"Ich rechne mit dem Schlimmsten" - das denken junge Demonstranten über die bevorstehenden G20-Proteste

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Die ersten Demonstrationen zum G20-Gipfel waren ein voller Erfolg -und friedlich. | Maximilian Marquardt
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  • Die Hamburger haben klare Stellung zum G20-Gipfel bezogen
  • Lautstark und bunt demonstrierten sie den ganzen Tag

Ideenreich, ausgelassen und lautstark. So zeigten sich die Hamburger auf den ersten drei Auftakt-Demonstrationen gegen den G20-Gipfel. Auf beindruckende Art zeigten sie, was sie vom Treffen der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländern halten: Nämlich gar nichts!

Bereits am Morgen gegen 8.30 Uhr starteten die friedlichen Demonstrationen in der Stadt. Die Aktion "1000 Gestalten“ setzte ein Zeichen für mehr Solidarität und politische Partizipation in der Welt.

Mit dem darauffolgenden "Women´s March against Trump & G20“ zogen zirka 400 Frauen und Männer von Hamburg Altona bis zu den Landungsbrücken.

Um 18.00 Uhr rundete eine kunterbunte Musik-Veranstaltung unter dem Titel "Nachttanzdemo“ das friedvolle Rahmenprogramm vom Mittwoch ab.

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Demonstranten auf dem Women´s March against Trump. Credit: Maximilian Marquardt

Beeindruckend anzusehen und gut besucht waren alle Demonstrationen. Die Organisatoren zeigten sich äußerst zufrieden, waren aber trotzdem angespannt. Das lag an der durchaus aggressiven Polizeipräsenz vor Ort. Manche Teilnehmer vermuten, dass es sich um eine bewusste Einschüchterungsstrategie der Ordnungshüter handelt.

Die HuffPost hat sich auf der Straße mit den Demonstrierenden unterhalten:

"Super, lautstark und kämpferisch!“

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Nils / Organisator/ SAV/ Women´s March

Hi Nils, bist du zufrieden mit der bisherigen Demo?

"Ich bin sehr zufrieden. Wir haben im Vorfeld gar nicht so sehr für die Demo mobilisiert - erst zwei Wochen vorher. Dafür sind nun wirklich viele Menschen gekommen. Die Demo war echt super, lautstark und kämpferisch!"

Gab es im Vorfeld irgendwelche Probleme oder Repressalien?

"Nein, bei uns nicht. Zum Glück. Alles lief nach Plan ab und so wie es genehmigt wurde.“

Was erwartest du dir von den nächsten Tagen?

"Ich freue mich auf die kommenden Demonstrationen. Ich erwarte bunte, friedliche aber laute Proteste, die zeigen, dass G20 in Hamburg nicht willkommen ist und sie nicht das Recht haben, uns die ganze Stadt lahm zu legen. Ich finde es nicht gut, dass beim G20 nicht die wirklich wichtigen Probleme der Welt angesprochen werden - deshalb demonstrieren wir.“

"Der Fokus fehlt mir irgendwie“

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Hannah (Name geändert), Studentin / Teilnehmerin Women´s March

Wie findest du die Demo bisher so?

"Mir gefällt es schon gut, aber es nervt mich, dass die Demonstration nicht dem Namen gerecht wird!“

Inwiefern das?

"Naja, es heißt doch Women´s March. Es stört mich ein wenig, dass dann ständig andere Parolen gerufen werden, zum Beispiel auch kommunistische Slogans. Dafür gehe ich nicht auf die Straße - sondern für die Rechte der Frauen und gegen Trump.“

Enttäuscht dich das?

"Enttäuscht bin ich nicht, aber es nervt mich ein wenig. Der Fokus der Demo fehlt mir. Man hätte es klarer sagen sollen, dass es eine Frauen-Demo ist, also für die Rechte der Frau, gegen Sexismus und Unterdrückung!“

Wirst du an den anderen Demos teilnehmen?

"Nicht an allen, ich muss relativ viel für die Uni machen und habe eigentlich keine Zeit. Aber am Samstag bei der großen Anti-G20 Demo, bin ich garantiert dabei!“

"Ich rechne mit dem Schlimmsten“

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Sebastian, Angestellter / Teilnehmer "1000 Gestalten“

Hallo Sebastian, du warst heute Teilnehmer bei der "1000 Gestalten“ Demonstration. Erzähl doch mal: Wie war es?

"Das war im Endeffekt ein lang geplantes Projekt von einem Kunst-Kollektiv aus Berlin. Es ging darum, tausend Menschen in Lehm zu kleiden, die quasi die Last darstellen sollen, die auf den Schultern unserer Gesellschaft lastet. Es war eine alternative Demo.“

Wie ist es bei den Leuten angekommen?

"Es war sehr viel Presse da, aber auch sehr viele Zuschauer. Ich war wirklich überrascht. Das Kollektiv vor Ort hat extrem viel Input geliefert und wirklich starke Arbeit geleistet. Ich bin immer noch beeindruckt. Es hat vor allem auch ein Zeichen gesetzt, dass Demo nicht immer nur bedeutet, ein Fähnchen hoch zu halten, sondern dass es auch andere, alternative Formen des Protestes gibt.“

Bist du auch auf den anderen Demos dabei?

"Klar doch! Ich habe mir sogar extra Urlaub genommen um gegen G20 zu demonstrieren- die ganze Woche."

Was erwartest du von den nächsten Tagen?

"Also, die Polizei verhält sich hier sehr aggressiv. Die gestrige Veranstaltung an der Schanze wurde, obwohl die vollkommen friedlich verlief, plötzlich von der Polizei geräumt. Absolut unnötig. Wenn ich mir das so ansehe, dann rechne ich mit dem Schlimmsten für die kommenden Tage. Deeskalations-Taktik ist das nicht!“

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(ks)

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