"Welcome to Hell": Diese radikalen Gruppen aus In- und Ausland wollen Hamburg diese Woche ins Chaos stürzen

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"Welcome to Hell": Diese radikalen Gruppen aus In- und Ausland wollen Hamburg diese Woche ins Chaos stürzen | Getty Images
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  • In Hamburg treffen sich beim G20-Gipfel auch internationale Aktivistengruppen
  • Nicht alle Proteste werden wohl friedlich bleiben
  • Diese Gruppen bereiten den Behörden am meisten Sorgen

Steinschleudern, Gasmasken, Messer, Feuerlöscher, Baseballschläger, Knüppel, Böller und Rauchbomben: Die Polizei in Hamburg präsentierte am Dienstag ein ganzes Arsenal von Waffen, das die Beamten sichergestellt hatten.

Militante Gruppen aus Rostock und Hamburg hatten die Gegenstände offenbar gesammelt, um sich für den G20-Gipfel in der Hafenstadt zu wappnen.

Die Bilder lassen nur ahnen, was extremistische Gruppen während des Zusammentreffens der mächtigsten Staatschefs der Welt am Wochenende planen.

"Hamburg soll brennen“, heißt es in Aufrufen von Aktivisten, "Welcome to Hell“ lautet das überall in den sozialen Netzwerken geteilte Motto vieler G20-Gegner.

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Teile des sichergestellten Waffenarsenals, Quelle: dpa.

Der Stadt droht Anarchie. Zumal das Gipfeltreffen der Regierungschefs auch ein Gipfeltreffen internationaler Aktivisten wird. Aus aller Welt kommen neben zehntausenden friedlich gesinnten Demonstranten militante Gruppen, deren Ziel vor allem eins ist: Die Veranstaltung im Chaos zu ersticken.

Behörden warnen vor "schweren Straftaten"

Bundesinnenminister Thomas de Maizère ist alarmiert. Am Dienstag verkündete er bei einer Pressekonferenz, es gebe starke "Bewegungen der autonomen Szene Richtung Hamburg“. Ihnen gehe es nicht um eine Sitzblockade, sondern um "massive Angriffe“.

Bilder zeigen das riesige Fahrzeug-Aufgebot der Polizei: gepanzerte Wagen, Wasserwerfer, 15.000 Polizisten sind einsatzbereit. Hamburg rüstet auf – für bis zu 100.000 Demonstranten. Mindestens 8000 von ihnen sollen gewaltbereit sein.

Besonders aus Skandinavien, der Schweiz und Italien reisten zahlreiche Aktivisten an, bestätigte das Innenministerium. "Schwerste Straftaten“ seien von besonders radikalen Gruppen geplant, warnte Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer.

Die italienischen Aktivisten sind weltweit berüchtigt. Hunderte italienische Autonome sorgten schon im Jahre 2015 bei den Blockupy-Protesten vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt für Schlagzeilen. Damals wurden die Polizisten von der Gewalt der Demonstranten völlig überrumpelt. Es flogen Steine, Polizeiwagen brannten – sogar ein Auto, in dem zum Zeitpunkt des Angriffs noch Polizisten saßen.

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Die Blockupy-Proteste 2015 in Frankfurt, Quelle: Reuters.

Mittendrin: der blaue Block. Italienische Autonome in blauen Kapuzenpullovern, die nicht vor Gewalt zurückschreckten.

Hunderte Italiener wollen gegen Abschiebungen protestieren

Auch dieses Mal werden hunderte Aktivisten erwartet. Sie kommen aus Neapel, Turin, Catania, Rom und Bologna. Wie radikal sie auftreten, wird wohl vor allem von den deutschen Organisatoren der Veranstaltungen abhängen, glaubt HuffPost-Italien-Reporterin Angela Mauro.

Den italienischen Gruppen gehe es vor allem um die europäische Asylpolitik. Sie wollen gegen Abschiebungen protestieren.

Auch aus Schweden, Finnland und Dänemark haben sich Aktivisten angekündigt. Die Autonomous Revolutionary Nordic Alliance (ARNA), ein Bündnis aus antifaschistischen Gruppierungen hat Busse gechartert, die Demonstranten nach Hamburg bringen.

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Screenshot vom Aufruf der Skandinavier.

In einem Aufruf machen die Linken Stimmung gegen die anwesenden Staatschefs. "Diese machthungrigen Schakale sind nicht die Architekten des Kapitalismus, sondern seine Ausgeburt. (...) Wir leisten Widerstand gegen ihre Politik und arbeiten daran, eine neue Gesellschaftsordnung von unten zu erschaffen.“

Am Freitag wollen sie mit deutschen und anderen ausländischen Demonstranten den Hamburger Hafen blockieren. Am Samstag planen die Skandinavier, bei einer internationalen Demonstration "den radikalen linken Block“ zu bilden, heißt es auf ihrer Webseite.

Schweden kommen in großen Bussen


Wie viele skandinavische Aktivisten mit nach Hamburg reisen, wollte ARNA auf Anfrage nicht kommentieren. An einer Anreise aus Stockholm waren jedoch so viele interessiert, dass ein größerer Bus gemietet werden musste.

Solche Sorgen braucht sich die Hamburger Autonomenszene nicht machen. Für sie ist G20 ein Heimspiel.

Die größten Aktionen, wie die "Welcome to Hell"-Demo am Donnerstag gehen vom Szenetreffpunkt Rote Flora im Schanzenviertel aus.

Die gewaltbereite Gruppe Roter Aufbau Hamburg veranstaltet am Freitag die "Revolutionäre Anti-G20-Demo“. Ein Video, das die Gruppe bei Youtube hochgeladen hat, zeigt, worum es den Aktivisten geht.

Ein Mann im Kapuzenpullover geht auf den Aufnahmen durch die Hamburger Innenstadt. Immer wieder rücken Polizeiwagen in den Fokus der Kamera. Die Message ist klar: Hier ist der Feind, der Überwachungsstaat.

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Screenshot aus dem Video von Roter Aufbau Hamburg.

Am Ende landet der Mann in einem dunklen Zimmer. Dort steht ein Fernseher. Nachrichten. Merkel spricht zur Presse, Erdogan ist zu sehen, Trump vor dem Weißen Haus. Der Mann mit der Kapuze zückt einen Baseballschläger – und zertrümmert das Gerät.

Martialische Bilder aus der deutschen Szene

Ähnliche Videos haben viele deutsche Aktivistengruppen produziert. Sie alle wirken professionell, durchdacht – und martialisch.

So auch der Clip des Bündnisses "G20 entern“. Vermummte Aktivisten zünden Pyrofackeln, Rapmusik sorgt für den kämpferischen Soundtrack der Linken, die sich als Kämpfer gegen "das weltumspannende Wirken der kapitalistischen Nationen, Banken und Konzerne“ sehen.

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Screenshot aus dem Video von "G20 Entern"

"Mit uns gibt es Molotow-Cocktails statt Sektempfang", tönte ein Mitglied der Gruppierung in den vergangenen Tagen bei Facebook. Auch auf Türkisch haben die Aktivisten einen Aufruf veröffentlicht. Antifa-Mitglieder aus Istanbul haben ihr Kommen angekündigt.

Den Behörden macht derweil eine andere Gruppierung aus der Türkei Sorgen. Talip Dogan Karlibel, Pressesprecher der türkischen Polizei-Gewerkschaft "Polis Sendikasi“, behauptet, dass rund 500 türkische Nationalisten in Hamburg auflaufen würden.

Angst vor Gewalteskalation wegen Erdogan

Der Grund: Sie sollen die Bodyguards des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan abschirmen.

Die umstrittene Leibgarde Erdogans steht nach den Prügel-Szenen in Washington unter genauer Beobachtung, gegen einige der Männer laufen Ermittlungen.

Karlibel streute bei Twitter das Gerücht, deutsche Spezialeinheiten sollten Erdogans Gefolgschaft auf Schritt und Tritt folgen und bei einem möglichen Fehlverhalten festnehmen. Die Hamburger Polizei bestreitet das.

Dennoch könnte ein Aufmarsch türkischer Nationalisten die Stimmung in Hamburg weiter aufheizen. Die linke Mehrheit der Demonstranten sieht in Erdogan einen Autokraten, viele der Linken sympathisieren mit kurdischen Gruppierungen in der Türkei.

Auf die Polizei wartet so eine äußerst brenzlige Lage. Es könnte eine "Höllen“-Aufgabe werden.

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(ks)

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