Irres Interview: Erdogan macht Deutschland 3 schwere Vorwürfe – nur Merkel lobt er

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  • Erdogan hat der "Zeit" ein Interview gegeben
  • Deutschland wirft er unter anderem Terrorunterstützung vor
  • Der türkische Präsident kritisert SPD-Chef Schulz
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr zusammengefasst auch im Video oben

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat der "Zeit" ein Interview gegeben. Allein das ist bemerkenswert. So gut wie nie spricht der Chef der islamisch-konservativen Partei AKP mit internationalen Medien, schon gar nicht mit den deutschen.

In dem Gespräch macht Erdogan der deutschen Regierung schwere Vorwürfe. Was der türkische Präsident sagt, zeigt deutlich, wie angespannt das Verhältnis beider Länder ist.

Besonders drei Vorwürfe macht Erdogan den Deutschen.

1. Deutschland hat keine freien Medien

Erdogan betont in der "Zeit", er glaube nicht, dass unabhängige Medien existieren. Darin begründet der türkische Präsident auch seine Abneigung mit internationalen Journalisten zu sprechen.

"Die deutschen Medien betreiben eine Kampagne der Anschwärzung gegen uns. Teil dieser Kampagne waren Gespräche mit Terroristen", sagt Erdogan. Die Berichterstattung über ihn sei gefärbt und ideologisch, sagt Erdogan.

"Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo beteuert, noch nie habe ein Politiker oder ein Herausgeber Einfluss auf seine Arbeit genommen. Doch Erdogan glaubt ihm nicht. Der AKP-Chef fragt: "Soll ich das glauben?"

Viele deutsche Zeitungen hätten Erdogan als Diktator bezeichnet. "Wie definiert dieses Medium einen Diktator?", will der wissen. Später sagt Erdogan: "Sie sollten erst einmal nachschlagen, was das ist, ein Diktator!"

2. Deutschland unterstützt Terroristen

Die Vorwürfe, Deutschland unterstütze Terroristen, vertieft der türkische Präsident. Es gehe ihm nicht nur um Interviews deutscher Journalisten mit Mitgliedern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Erdogan spricht auch Veranstaltungen und Demonstrationen an, die in der Bundesrepublik stattfänden. "In einem deutschen Polizeiwagen können sie mit dem Poster des Terroristenführers demonstrieren. In einem deutschen Polizeiwagen, wir haben Aufnahmen!", so Erdogan. Die PKK sei auch in Deutschland verboten, betont di Lorenzo.

Doch Erdogan macht weiter. Auch dass Deutschland türkischen Soldaten Asyl gewährt hat, interpretiert er als Unterstützung des Terrorismus.

"Du bist Angehöriger der Armee, in der Nato, dein Dienst endet, du bleibst in Deutschland, warum? Geh doch in dein Land. Wenn du nicht schuldig bist, gibt es doch kein Problem. Wenn du schuldig bist, musst du in deinem Land vor Gericht", wütet der türkische Präsident.

Er habe 4500 Akten an die Bundesregierung übergeben, die ihre Schuld beweisen würden, behauptet Erdogan.

Die Vorwürfe, in der Türkei würde die Soldaten kein faires Verfahren erwarten, schmettert er ab.

3. Deutschland begeht "Selbstmord"

Erdogans Fazit klingt martialisch: "Deutschland begeht Selbstmord!"

Was er meint? Ganz klar wird das nicht. Erdogan regt sich darüber auf, dass er im Rahmen des G20-Gipfels nicht zu seinen Anhängern in Hamburg sprechen darf.

"Was ist das bitte schön für eine Geisteshaltung? Das ist sehr hässlich. Mir ist so etwas noch nie begegnet", sagt er. Man müsse diese Fehler korrigieren, fordert Erdogan.

Er werde nun eben an den Versammlungen der G20 teilnehmen und das, was er zu sagen habe, dort sagen, und wieder zurückfahren. "Aber man kann mich doch nicht mundtot machen!", sagt der AKP-Chef.

"Ich spreche ja im türkischen Fernsehen, und die strahlen ja auch in Deutschland aus. Dann sollen sie auch diese Sendungen in Deutschland verbieten!"

Erdogan: "Ich habe mich nicht mit Merkel überworfen"

Bei all der Wut ist es fast überraschend, dass Erdogan eine nicht angreift: Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Ich habe kein Problem mit der Kanzlerin. Beim Nato-Gipfel habe ich Frau Merkel getroffen und gesprochen", sagt Erdogan.

Er und Merkel hätten sich nicht überworfen. Nur einmal macht Erdogan auch der Kanzlerin Vorwürfe. Weil die sich für die Freilassung des deutschtürkischen Journalisten Deniz Yücel einsetzt. "Dass Frau Merkel überhaupt die Rettung eines Terrorverdächtigen auf die Tagesordnung bringt, war für mich auch sehr, sehr sonderbar", sagt Erdogan.

Vielleicht auch deshalb wünscht Erdogan sich die Zeit unter Gerhard Schröder zurück. Die Beziehungen seien sehr gut gewesen. Neu-SPD-Chef Martin Schulz sei da anders.

Der hatte Erdogan zuletzt scharf für die Inhaftierung zahlreicher Journalisten kritisiert. "Die Herangehensweise von Herrn Schulz ist ideologisch", kritisierte Erdogan.

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(ks)

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