Ehe für alle: "FAZ"-Redakteur schießt gegen die eigene Zeitung

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Ehe für alle: "FAZ"-Redakteur schießt gegen eigenes Blatt | Tobias Schwarz / Reuters
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  • Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat durch ihre ablehnende Haltung zur Ehe für alle viel Kritik geerntet
  • Besonders ein anonymer Gastbeitrag sorgte für heftige Empörung
  • Jetzt hat selbst ein "FAZ"-Redakteur Kritik an der eigenen Zeitung geübt

Nach dem ekelerregenden Gastbeitrag “Wir verraten alles, was wir sind”, der vor einigen Tagen in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” erschien, ebbt der Sturm der Empörung nach wie vor nicht ab. Nun hagelt es sogar Kritik aus den eigenen Reihen.

“FAZ”-Feuilletonredakteur Christian Geyer nimmt in der Ausgabe vom Mittwoch klar Stellung gegen sein eigenes Blatt. Auf der ersten Seite heißt es dort: “Wer die ‘Ehe für alle’ mittels biologistischer Fiktionen oder aufgrund von Insinuationen über Homosexuelle ablehnt, verdient kein Gehör und nicht einmal Publizität.”

Damit findet Geyer deutliche Worte gegen den rückwärtsgewandten und teils wirren Gastbeitrag, der zuvor unter einem Pseudonym für die Zeitung geschrieben wurde.

Gastbeitrag unterstellte homosexuellen Paaren, Inzest zu betreiben

Dort behauptete der Autor unter anderem, dass adoptierte Kinder ungleich stärker der Gefahr sexuellen Missbrauchs ausgeliefert seien, da bei gleichgeschlechtlichen Paaren die Inzest-Hemmung wegfalle.

Die Behauptungen wurden weder mit Studien noch mit Zahlen untermauert, weswegen sich die “FAZ” die Frage gefallen lassen muss, warum sie eine solch eine beleidigende Diffamierung veröffentlicht. Eine öffentliche Diskussion hatte das Traditionsblatt damit jedenfalls nicht losgetreten – lediglich einen großen Shit-Storm.

"Als gesunder Verleger muss man nicht nur überlegen, was Leser kaufen, sondern was man publizieren möchte - und was nicht", kritisierte ein Nutzer.

Ein anderer sprach vom Tod des Niveaus und Anspruchs der Zeitung.

Und ein dritter Nutzer rief die Menschen gleich dazu auf, ihr "FAZ"-Abo zu kündigen.

"FAZ"-Redakteur Geyer bekommt viel Zuspruch

Ganz anders die Reaktionen auf den neuen Beitrag des Feuilletonisten Geyer. Zahlreiche Nutzer bei Twitter lobten dessen Kommentar von Geyer - etwa der Medienjournalist Stefan Niggemeier: "Christian Geyer hat eine Botschaft für seine Kollegen aus dem Politikressort."

"Selbstkritik im Leitartikel. Bravouröse", freute sich ein anderer Nutzer.

Bereits am 30. Juni hatte die “FAZ” mit zwei Tweets auf die Kritik und sich von ihrem Gastbeitrag distanziert: Man habe die Kritik am Gastbeitrag "Wir verraten alles, was wir sind" gesehen. "Wir möchten deutlich machen, dass es sich um einen Gastbeitrag handelt und dieser nicht die Meinung der F.A.Z.-Redaktion widerspiegelt."

Dem Ärger über den unrühmlichen Beitrag tat das aber keinen Abbruch - nicht einmal, so scheint es nun, im eigenen Haus.

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(jg)

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