhaltern.

Doch manchmal ist große Diplomatie etwas ganz anderes. Ein deutscher Tierarzt etwa, der sonst Nilpferden Einläufe verpasst und dann auf einmal vor Kameras tritt, um über die deutsch-chinesische Freundschaft zu referieren.

Am Ende dieser irren Geschichte steht Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie steht da mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping – und heißt im Berliner Zoo zwei Pandas willkommen: das Weibchen Meng Meng (Träumchen) und das Männchen Jiao Qing (Schätzchen).

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Merkel und Xi vor dem Gehege, Quelle: Reuters.

Die Tiere sind Leihgaben der Volksrepublik China. Sie wurden nicht gekauft, nicht geleast, sondern den Deutschen "von Gnaden“ überlassen. Das kostet die deutsche Seite zwar fast eine Million Euro im Jahr – aber ist dennoch als große Geste der Chinesen zu verstehen.

Das mag bizarr wirken. Doch muss man wissen, dass der Panda für die Chinesen eine Art Heiligtum ist.

Für die Welt ist diese Panda-Übergabe also ein Zeichen. Ein Zeichen, dass Deutschland und China zusammenrücken – während sich andere von der Staatengemeinschaft entfremden.

Der letzte Panda war Helmut Schmidt zu verdanken


Seit Jahren versucht der Berliner Zoo, Riesenpandas nach Deutschland zu holen. Bis zu eine halbe Million Menschen im Jahr kommen zusätzlich in einen Zoo, wenn er einen Panda vorzeigen kann, berichtet die "Zeit“.

Bao Bao, der letzte Panda in Deutschland, war 2012 verstorben. Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte ihn im Jahre 1980 geschenkt bekommen – damals war es eine große Geste des chinesischen Regierungschefs Hua Guofeng. Es war ein Signal der Annäherung Chinas an Europa, das Peking im ideologischen Kampf gegen die Supermächte der USA und der Sowjetunion auf seiner Seite wissen wollte.

Heute geht es wieder irgendwie um die USA. Auch wenn das Projekt Panda schon lange vor Donald Trumps Amtszeit als US-Präsident begonnen hatte.

Merkel sagt, die Panda-Zeremonie stehe symbolisch für das Verhältnis zwischen Berlin und Peking. Ein Verhältnis, das auch deshalb immer enger wird, weil die USA für Merkel eben kein "Freund“ mehr sind, sondern nur noch ein "Partner“. So ist es im Parteiprogramm der Union nachzulesen.

Deutschland erwartet viel von China

Xi hatte die Abkehr Trumps vom Freihandel geschickt nutzen können, sich der Welt als Vorkämpfer gegen Protektionismus zu präsentieren, obwohl er genauso einen "ökonomischen Nationalismus“ verfolgt.

Nun dankt Merkel China für die enge Zusammenarbeit im Vorfeld des G20-Gipfels. Die beiden Pandas seinen "sehr sympathische Diplomaten“, Sonderbotschafter der deutsch-chinesischen Freundschaft.

Während US-Präsident Trump sich in Polen von rechten Hardlinern feiern lässt, die in der EU zwar markig auftreten, aber politisch zweitrangig sind, treffen sich in einem Berliner Tiergarten die Großen. China und Deutschland: Hier, vor dem Panda-Gehege, geht es um Führungsanspruch.

China dehnt seinen Einfluss etwa mit der Initiative für eine "neue Seidenstraße“ aus. Das bedeutet Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und neue Wirtschaftskorridore in anderen Ländern. Peking schneidert damit die neue Weltordnung auf sich zu. Eine Ordnung, in der Deutschland nicht zu kurz kommen will.

"Während die USA Verbindungen einreißen, baut China, das in der internationalen Diplomatie bisher eher zögerlich war, in halsbrecherischer Geschwindigkeit auf“, sagte Alex Wang, Professor für Umweltrecht an der Universität California Los Angeles dem US-Magazin "Vox“ kürzlich.

Ein Profiteur dessen will Deutschland sein. Merkel verspricht sich einen weiteren Ausbau der ohnehin florierenden Wirtschaftsbeziehungen und einen starken Partner im Kampf gegen den Klimawandel.

Probleme werden im Panda-Fiber ausgeblendet

Doch ganz so harmonisch, wie das vor dem Berliner Zoo-Gehege aussieht, wird die neu beschworene Zusammenarbeit nicht. Andreas Ochs weiß wie schwierig die Chinesen sein können.

Er ist besagter Tierarzt, der immer wieder persönlich nach Asien reisen musste, mit Diplomaten sprach und anderen Tierärzten, Forschern und Politikern, um den Panda-Deal schlussendlich einzutüten. Er ist der unverhoffte deutsche Diplomat, der mit "Träumchen" und "Schätzchen" ein Stück Zoogeschichte schreibt – und das, obwohl er sich sonst eher mit Elefanten-Herpes beschäftigt, als mit Weltpolitik.

Schwierig sind die Chinesen auch, weil sie deutschen Firmen immer noch massiv schlechter behandeln als die einheimischen. Während chinesische Unternehmen in Deutschland für riesige Summen Firmen aufkaufen, leiden deutsche Firmen in China unter Rechtsunsicherheit und werden bei Ausschreibungen benachteiligt.

Ein weiteres offenes Streitthema: Peking plant eine E-Auto-Quote. Eine feste Produktionsquote für Elektroautos also, die den deutschen Automobilherstellern das Geschäft in China vermiesen könnte.

Doch von all dem ist man im Berliner Tierpark heute weit entfernt. Zu groß ist die Freude über "Träumchen“ und "Schätzchen“.

Und vielleicht sogar darüber, dass Washington zuletzt einen Panda verlor – statt Panda-Zuwachs zu bekommen. Im Februar wurde der vierjährige Riesenpanda Bao Bao aus der US-Hauptstadt ins chinesische Chengdu geflogen.

Auch das gehört zur Panda-Diplomatie. Jungtiere von chinesischen Leih-Pandas werden zurück in ihre Heimat geflogen. Da kann Trump noch so viele Mauern bauen.

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(ks)


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